Sunday, January 06, 2013

Weave your own web with care

Dieser Beitrag ist eine Verknüpfung von vielerlei Gedanken, die mit einem roten Faden zu verbinden ich versuche. Eventuell ist dieses Netz æsthetisch nicht ganz ausgereift, doch der Inhalt hoffentlich umso brauchbarer, vor allem, weil er einen Faden zu einem anderen, besseren Blog spinnt.


Der - zugegebenermaßen eher gescheiterte - vorweihnachtliche Versuch, auf das Internet und meine Anknüpfstellen dort zu verzichten hat immerhin dazu geführt, dass ich mehr reflektiere, wofür ich das Internet überhaupt verwende. Ich rufe Emails ab, suche Antworten auf spontan auftretende Fragen und lasse mir Autorouten vorzeichnen. Ich lese hin und wieder mein Horoskop, halte mich in einem Forum auf, dessen Hauptthema mich kaum tangiert und schreibe meine Gedanken in einen Blog, von dessen Leserschaft ich nur eine vage Ahnung habe. Ich versuche dabei meist, ähnliche Distanz zu wahren, wie ein Kolumnist in seinen Beiträgen in einer Zeitung.

Dass ich mich aus der Facebookcommunity vor mittlerweile über einem Jahr zurückgezogen habe (v.A. weil mir deren Datenschutzvorgänge schleierhaft und suspekt sind) bereue ich mit keinem Tag: Die Leute, mit denen ich dort befreundet war, sehe ich entweder nie, oder habe zu ihnen über andere Kanäle ohnehin mehr Kontakt, als Facebook mir bieten könnte. Außerdem schlage ich bei weitem nicht mehr so viel Zeit unnütz tot wie ich dort getan habe.

So manche(r) wird lachen, wenn ich jetzt erzähle, dass ich seit ein paar Monaten ein Twitterkonto eröffnet habe. Niemals wollte ich das - ist ja das gleiche wie Facebook, dachte ich. In Wirklichkeit aber, muss ich gestehen, finde ich Twitter sehr praktisch, denn es beliefert mich mit Informationen über die Vorgänge auf dieser Welt - und zwar aus verschiedenen Blickwinkeln - und führt mich so auch in Ecken, die ich von alleine wohl nicht aufgesucht hätte.
Oft tadelte ich mich schon, weil ich zuwenig Zeitung lese und aus Fernseh- und Radioabstinenz auch sonst nicht mit der Welt gleichauf bin, doch nun habe ich wohl meinen persönlichen Zugang gefunden, der aus einer bunten Selektion von Quellen besteht, aus denen mir Information zufließt.

Darüber bin ich heute auch über den wunderbaren Blog der Dresden Dolls Sängerin Amanda Palmer gestolpert, in welchem sie gestern einen sehr persönlichen Beitrag über mobbing und bullying via Internet schrieb; ins Rollen gebracht durch ein von ihr zufällig gefundenes Video, in dem ein junges Mädchen sich von der Welt verabschiedet, bevor sie sich das Leben nahm.
Ich war erschüttert.
Ich las einen Teil der Kommentarflut unter diesem Blogeintrag, wo viele Leser(innen) persönliche Geschichten aus der Schulzeit auftischen und war den Tränen nahe.
Was wiederkehrt ist die Tatsache, dass das Internet für viele junge Menschen ein Umschlagplatz für Gemeinheiten, kompromittierende Fotos und Videos und feige Angriffe wird und dass Jugendliche sich von dieser schwammigen virtuellen Gemeinschaft offenbar so sehr in eine Ecke drängen und isolieren lassen, dass sie zu Verzweiflungstaten schreiten.
Ich führe das hier an, weil Palmers Blog (und vor allem der verlinkte Beitrag) sehr lesenswert ist und ich für Lesenswertes gerne Werbung mache und weil ich beeindruckt bin auf was für ein riesiges Echo sie mit ihren Reflexionen stößt. Das gebe ich gerne weiter*.
Es ist schön, dass Amanda mit ihrem Blog eine riesengroße Reaktionswelle hervorruft, die Menschen die Möglichkeit gibt zu sehen, dass sie nicht die einzigen sind, denen man unfair mitspielt und dass sie durchaus die Möglichkeiten haben, über ihr Netzkonstrukt hinaus zu anderen Menschen Kontakt zu knüpfen - und sei es ausgerechnet über das ambivalente Internet.

Fazit: Die Tatsache, dass man sich mehrerlei Netze auf verschiedenen Ebenen weben kann (real, virtuell, postalisch,...) ist eine angenehme, aber man muss gut aufpassen, dass man sich nicht verstrickt und den Fokus zu eindimensional werden lässt. Es gibt immer ein Außerhalb des Netzes und andere Punkte, an denen man anknüpfen kann und ich wünsche jedem und jeder, viele solche zu finden, wenn die Horizonte dieser Welt wieder mal zu eng scheinen.

Ich persönlich werde nach einem Tag der reinen Internetkultur innerlich nervös und werde diese Gefilde jetzt wieder verlassen, um mit meiner Umwelt in Wechselwirkung zu treten und die dort gesponnenen Netze zu erhalten.


*(Ach ja, wenn irgendjemand sich dafür interessieren sollte, was ich noch für lesenswert halte, könnt ihr mir ja auf Twitter folgen. Als apis caerulea leite ich dort die Dinge weiter, die mir besonders wichtig scheinen.)



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