Thursday, January 27, 2011

"You like pain?...

...Try wearing a corset!!!", fährt Keira Knightley a.k.a. Elizabeth Swan in Fluch der Karibik einen der untoten Piraten an und rammt ihm kurz darauf einen xxl-Kerzenleuchter ins Kreuz.
Dieses passiert etliche Szenen, nachdem sie aus Atemnot wegen des zu engen Korsetts das Bewusstsein verliert und über die Balustraden der Burg (?) ins Nichts kippt, um kurz darauf von Johnny Depp gerettet zu werden.


Korsette sind also schmerzhaft? Sehen wir selbst.

Die Probe aufs Exempel (allerdings ohne Stunts) machte ich vor ein paar Wochen: Durch die ästhetischen Qualitäten, die derartige Kleidungsstücke stets zu haben pflegen, und den vergleichsweise niedrigen Preis solcher auf corsets-uk.com angeregt, beschloss ich, mich zu Weihnachten selbst zu beschenken und bestellte mir ein wunderschönes, samtenes, grünes Korsett mit schwarzen floralen Einsprengseln.

Mit erheblicher Verspätung (aus 3-7 Werktagen wurden auf einmal schneebedingt 30 Tage), erreichte es mich und sogleich ließ ich mich von meiner allerliebsten Mitbewohnerin hineinschnüren, und was soll ich sagen?

Das ganze Prozedere hat absolut etwas von Sadomasochismusspielchen (Fester? Ja, zieh nur an. Wirklich? Aber ja, da geht noch mehr!) und ich wünsche mir ein Bett mit schön geschnitzten Massivholzbettpfosten, an denen man sich festklammern kann, damit's einen nicht ständig zurückreißt - so wie in den Filmen eben. das Schnüren und Ziehen dauerte eine Weile, doch schließlich war ich drin. Auf einmal war meine Haltung 1A, Sitzen war schwierig, Bücken unmöglich und bewegen konnte ich mich nur wie ein Roboter. Aber gut sah es aus und eine schlankere Taille hatte ich wohl schon seit Jahren nicht mehr!

Nachdem ich dieses Konstrukt aus Stahlbändern, Stoff und Schnüren nun daheim herumliegen habe, sah ich vor ein paar Wochen die Zeit gekommen, es auch auf Ausgehtauglichkeit zu testen. Wieder ließ ich es um mich festzurren, aber diesmal nicht so, dass die Schnüre schon zu krachen begannen, sondern so, dass ich sowohl atmen, als auch gehen, als auch (mit einigen Einschränkungen) sitzen konnte und machte mich auf den Weg.

Normalerweise hätte ich die Strecke zu Fuß bewältigt, doch eine Feuerprobe einige Tage zuvor (Korsett zu eng, Cola getrunken, zum Bus gelaufen, halb umgekippt und es mir schließlich aus Gründen der Übelkeit beim McDonalds vom Leibe gerissen*) hatte mich eines besseren belehrt und ich drosselte mit viel Willenskraft meinen Schritt und bewegte mich gemächlich auf die Bimstation zu. Ein langer Abend stand mir bevor und ich zweifelte an meinem Durchhaltevermögen.

Zu meinem Erstaunen hielt ich dann tatsächlich durch: Mit bester Haltung saß ich auf der erhöhten Bank (die niedrigen Polstermöbel davor waren eine Qual!), aß und trank so wenig wie sonst selten und schaffte es, relativ schmerzfrei ein paar Stunden Spaß zu haben. Danach wurde der Druck auf meine Rippen zu stark und ich entkorsettierte mich. Das Korsett wurde in Folge herumgereicht und alle durften es mal anprobieren (nur Mädels, versteht sich) und zu meinem Erstaunen fühlte ich mich nach dieser Viertelstunde des freien Atmens wieder bereit, meine Lungen zu bändigen. So stand ich schließlich voll geschnürt den ganzen Abend durch und, ja, bewältigte schlussendlich sogar den Heimweg zu Fuß (zwar langsamer als sonst, aber immerhin!)


Hatte Keira Knightley also recht?
Abstreiten kann man die einschränkende Wirkung wohl schwerlich, aber wenn man's mit Zug, Druck und Knotung nicht übertreibt, lässt sich's auch ohne Ohnmachtsanfälle ganz gut tragen. Ich mag es jedenfalls. Es ist ein Kleidungsstück, das vor allem bei der Bekämpfung von Haltungs-, Gewichts- und Geldverschleißproblemen seine Wirkung zeigt und nebenbei noch wunderschön anzuschauen ist.


*An dieser Stelle ist aus Geziemlichkeitsgründen anzuführen, dass ich darunter durchaus noch züchtig gekleidet war