Saturday, October 09, 2010

Limes per birotas - treten und schwitzen am obergermanisch-rätischen Limes

Ungefähr drei Jahre lang war der Grobplan den deutschen Limes mit Fahrrad abzufahren und sich auf der Strecke an all den alten Mauerresten und neuen Rekonstruktionen von Wachtürmen und Kastellen zu ergötzen ruhig auf dem gedanklichen Regal mit der Aufschrift "Reiseideen" gelegen und hatte sich dort als Staubfänger ganz gut gemacht, bis ich beschloss, dass es an der Zeit sei ihn dort herunterzunehmen, abzustauben und in verfeinerter Weise auszuführen.

Nach längerem Hin und Her zwecks Terminfindung und Teilnehmern, standen beide fest und ich hatte die ursprünglich von mir für 10 Tage geplante Etappe von etwa 818km (und einer Gesamtsumme an mehreren tausend Höhenmetern) auf 7 Tage herabgekürzt. (Dabei hatte ich mich an den vorgeschlagenen Etappen des Vereins Deutsche Limesstrasse orientiert, von denen niemand offenbar den gesamten Weg in dieser Zeit je abgefahren hat. Oder vielleicht haben sie einen anspruchslosen, ehemaligen tour-de-france-Sieger damit beauftragt, man weiß es nicht.)



Begleiten sollten mich bei diesem Abenteuer meine beiden recht erprobten bayrischen Freunde, Stephan und Felix, und, die Fahrräder beladen mit vollen Packtaschen, brach ich zusammen mit diesen beiden am ersten September mit der Bahn von München auf nach Bad Hönningen. Eines ist uns allen gemeinsam: Schlafmangel. Bei Felix kommt noch eine Erkältung hinzu. Das kann ja heiter werden!


1.Tag oder Return to base
Bad Hönningen - Höhr-Grenzhausen: geplante 45.5 km und 600 Hm Steigung (reale 60 km und 800Hm Steigung)

Angekommen in Bad Hönningen machten wir uns auf die Suche nach dem Limesradweg, der angeblich allerorts recht übersichtlich ausgeschildert hätte sein sollen, aber aufgrund der Unbrauchbarkeit des Kartenmaterials und einem eklatanten Schildermangel sollte sich dieses recht schwierig gestalten - ein Problem mit dem wir tagtäglich mehrmal konfrontiert werden sollten (ich werde es trotz der großen Versuchung im Rest des Eintrags aussparen und mich nicht weiter drüber aufregen).
Gleich zu Beginn kämpften wir uns einen ordentlich ansteigenden Waldweg hoch (inklusive Absteigen und Schieben, wobei es mich in Ermangelung brauchbaren Profils an den Schuhen, sowie der Schwere des Drahtesels beinahe horizontalisiert hätte), vorbei an einem rekonstruierten Wachturm, den Resten des Limeswalls samt Graben und vielen vielen Bäumen. Spektakulär wurde erst Niederbieber, wo mich das Haus mit der porta praetoria als Vorbau/Eingang gleich mal am Meisten beeindruckte. Auch das Kastellbad war nett.

Das Haus wird durch das Tor des alten Römerlagers betreten

Fast am ersten Etappenziel angelangt, fuhren wir wenig später in Bendorf ein, wo wir gleich mal die scharfe Linkskurve beinhahe versäumten, weil das Schild etwas unübersichtlich angebracht war. Vor uns lag ein Anstieg. Wir stiegen ab und pausierten vor diesem vermeintlich letzten Kraftakt des Tages. Die Sonne begann unterzugehen, wir schwangen uns auf unsere equi ferrei (Felix) und ritten unter großer Anstrengung den Berg hinan. An dessen Kuppe angekommen, verließen wir die Straße (4km bis Höhr-Grenzhausen) und folgten dem Wegweiser auf einen Feldweg, der zu unser aller Erleichterung bergab ging.
Eine wunderschöne Abfahrt später standen wir mit Stadtplan in der Ortschaft und versuchten unser Quartier zu finden. Auf dem Stadtplan fanden wir uns nicht zurecht, und so fragten wir uns zum Rathaus durch... Nun standen wir so auf der Hauptstraße, als Stephan auf einmal meinte "Da waren wir vor 1 1/2 Stunden schon mal." Zunächst lachte ich, hielt das Ganze für einen Scherz und versuchte weiterhin den Stadtplan zu verstehen. Es sollte sich herausstellen, dass das doch kein Scherz war....

Um 10 Uhr abends, nachdem wir uns einen gewissen Berg zum zweiten Mal hinaufgekämpft hatten, kamen wir endlich erschöpft im Quartier an: Dusche - Gnocchi - Bett.


2. Tag - oder Pain, rain and the dark
von Höhr-Grenzhausen nach Schlossborn (ca. 117 km, ca. 1200 Hm)

Dieser Tag sollte es in sich haben - in jeder Hinsicht...

Nach einer erholsamen Nacht und einem gemütlichen Frühstück brachen wir auf und bewegten uns für eine Weile ob der Flüchtigkeit des Limesradwegs alternierend auf Limes-Wanderweg und Limesstraße (weil es auch so viele komische Wege geben muss!), vorerst nach Bad Ems. Bei Pflaumen- (oder doch Apfel-??) -kuchen und Kaffee entspannten wir uns im schönsten Sonnenschein und erstanden die ersten Postkarten, bevor wir wieder voller Elan (und Koffein) auf die Räder sprangen. Schließlich wollten wir vor Nachtanbruch unser nächstes Ziel erreichen.

Kaffeejause in Bad Ems

Der Weg führte bergauf und -ab (vorwiegend ersteres), durch ländliche Gegenden, vorbei an apfeltragenden Bäumen, Schafweiden, Bächen und einer Koppel mit Fjordpferden (die ich peinlicherweise für Przewalskipferde hielt...jaja. Ich schäme mich eh.), wo ich der Versuchung nicht widerstehen konnte und absteigen musste um sie zu füttern und zu streicheln. Erst als der Apfel aufgebraucht war, schwangen wir uns wieder auf die unsrigen Rösser und ritten weiter - über Wiesen- und Waldwege. Eilig hatten wir's und bretterten mit einer ziemlichen Geschwindigkeit alle absteigenden Wege hinab. Bis einer der Waldwege mir zum Verhängnis wurde: eine ausgewaschene Spurrinne brachte mich ins Schleudern, gegen das bei der schnellen Geschwindigkeit kein Gegenlenken half und so zog ich - dummerweise - die Bremsen. Mein Pferd bockte, legte sich hin und schon flog ich über die Lenkstange, landete am Waldweg, rollte noch ein paar Meter und sprang dann sofort erschrocken auf, damit die Burschen mir nicht reinfahren würden. Meine Sorge sollte sich als unbegründet erweisen, denn die beiden lagen ineinander verkeilt bereits hinter mir am Weg. Von irgendwo tropfte Blut auf meine Hose - aha, der Nagel ist gebrochen: ich bin ein wandelndes Klischee. (Zusätzlich war mein Ellbogen böse aufgeschürft und mein Oberschenkel sah aus als wär einem Tiger die Pranke ausgekommen.)

Eine halbe Stunde verstrich, als Felix Stephan und mir die Wunden auswusch und verband und wir unsere Räder wieder soweit zurechtgebogen hatten, dass wir weiterfahren konnten.

Langsam wurde es spät.

Langsam wurde es dunkel.

Schließlich begann es zu regnen.

Was für eine Kombination!

Die letzten 5 Kilometer waren einfach nur mehr schiach: Stockfinster war es, die Landstraße wand sich durch den Wald bergauf und es regnete. Mein hinteres Licht setzte aus, meine Kräfte kurz darauf und meine Motivation hatte sich sowieso schon in Luft aufgelöst. Der erste Gang war ähnlich anstrengend wie sonst nur der 21.: Ich konnte und wollte nicht mehr.

Irgendwann (das Gefühl für Raum und Zeit war mir auch schon ein bisschen abhanden gekommen) - es war wieder etwa 10 Uhr abends - klopften wir an der Tür zu unserem Gästezimmer, die von unserer lieben Gastgeberin, Monika Oerder, geöffnet wurde. Sie sah uns tropfnasse, erschöpfte Gestalten und bot uns sofort Tee und ein heißes Bad an und kümmerte sich mit Wundcremen, Bandagen, Pflaster und homöopathische Medizin wunderbar um unsere Kampfverletzungen.

Dieser Abend verlangte nach einer Krisensitzung, bei der wir die weitere Vorgangsweise diskutierten - immerhin wollten wir die nächsten 5 Tage auch überleben: Wir beschlossen, den Weg abzuschneiden und manche Strecken mit dem Zug zurück zu legen. Klingt gut - ab ins Bett.


3.Tag oder Der (Feld-)berg ruft
Schlossborn - Altenstadt (eigentlich: 120 km, 850Hm - gekürzt zu ~80km und 450Hm)

Der nächste Morgen sollte gleich mal die ärgste Bergetappe der gesamten Tour für uns bereithalten. Lädiert und noch recht schmerzend sattelten wir auf und schwangen uns auf die Räder. Der Weg vor uns, ein extrem steiler, unebener, stein- und wurzelübersäter Waldweg, war die ärgste Frechheit überhaupt: (schiebend) kämpften wir uns mehrere hundert Höhenmeter hinauf und kurz vor Mittag standen wir auch schon oben und betraten das Feldbergkastell, auf 700Hm das höchstgelegene Kastell (Deutschlands? der Welt? äh...) durch die porta praetoria. Keine Menschenseele, nur wir und ein paar alte Mauern - was will man mehr? Wir spazierten in Ruhe und Sonnenschein eine Weile herum und rasten danach - vorsichtig und infolge unbeschadet - den Berg auf der anderen Seite wieder hinunter, bis wir vor der porta dextra der Saalburg zu stehen kamen.
In diesem Kastell wurden die gesamten Schutzmauern, die principia (das Stabsgebäude), das horreum (der Getreidespeicher), und zwei Mannschaftsbaracken rekonstruiert und schon an der Pforte war ich von der Größe und dem Glanz des Militärlagers überwältigt und es war für mich einer der archäologischen Höhepunkte der Tour (inklusive dem Römerteller in der taberna).

Eingangsbereich der Saalburg

Der Rest des Tages war sehr entspannt, mieden wir nämlich die Berge und schnitten quer durch ein von ihnen eingeschlossenes Becken. In Altenstadt bezogen wir für die Nacht einen kleinen mediterranen Bungalow und ließen den Tag bei Salat, Bier und Gesprächen über Filme ausklingen. (Nicht, ohne dass Stephan zuvor den Handtuchhalter ab- und remontierte.)


Tag 4 - von Klöstern und mangelnder Keuschheit
Altenstadt bis Walldürn

Die heutige Etappe war zwar kilometermäßig (>120km) die längste, aber dafür auch die flachste, begleiteten wir doch die meiste Zeit über den Main (den Limesradweg hatten wir ein- für allemal abgeschrieben: wir vertrauten nur mehr lokalen Wegweisern, die uns gut sichtbar angebracht und mit Kilometerangaben versehen eigentlich immer ohne Irrwege ans Ziel brachten).
Der Tag sollte dennoch lang werden, denn das nette Seligenstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern und "dem besten Eis der Gegend", wie uns ein Busfahrer in irgendeiner anderen Stadt wissen hatte lassen, lockte uns auf die andere Seite des Main und zog uns in ihren Bann. Wir warteten zuerst mal eine halbe Stunde auf unsere vergessenen espressi, bevor wir eisschleckend durch den Klostergarten schlenderten und die vielen verschiedenen Heilpflanzen dort bewunderten. Erst nach 3 Stunden Aufenthalts schafften wir es, Abschied von der Stadt zu nehmen.

Seligenstadt am gegenüberliegenden Ufer

Schleunigst traten wir bis Miltenberg durch, wo wir aufgrund der einbrechenden Dunkelheit wieder mal auf die Bahn umstiegen, die uns sicher nach Walldürn brachte - in eine unbemannte Jugendherberge: die Rezeption hatte um 19:00 geschlossen - jetzt war es 21:00. Zum Glück erreichte Stephan mittels Telefon die Betreiberin, die auch gleich herüberkam um uns die Schlüssel auszuhändigen. Dabei gab sie sich leicht verwirrt:

Sie zu mir: "Sie haben doch nur ein Zimmer bestellt?"
Ich: "Ja - für drei Leute"
"Männer und Frauen zusammen?!" (sichtlich unangetan von der Situation)
"Äh...ja... Ist das ein Problem?"
(sofort einlenkend) "Nein-nein." ... überzeugt schien sie dennoch nicht...


5. Tag - birnenfressende Enten und Tapas in der Mühle
von Walldürn bis Welzheim

Ein zeitiger Morgen und wieder mal war die Bahn das Transportmittel unserer Wahl, da wir es für dezent unrealistisch hielten 156 km mit einer Summer aller Anstiege von 1500 Hm bis zum Abend zu schaffen. 4 Züge später stiegen wir in Bretzfeld aus und, zusätzlich zu meiner pinkfarbenen Trinkflasche und meinen pinkfarbenen T-Shirts, hatte ich mir durch den Kauf einer Cosmopolitan weiteren Spott meiner Mitreisenden zugezogen. Aber 7 Tage lang nur mit Burschen unterwegs zu sein verlangt nun einmal nach einem Ausgleich irgendeiner Art :).

Die Landschaft des heutigen Tages war wunderschön und führte uns durch kleine Fachwerkdörfer und an noch mehr Apfelbäumen und Wiesen entlang als bisher. In einem kleinen schwäbischen Ort ertanden wir bei einem so-genannten Scheunentormarkt (i.e. ein Selbstbedienungsstand eines landwirtschaftlichen Betriebs) zwei Kilogramm feinster Birnen, welche wir zu Mittag gleich verzehrten. Die Reste warf Felix in die Murr und kurz darauf landeten mehrere Enten elegant im Wasser und stürzten sich gierig darauf.

In Murrhardt gab es Eiskaffee und eine Diskussion über Klassengesellschaften, ausgelöst durch die Einblicke, die eine zu niedrig angesetzte Hose eines Mädchens am Nachbartisch, gewährte.

Zeitig am Abend kamen wir dann in Welzheim an, in der Ferienwohnung von Renate Munz, wo ich gleich das rosa-bezogene Märchenbett für mich reservierte (nicht dass die beiden Burschen unbedingt darauf bestanden hätten...). Die liebe ältere Dame zeigte uns die von ihr gemalten Postkarten, fütterte den immer noch verkühlten Felix mit Honig und Hustenzuckerln und chauffierte uns danach zu einer alten Mühle, in der sich nun ein spanisches Restaurant befand. Dort fand der Tag bei Tapas und spanischen Melodien seinen Ausklang.


6. Tag - der Kampf gegen den Wind und warum wir Aalen nicht mögen
von Welzheim nach Gunzenhausen

Morgens begleitete uns unsere rüstige Gastgeberin auf einer Rundfahrt durch den Ort und zeigte uns einige Überbleibsel aus der Römerzeit, bevor wir Abschied nahmen und erst wieder in Schwäbisch-Gmünd hielten. Dort zogen uns zuerst der Münster mit seinen extravaganten Wasserspeiern und danach die Konditorei Margit in den Bann und veranlassten uns zu einem Aufenthalt bei Kaffee und recht heftigen Torten.

selbige

Gestärkt kämpften wir uns weiter nach Aalen, auf einem Weg, der eigentlich recht nett gewesen wäre, wäre der Wind in dieselbe Richtung unterwegs gewesen wie wir. Spät erreichten wir diese Stadt, die uns allen zuwider war, da dort die Planer der Radtour saßen, mit denen wir alle unser persönliches Federvieh zu rupfen hatten. Dies sollte jedoch nicht möglich sein, da auch das Römermuseum (es hat ja einen guten Ruf!) geschlossen war. Blöde Stadt, schaun wir, dass wir weiterkommen.
Uns wurde klar, dass die Planung der nächsten beiden Tage wieder einmal zu optimistisch gewesen war und so verlegten wir kurzfristig unser Quartier von Dinkelsbühl nach Gunzenhausen. Felix stieg in Aalen in den Zug, Stephan und ich wollten noch weiterfahren. Die Straßen aus Aalen heraus waren aber so verwirrend, dass es uns eine Menge an Zeit und Kraft kostete, die Stadt hinter uns zu lassen und ich schließlich aus Erschöpfung zu sprechen aufhörte. Irgendwann saßen auch wir im Zug und ein bisschen später waren wir alle in Gunzenhausen, wo wir uns mit etlichen Schulklassen die Jugendherberge teilten.

Mittlerweile hatte ich einen ordentlichen Sonnenbrand, Felix litt immer noch an seinem Husten und auch Stephan klagte schon über einen rauen Hals. Weiters gab sich mir ein Rätsel auf: Woher kommen ständig die Kettenschmierspuren auf meiner rechten Wade? Die Mutmaßungen der Burschen waren nur wenig hilfreich, wenn auch unterhaltsam.....


Tag 7 - Thermen, Regen und Forellen
Gunzenhausen bis Kipfenberg

Kalt war es geworden und ich tauschte meine kurze Hose gegen die längere Radhose. Sehr weise, denn um die Mittagszeit begann es zu nieseln. Kurz darauf waren wir in Weißenburg und jausneten unter einem großen Baum, wo auch eine Volksschulgruppe saß und eine Geschichte, die in der Römerzeit spielte, las. Weißenburg empfiehlt sich sehr: das Römermuseum ist supergut und das Thermenmuseum noch ein Eck besser: unter dem Glasdach fanden wir über den gut erhaltenen Resten der Badeanlage für eine Stunde Zuflucht vom strömenden Regen und Futter für unseren Bildungshunger: ich war glücklich.

Top-motiviert sprang ich aufs Radl und legte trotz Regen ein beachtliches Tempo vor - eventuell steht dies im Zusammenhang mit einem halben Liter Cappuccino, mit dem ich mich in der netten kleinen Stadtbäckerei gedopt hatte, aber es konnte nie bewiesen werden. Jedenfalls erteilten mir die Burschen daraufhin ein Verbot erhöhter Dosen des Bohnengetränks...

Um 8 erreichten wir unseren Gasthof - wieder mal etwas angenässt - und flitzten nach einer heißen Dusche in den Ort, wo wir im Gasthaus "zur Post" die Köchin animieren konnten, für uns doch noch mal den Ofen anzuwerfen. Die in Mandelbutter gebratene Forelle war die perfekte kulinarische Krönung für diesen auch sonst wunderschönen Tag :).


Tag 8 - Regensburg is just around the riverbend
Kipfenberg bis Regensburg

Hatschi! Ich weckte mich selbst. Jetzt hatte ich auch Schnupfen. Ich gebe der unbemerkt offen gebliebenen Balkontüre direkt neben meinem Bett die Schuld dafür. Schön, nun waren wir also alle krank: Stephan konnte nicht mehr sprechen, Felix hustete sich immer noch die Seele aus dem Leib und ich hatte mich nun auch verkühlt. Aber es war immerhin der letzte Tag...
Also schwangen wir uns ein letztes Mal auf die Räder und traten kräftig in die Pedale, um endlich an die Donau zu kommen.

In Eining riefen wir per Gong den Fährmann von seinem Bier am anderen Flussufer weg. Feder im Hut und von Sonne (und Bier) leicht gerötet stieg er ins Boot und setzte über. Sicher brachte er uns über den Fluss.
Diese Figur passte thematisch irgendwie recht gut zu dem alten Schäfer mit den schlechten Zähnen, dessen Schaf- und Ziegenherde auf einmal mitten am Weg stand. Auf einen Stock gelehnt, zwei Hunde an seiner Seite erzählte er uns vom harten Hirtenleben und der Wertlosigkeit der Wolle heutzutage.
Auch ihn ließen wir zurück und erreichten pünktlich zur Mittagszeit das Kloster Weltenburg und seinen gemütlichen Biergarten. Ich machte Bekanntschaft mit dem Weltenburger Dunkel - als Teil des besten Radlers aller Zeiten.

von Weltenburg nach Kehlheim

Von dort bestiegen wir ein Schiff, das uns zwischen Felsen hindurch nach Kehlheim brachte. Wir hatten angedacht, von dort den Zug zu nehmen, aber irgendwie wäre mir das peinlich gewesen. Außerdem hätten wir dann auch nicht das nette australische Ehepaar getroffen, das mir schon auf der Fähre aufgefallen war. Wir radelten eine Weile mit ihnen, bis sie uns verließen, und dann gab Felix - wohl angetrieben durch die vorher konsumierte Schokotorte - das Tempo vor.

Der Fluss schien kein Ende zu nehmen und hinter jeder Biegung erhoffte ich mir Regensburg - dann endlich waren wir am Ziel: Castra Regina! Endlich nicht mehr radeln!!

Einen letzten Abend verbrachten wir zu dritt, in den barocken Gemäuern des Augustinerkellers, der mit einem eigenwilligen Mix aus dem besten der 80er, Frank Sinatra und noch einigen ganz aktuellen Lieder beschallt war, was einen ebenso schlimmen Kontrast (in sich und zum Ambiente) bot wie die afrikanisch-stämmige Kellnerin im Dirndl: alles zusammen so inkompatibel, dass es schon wieder Stil hatte. Nice!

Fazit:
Es war anstrengend, es war lustig und es war interessant. Ich habe mich zwischendurch geärgert, gehasst und selbst beschimpft, würde dasselbe aber jederzeit wieder machen - nur mit etwas realistischerer Planung und dem Verzicht auf alternative Transportmittel (des Stolzes wegen). Ganz großartig war es trotzdem - nicht zuletzt wegen der tollen Reisebegleitung und das Erlebnisgeschichtenrepertoire wurde wieder um ein paar Anekdoten erweitert.

Sunday, June 20, 2010

The last tale or: What remains to be said

The last two weeks were a seemingly endless series of good-byes (some being more emotional and tearful than others) and I am glad not all of them happened at once. Finally, my turn to take leave came.

Wednesday, June 16

I spent most of the morning packing my bags and with quite a bit of squeezing and tugging managed to zip and clip them shut: one more item and they would have burst. Everything done and the day being extraordinarily fine, I dug out my swimming stuff and suncreme again, took the last bits of food out of my fridge and waited for Liz' and Will's arrival. In Sam's car, Pendulum blasting from the speakers, we went to Newborough beach for some last swimming, sunbathing, seal and jellyfish spotting and random exploring of a nearby, little peninsula.
The day passed quickly and although we were tired from our activities and the sun we went to the pub for a last pint of cider.
I soon said good-bye to the group that I somehow had managed to become part of (and it makes me sad just to write these lines) and went to bed early.

Thursday, June 17
I couldn't sleep long and got up very early, cleaned up what was left, grabbed my camera and set out for a final walk through town and some random picture-taking of my last term's haunts:

Bangor High Street (or Stryd Fawr): where all the shops are (logically)


Yr Hen Glan aka The yellow pub aka Yellow:
nice food, good atmosphere, reasonable prices (Burger+Pint £3.95)



The Belle Vue: a pub divided into 2 rooms; always first choice with my flatmates
- a pool table, quiz machine, beer garden: what else can you want?

Amser / Time: one of 3 night clubs;
Yeah, it is old and decrepit, but it's also good fun on a night out
and it's going to be knocked down soon anyway

High and mighty Uni Bangor: I loved it - especially the old-style library
and the cosy little green room.


Bangor Station: starting point of many trips
and also scene of several good-byes towards the end.

After this nice morning's walk I returned to the house, transformed the rest of my food into some kind of packed lunch, hugged Sam good-bye and left the house before my feelings could overwhelm me. As the train bore me along the north coast of Wales I mentally bid good-bye to the mountains, the sea, the sheep/cows/horses, the languages (both) and my friends. When I read all the nice messages they had written into my little notebook tears welled up, but with a bit of effort I managed to retain composure.
To cut a potentially long story short:
I landed in Bratislava, exhausted, curious and somehow also glad to be back, especially when I saw my mum and my sister through the parting automatic doors:

They'd even brought a banner!
(croeso gartref = welcome home)

To finish off, let me summarise my wonderful term in Bangor (it's the last post on this topic anyway, so I am allowed to keep you a bit longer):
When I chose the little city in rural North Wales I had my own reasons and motivations and did not know what to expect, but with a good deal of research my knowledge and also my expectations increased and I set myself some goals. Here's how they turned out:
  • Goal #1: Find a room in a house with some native speakers. I managed or rather got lucky, as the room (i.e. its former occupant) found me through a website. But here my luck didn't end - I had actually cracked the jackpot: My flatmates turned out to be sociable (ok, that was in the ad), friendly, funny, charming, helpful, cleanly and considerate - just the most perfect and wonderful flatmates I could possible have found. Tom, Sam, Dave and Nas took more interest in me than I had ever hoped for and regularly invited me to join them when they went out, met friends, went to the beach, had BBQs, went to watch rugby, went for a bike ride, and even to play xbox (although I was rubbish!). My flatmates' friends, to my immense surprise, soon accepted me as part of a bigger group of friends and often invited me round for film nights or took me horse riding and to the beach. I appreciated this in the extreme and thanked them a hundred times, because they just made this semester brilliant and I will miss them sorely!

My room in all its glory

The fabulous four: Tom, Sam, Nas and Dave (before paintballing)

  • Goal #2: Get to see and taste as much of Wales as I can.
    With "The Rough Guide to Wales" (thanks, Zach!) in my bag and a small group of Erasmus students with similar interests by my side I covered most of North Wales' sites, went to Cardiff and Swansea (and even small towns like Abergavenny and Cwmbrân) - I got to see castles, museums, neolithic structures, slate quarries, picturesque landscape and traditional pubs and, although I haven't yet seen all I'd wanted to see, I am quite content. (Plus: I took several other trips to England and Ireland on the side.) Into this category I also put exciting experiences with Welsh culture of any other kind (culinary ventures like laverbread or Welsh rarebit, literature like Cwmardy or A Toy Epic, glimpses at rugby, social encounters,...). Only now do I realise how much I learned about this country and its people!
Y ddraig coch (the red dragon) on the Welsh flag
- blowing in the wind atop one of the towers of castle Conwy

  • Goal #3: Learn the basics of Welsh and understand its significance. I took pains to find a suitable course, encouraged my little erasmus group to join me and had a lot of fun going there twice a week to learn, repeat and practise useful little phrases. I even successfully tried a few in real life. Welsh is a beautiful, melodious language, despite some strange and tricky sounds. It adds an ancient mystic, celtic element to this wild and remote part of the UK. I definitely haven't had enough of if yet and should I ever go back I will resume the course from where I left it and try to become fluent!

A rather beautiful example of bilingual signs

  • Goal #4: Join a society. I had heard that it is easiest to meet native speakers by joining one of the numerous clubs and societies and when Fiepje mentioned Irish Step dancing I had no excuse to stay away anymore. We both joined and had fun skipping around until Easter. The social night out was one of the highlights of my stay - for various reasons. Like Welsh, Irish Step dance is something that will stay with me and I plan to register at a school in my area with the start of next term.

Fiepje and me dressed up for the Irish Step social night out

  • Goals #5 and #6: Spend as much time as possible outdoors and Buy a bike. Last year's laziness upped my motivation and the weather and beautiful area drew me outside. I found a runnig partner in Rebecca and soon also a suitable and beautiful path (past the harbour, along a river, through wood-land and over Bangor mountain). Furthermore, I got myself a map of Snowdonia (the mountaineous national park just a few miles away) and went on several hikes with erasmus people, visitors and flatmates. Moreover, I bought a bike cheaply and used it to explore Anglesey, get to hidden neolithic treasures or the Farm Shop, or for proper exhausting but fun rides with Tom. (As a consequence of the latter it died on me). And, finally, when the weather turned hot, we even managed to go to the beach and swim in the Atlantic. Twice! I never thought I would...
Carneddau hike in Feb

The Aber Falls tour
Beach time


All in all this whole term was just one AMAZING experience, the magnificence and emotional value of which cannot be expressed in words! I am grateful for the wonderful people I met, the friendships I formed, the activities I did, the places I visited. The memories of all these things I will always continue to cherish and honour with many little tales and anecdotes.
This half year will be remembered: It might have changed me - it might also not, who knows, but however that may be - I would never swap it for anything else!

For all I know I do appreciate studying and living in Austria, but I miss a lot of things. Amongst them: the mountains, the sea, my running path, sheep, nice and affordable ciders, bbc iPlayer, Hobnobs, Ben&Jerry's, Welsh goats cheese, HMV, New Look, and, above all, English as my everyday language.
On the plus side: things like cheap train tickets, fresh local fruit and veg, freshly made ice-cream and proper bread are back in my life!

One thing is for certain (and here I'll quote from one of these many films I haven't seen yet): I'll be back!

Tuesday, June 15, 2010

Tale#27 (dau deg saith) - Tracing the Romans, Jane Austen and Skins

My last weekend in North Wales and I used it to run off to the enemies in the East: I went to England; Bristol, to be more precise. Why Bristol? Because Vicky lives there and it was time to repay her visit. Once more I got on a train (it was on time) and alighted a few hours later about 120 miles further South.

I had begged Vicky to go to nearby Bath for a day, because ever since I had attended this amazing lecture on Greek and Roman bathing culture a visit to Bath had been ranking very high on my list.
When the Romans invaded Britain and little forts started springing up throughout the country they found a (sacred) hot and bubbly spring there and immediately made use of it by crowning it with a big spa complex. (They also named the settlement after the baths: Aquae Sulis) Several pools of different temperatures, massage rooms sweating rooms and sports grounds offered diversion and relaxation. These baths are the best preserved in Europe and therefore definitely worth the £10 entry fee.
It was early in the morning and most tourists were either still asleep or having breakfast - the perfect time for a visit. Happily we accepted our audioguides and spent the next two hours or more walking around in amazement.

The main bath, still fed by the same old spring.
Water temperature: nice and warm

What the baths once might have looked like.


These baby stalagmites are younger than the heating system they are growing on


Before we left we went to "The Pumproom", an expensive-looking tearoom/restaurant in the same building, where we got a generous half pint of Bath water. Well... one tiny sip would have been enough: its temperature and metallic taste were reminiscent of blood and I doubted the benefits of the drink.

We stepped out onto the square and immediately got drawn in by a man on a 2.5m high unicycle juggling flaming torches: impressive. We watched him a few minutes before walking on to the Jane Austen centre for some cream teas (Cream teas are typical afternoon dishes and can have various forms and sizes. The most common one consists of scones with clotted cream, butter, strawberry jam and a pot of tea.).
Hunger quelled for a while, we explored the vastness of Victoria Park and especially its play zone. Vicky and me climbed climbing walls, spun round on strange merry-go-arounds, went down slides and mingled with the kids queuing for the chute. (Imagine the look of surprise on the kids' faces - and the parents' faces!) Going down slides was more fun than ever as I was wearing leggins which had the effect of speeding me up extremely - trying to brake was useless: I shot out of the chute, over the edge and bum-first into the earthy patch at the foot of the slide, about a meter from the metal ledge. Whoops!

One of 100 lions guarding public places and shops in Bath



Jane and I take an airing

We continued our tour through the park before returning to the Jane Austen Centre. Jane Austen, famous author of books like Pride and Prejudice or Sense and Sensibility lived in Bath for a few years in the early 19th century and two of her novels are set in the then extremely vibrant and fashionable city. The exhibition gave us interesting insights into her life and family situation, we learned the language of the fan and had fun reading old newspapers that were in no way different from glossy magazines nowadays: full of gossip, giving details of relationship break-ups (incl. direct quotations of accusations), murders, theft, miraculous cures etc...

Fan language: I wish to be acquainted.


We enjoyed the last rays of the sun relaxing in Victoria Park before we went back to Bristol and I got a tour of the city by night: narrow dark alleyways, the illuminated waterfront, football fans galore (England vs. USA - 1:1)!

By daylight everything was less scary and Vicky took me on an extended tour, starting with Clifton Suspension Bridge...


...which afforded us great views of the Avon gorge and the river Avon. Next stop was Brandon Hill with Calbot tower...


... where I believe I found the very bench that starred in several episodes of the TV series Skins.


In erroneous and arabesque patterns we wandered through the city and eventually landed in At Bristol, a bright and modern art and performance space with museums, a planetarium and many other diverting things. When we got there a festival of nature was on, so it was very lively and full of people. We spent some time strolling around and trying different kinds of cheese and then progressed to a Georgian Townhouse, which is (of course) now a museum and can be entered for free, and then to Bristol Cathedral, the most beautiful cathedral I have seen so far: light, vast, with some specks of colour and many little chapels that can be accessed from the main hall.

The few hours that were left we whiled away on the green in front of the cathedral, eating strawberries and making lots of new plans, until our talk was interupted by the ringing of hundreds of bicycle bells and a parade of naked cyclists invaded the square, some painted blue like Avatar people.

My head full with impressions, pictures and plans I finally boarded the train back and after a 6 hour long journey found myself at Cadnant - for the last time in the company of all my flatmates. The house is now filling up with new people which make me feel a stranger and fuel my desire to leave. It now remains to pack my laptop and get going.

Sunday, June 06, 2010

Tale #26 (dau deg chwech) - Sun, sand, sea and ice cream

2 weeks to go and about 2 more blog entries to come - this is slightly unsettling but I'm trying to ignore the finality of this whole beautiful experience and let it hit me in two giant waves next weekend and the day I'll pack up, drag my trolley to the station and wave Bangor good-bye. Not yet, though.

I had planned on spending these last two weeks in solitary confinement in my room with only my Latin-stuff as sad and silent company. With my flatmates and most international students gone there was nothing to keep me from revision. Didn't quite work out that way, thanks to two powerful forces: My flatmates' (and now also my) friends and the sun. Both were persistent and after a day of disciplined studying and constant sighing at the sight of the sun I buckled and gave in.

So Friday I dressed in my best beach clothes (finally my bikini would get its turn!) and met the others at the station for a 20 minutes train ride to one of Anglesey's finest beaches: mile-long stretches of fine sand, hidden behind the beautiful barriers of grass-topped sand dunes. We waded through a little stream, strode along the beach and finally spread our towels at the foot of a dune..


...and into the Atlantic we went! Of course the water did not have bathing temperature but was rather - how do I best phrase that...? - refreshing, so we kept moving, trying to find some warm patches and I resolved not to be the first one to want to get out again. Eventually our bodies just accepted the circumstances and we had fun snorkling, swimming, diving or just playing with the waves. It did get cold, eventually and we returned to our base camp to dry off.

After a journey to the ice cream van (inkluding wading through that stream again, which got us all wet again) we were ready for another round of swimming. I found a long, smooth strip of seaweed and spontaneously decided to take it with me to weave it into a bracelet. I did not know then, that this would become my occupation for the next hour as suddenly everyone wanted seaweed bracelets or anklets.

The rest of the afternoon passed with some sun-bathing, dune-jumping, a simplified version of cricket and the burial of several people as a result:

Wig lying on the beach? Or might it be a real person with a body attached somewhere?*

Around six o'clock the sun was not able to offer enough warmth for us to lie around half-naked anymore and we dressed, packed and made our way back to the station where Wales' glorious railservice took the piss: Our train was first delayed by half an hour and then cancelled completely, so that we had to wait for full 60 minutes for the next one.

Will, our trainspotter, made sure we'd be the first to know when our train
would make it's appearance at the horizon.


Sitting around on a platform of a request stop (-> flag the train down, if you want to hop on - no joke!) in some little village on Anglesey is not too bad in good weather and good company (I mean, this is Wales: it could also be raining heavily or be windy enough to blow you off the platform) and so we were still in quite a good mood when the train FINALLY arrived and brought us back to Bangor.

I cooked myself some lovely, delicious pasta, washed sand and salt off my body and reminisced about the beautiful day... until the stench of wet seaweed from my ankle reached my nose and I had to take it off...

*don't worry - nobody died in the course of our burial rites, not even Liz, although it may look like it

Tuesday, June 01, 2010

Tale #25 (dau deg pump) - of Polish Pain(t)ball, High Horses and BBQs at the beach

Langsam aber immer sicherer neigt mein Aufenthalt im Keltenland sich dem Ende zu: Das Haus ist mehr als halbleer und die Dichte meiner Erasmenfreunde nimmt auch beständig ab. Nächtens wälze ich mich schlaflos im Bett herum, und überlege mir, wie ich am Besten und Billigsten all meine Sachen heimtransportieren könnte und blicke voll freudiger Erwartung den nächsten 2 Lernwochen entgegen. Um auf diese öden Zeiten vorzubereiten wurde das letzte Wochenende mit Spaß und action randvoll gepackt, auf dass deren Nachwirkungen eine Weile anhalten.

Hier eine Zusammenfassung:

Seit ungefähr Februar bin ich den Burschen in den Ohren gelegen, dass ich unbedingt mal Paintball spielen will und ich es extrem lässig fände, wenn wir das quasi als mein Abschiedsevent machen würden. Ich hatte nicht angenommen, dass es tatsächlich so weit kommt, doch schließlich hatten wir tatsächlich ein Datum und mit Toms Hilfe kurz darauf auch einen nicht allzu teuren "Spielplatz" gefunden. Leider hatten viele der potentiellen Spieler just an jenem Tag keine Zeit und so begab es sich, dass nur die Fraktion des Hauses Cadnant sich letzten Samstag in Sams Auto zwängte und sich in die Pampa begab: Irgendwo im Wald gab es ein kleines Zelt, einen kleinen Blechcontainer und ein kleines Lieferauto - alles was man braucht.
Da man zu fünft nicht ordentlich spielen kann wurden wir mit einem Team aus 7 starken, polnischen Männern gemischt, deren abrasierte Köpfe, konsonanten- und fluchreiche Sprache und Übermotivation (Can we get sniper rifles? Can I have a Kalaschnikov?) uns ein kleinwenig verängstigte - also vor allem mich, wieder mal das einzige Mädel. Ein Trost, dass "meine" Burschen schon mal Paintball gespielt hatten, während das andere Team aus lauter Neulingen zu bestehen schien.

Mit Brustpanzern, Overalls, Helmen und Pistolen ausgestattet ging es ab in den Wald.


Dort bekamen wir eine Reihe von verschieden Aufgaben, die wir im Team zu erledigen hatten. Einmal mussten wir beispielsweise so viele Walesfahnen wie möglich einsammeln. Ein anderes Mal mussten wir ein Fort verteidigen. Wurde man zweimal/dreimal getroffen, war man draußen: Gewehr sichern, Stoppel rein, hochhalten und abmarschieren - bis zur nächsten Aufgabe. Trotz geringerer Zahl war unser Team das bessere, was vermutlich an der xbox-Erfahrung und guten Freundschaft der Burschen liegt. Ja, ich war mies, ich geb's zu. Meine Haupterrungenschaft war, mit nur 2 fetten blauen Flecken davon zu kommen. Ich hätte vermutlich auch mehr Spaß gehabt, wenn ich nicht das einzige Mädel gewesen wäre und wenn meine Erkältung mich nicht ziemlich geschwächt hätte.



Team Cadnant


Nach zwei oder drei Stunden Schießspielen im Wald und nachdem ich von den lustigen Polen des öfteren als Gruppenfotografin engagiert worden war (Kristi! Kristi, can you take another picture?) ging's in Sams furchtbar nach Vanille stinkendem Auto zum Burgerking und dann ab nach Hause.

Müde fiel ich in's Bett.
Es wurde Abend, es wurde Morgen: Sonntag.

Ich hatte 10 Stunden geschlafen, meine Verkühlung war um nichts besser - ganz im Gegenteil: mein Geruchsempfinden hatte sich mittlerweile verabschiedet, doch meine Motivation sollte dadurch nicht weiter getrübt werden: Daves Freundin hatte mir eine Woche zuvor versprochen, mich zum Ausreiten auf ihrem wunderhübschen Araber mitzunehmen. Dieses Angebot konnte ich natürlich keineswegs abschlagen - wollte ich doch seit Ewigkeiten wieder mal reiten gehen!
Also wurde ich zu Mittag abgeholt. Es war wieder einmal einer dieser nordwalisischen Sonntage, wie ich so viele erleben durfte, an denen die Wolken alle in den Bergen hängenbleiben und Bangor und Anglesey von strahlendem Sonnenschein überflutet werden. Einen besseren Tag zum Ausreiten hätten wir nicht erwischen können.
Viele Worte will ich darüber eigentlich gar nicht verlieren. Es war einfach wunderbar! Pferde sind so tolle Tiere. Es war schön einfach wieder mal ein bisschen zu reiten. Mich hat erstaunt, dass Rose mir dabei so vertraut hat und mich einfach selbstständig alles machen hat lassen. Ich weiß nicht, ob ich irgendwem mein Pferd einfach so anvertrauen würde...


Nachdem Roses mum uns britischen lunch aufgetischt hatte (Pizza und Pommes), haben wir noch einen Spaziergang an einem der schönsten Strände hier in der Gegend gemacht: Ich liebe dieses Land - es hat einfach alles, was man sich so wünschen kann.

Glücklich und genauso müde wie am Vortag bin ich ins Bett gefallen.
Es wurde Abend, es wurde Morgen: Montag

Immer noch erkältet habe ich mich aus dem Bett geschupft um zur Abwechslung wieder mal zu arbeiten, nur um mittendrin von Tom unterbrochen zu werden. Ob es mich freuen würd zum Grillen mit an den Strand zu kommen?

Was für eine Frage!

Drei Stunden später war die Arbeit praktisch erledigt und ich lag mit den anderen auf der Wiese beim Strand und wartete darauf, dass meine Kartoffel-Lauch-Würstel essfertig waren. Wieder einmal gab es Sonnenschein vom Feinsten, die Möwen haben den Soundtrack geliefert und in einer Runde von netten Menschen, die mir in den vergangenen Monaten ein kleines bisschen ans Herz gewachsen sind lässt es sich wunderbar einen Nachmittag faulenzen. Ein bisschen Volleyball zum Dessert und wieder war ein schöner Tag vorbei.

Aber so fröhlich wird es nicht weitergehen: 2 Wochen pure Lernerei in relativer Einsamkeit trüben auch die euphorischsten Geister und am Ende werde ich es kaum erwarten können, wieder heimischen Boden zu betreten!

Friday, May 28, 2010

Tale #24 (dau deg pedwar) - Das große Wochenende mit Sonnenschein und Zeltbeschallung

2 yellow tickets for the second day of BBC Radio 1's Big Weekend in Bangor had already been sent to me and I was looking forward to going there with Pia (my last visitor) and watching Pendulum perform (amongst others). Of course I was slightly dismayed by the fact that "everyone else" (i.e. my flatmates and their friends) were going on Saturday and that, apparently, Saturday was to be the more interesting day musicwise with many indie and alternative bands (and Justin Bieber), but you can't have it all.

Or can you?

The Friday before, me and Fiepje went shopping for a communal curry night and Fiepje sadly told me she would probably let her ticket go to waste because Rebecca, whom she had given the second ticket to, could not go due to illness. Hm... I wondered if it would be very selfish of me to volunteer, but Fiepje did not seem to know anybody else who could have gone with her instead, so I did. Problem sorted: Fiepje was happy, Rebecca was happy and I was probably happiest of all!

After barely 5 hours of sleep I got up and set out on several quests: Get tickets for the shuttle bus to Vaynol Estate, get some water, and buy a pair of shorts. (Jeans were already killing me at ten in the morning and it was going to get really HOT!)

Appropriately dressed and smelling of sunlotion we arrived at the vast and beautiful estate on the outskirts of Bangor: through a huge cast-iron gate crowned by an impressive stone arch we entered the park and followed the road through woodland and past a pond with ducks and swans to the festival area.
Our tickets were scanned, our bags were checked and in we went to be welcomed by the droning of electronic bass and the rapid talk of rappers on the outdoor stage.


Hundreds of stalls selling burgers, pizzas, haggis and other interesting food lined the margins of the lawn between the 3 big tents and the outdoor stage: A world of wonders.

For a few pounds you could stick your feet in a tank and
enjoy the feeling of little fish feasting on your dead skin


Magnum has started to produce gold-covered ice cream:
Saves you the trouble of applying lipgloss

Where did this huge red ball suddenly come from?

We took pictures of the poster with the line-up and started our journey. Bombay Bicycle Club played a nice accoustic session, Justin Bieber was horrid even from a distance, Cheryl Cole was boring, but the Lost Prophets were good. In between the acts we repeatedly caught up with my flatmates and just sat around on the lawn for a while, allowing the blazing sun to work on our tans. MGMT were the last band we saw perform that evening, before me and Fiepje left early to pick up Pia at the trainstation.


Another short night, a tour through little Bangor, some salad and we were on the bus again. Sunday - living up to its name - was even hotter than Saturday. The sun burned down on us and even in the shade of the tents the performers' faces glistened with sweat.
Today we spent less time in the tents and more time exploring the venue. First of all we boosted our immune system with a free smoothie. All we had to do to get a sip of the cold, fruity drink was to mix it ourselves. By riding a bike: The blender was somehow attached to the front wheel and set into motion by pedalling - very creative. The annoying thing was that the seat was way too low and it was not possible to change gears, but the product was satisfactory.



You could buy all sorts of fancy clothing at the stalls: from Ponchoes to lizard masks,
from flower garlands to fur-coloured army helmets - every taste was catered for.

We had missed Paolo Nutini and the next interesting acts were not due for a while so we just relaxed on the lawn for hours. Then we caught glimpses of Pixie Lott (one of these super-duper happy blondes whose songs lack any originality whatsoever), Marina and the diamonds (not bad, but the voice of the singer was a bit too shrill), We are animals (interesting taste in fashion, but not bad), Plan B (quite good), Biffy Clyro and, of course, the headliner: Pendulum, who were - for me - the absolute highlight of the whole weekend. I did not expect them to be that good live because of the nature of their music, but they were fantastic! (AND they're gonna come to Austria in a month!)

The perfect finish for this big, brilliant weekend, but why, why, WHY did I not buy a T-shirt when I had the chance??

Friday, May 21, 2010

Tale #23 - of young Dinosaurs, Irish skips and Russel Hood. And Time out.

Although a bit short on the pecuniary side, I went on my last trip but one the previous weekend: a second journey to Nottingham.

Here's the story: The main motivation for going AGAIN - besides seeing Katie, of course - came to me when I was having a cup of tea. Sitting around in a small and cosy tea room in Nottingham last time and lacking any kind of entertaining literature I worked my way through a pile of flyers and leaflets and eventually dug up one that excited my interest: Riverdance were to perform in Notts! I had wanted to visit their show in Vienna but had been deterred effectively by the horrendous prices. People seem to be more sensible in the UK and when I saw the price of the tickets (a ridiculous £22!) my choice was made: I'd be back.

Before Katie and I got a taste of Irish footwork, though, we went further north to the Kaiser Chiefs' home town: Leeds. Seems a bit random? Well, it was. But to explore the city was not our primary aim - we went to visit a concert of the band Dinosaur Jr. (Yes, neither have I. Heard of them before, I mean.); getting to see the city was only a very pleasant side effect.

Shopping Arcades

Leeds more than lived up to my meagre expectations by presenting itself as a clean, lovely and sunny city with plenty of shops, shopping arcades, markets in- and out of doors, museums (which we did not visit), churches (which we did) and a vast and slightly confusing uni campus.


Parish Church



We spent the day shopping and went to our hotel to get some rest after a night of not enough sleep, before making our way into the city centre again. After some oily food in a most unlovingly decorated Italian place we got our tickets, ready for the concert. But alas! I could not really enjoy it: the volume was turned up way too high and it was impossible to understand the lyrics over the droning of the instruments. After I had sealed my ears with tissues it was far better. (And the supporting act was good, too.)


Pre-concert pints: a novelty was Guinness red


The night was spent in a comfy hotel bed and finished off with a nice hotel breakfast and so a new eventful day was to begin: We went back to Nottingham, got changed, had some lovely Sunday roast in England's oldest pub and Katie and I hurried off to the Royal Concert Hall.

Riverdance were beyond great! I had not known what to expect but they definitely exceeded the vague expectations I had had: a mystic mixture of multimedia, mist, celtic song, fairy-like dresses, light-footed dancing and the overwhelming staccato sound of rapidly stepping and tapping feet, all together telling Ireland's history in a slightly different way! Wow!

We regained our breath in a brief visit to the middle age themed market that just started to close when we got there and were rejoined by the lads. Together we went to the next "sit-and-watch" event: the new Robin Hood film. What is the place to watch it if not Nottingham?
Despite some historical inaccuracies I found the film enjoyable - not as good as Gladiator, but nobody expected that anyway.

Well rested after so much sitting and watching we were ready to spend a good night out - several stunts included - and I finally collapsed on my bedstead and fell into long, deep and well-deserved slumber. (My sleeping bag is paying off more and more.)

Shortly after noon I boarded my train and forced my tired brain to accept and store some relevant information for my last exam. As a consequence of this eventful weekend I had resolved to get into bed early that day, but I had hardly stepped into the kitchen when my flatmates jumped on me with the proposition to go out. Hard as I tried I could not resist their charms, pushed the looming exam to the back of my mind and ended up in Time sipping drinks and shaking away for hours. Happy nights!!


PS: The exam went alright and I'm enjoying academic freedom now.

Tuesday, May 11, 2010

Tale #22 (dau deg dau) - von Seklusion, suizidgefährdeten Lämmern und ein bisschen Glück

Langweilige Zeiten sind angebrochen in Dinas Dysg (=City of Learning), wie Bangor dem Ankömmling auf manchen Straßenschildern angekündigt wird: Die Straßen sind wie leergefegt, in der Nacht herrscht relative Ruhe vor meinem Fenster und Studenten zeichnen sich durch blassen Teint und das Tragen von Ringen aus. Ringen unter den Augen. Der Grund dafür ist, dass die nächsten beiden Wochen voll und ganz im Zeichen der Aufsatzkompilation und Prüfungsbewältigung stehen und soziale Bedürfnisse hinten im Kasten verstaut werden.
Mir geht es da natürlich nicht anders und ich verbringe die meiste Zeit in meinen vier Wänden und hoffe, dass mir Einstein auf der einen und die britische Landkarte auf der anderen Seite Inspiration bringen. Funktioniert leider nur bedingt, wenn das Wetter so absolut nicht klischeebritisch sein will und mir das Gefühl gibt, dass ich meine Zeit besser nützen könnte.

Wenn ich es deshalb also zwischen konstruktiven Phasen gar nicht mehr aushalte und die Frischluftsucht zu Entzugserscheinungen führt, schwinge ich mich auf mein gehassliebtes Fahrrad und setze es und mich neuen Herausforderungen aus.



Strahlender Sonnenschein am Sonntag und ein frisch getipptes Essay haben mich übermütig gemacht und so bin ich sonntags mit meinem lieben Mitbewohner Tom zu den etliche Kilometer entfernten Aber Falls gefahren.



Wenn ich sage "gefahren" meine ich, dass wir uns über Gras, Kiesel, Wurzeln, Steine, Stufen Bäche und Schafweiden zu unserer Destination durchgekämpft haben. Inklusive Räder über Stacheldrahtzäune heben tragen und Schafe jagen. Die Wollballen auf vier Beinen sind ja bekannt für ihre Panikattacken und dass sie dabei komplett zu denken vergessen ist auch nicht sonderlich überraschend. Dennoch bekam ich einen ordentlichen Schrecken als ein Lamm, anstatt nach links auf die Weide (und damit weg von mir) zu laufen, über den Weg galoppieren wollte und einen halben Meter vor mir gestürzt ist, sodass es zu einer Kollision gekommen wäre, wenn meine Bremsen nicht wider Erwartung gut funktioniert hätten und mich zu einem halben Vorwärtssalto gedrängt hätten. Puh.


Trotz dieser und anderer (unten erwähnter) Vorkommnisse haben wir nach nicht allzu langer Zeit unser Ziel erreicht:

Durch ein hübsches schmiedeisernes Gitter betraten wir das Areal um die Aber Falls.
Dort haben wir erstmal pausiert und ich habe heimatbewusst eine Packung Mannerschnitten aus dem Rucksack gezogen. Da ich diese raren Schätze immer zu Ausflügen mitnehme, glauben meine Mitbewohner schon, dass sich irgendwo in meinem Zimmer endlose Reserven befinden bzw ich sie heimlich importiere. Nun, dem ist nicht so: Einteilung ist alles.

Water falls.

Da Sonntag war und die Wasserfälle ein beliebtes Ausflugsziel sind, haben wir uns nicht allzu lange aufgehalten und haben schleunigst die Flucht ergriffen als eine berockte Mädchenschulgruppe invasionsmäßig von den herumliegenden Felsen Besitz ergriffen hat. Wir trugen die Räder viele steile Naturstufen hinauf, schwangen uns in die Sättel und rasten im Eiltempo den Hügel hinunter, vorbei an landschaftlichen eye candies...

...wie einem vom Blitz getroffenen und ausgebrannten Baum.

Mein Fahrrad ist schon etwas betagt und reagiert auf Stress leider nicht sonderlich gut. Es kann mit harten Gegebenheiten (Wurzeln, Steinen, querliegenden Bäumchen...) ganz gut umgehen, lässt sich aber in den Erholungsphasen (i.e. beim Bergabfahren) zu sehr gehen. Innerhalb von 3 Stunden ist mir deshalb 6x (in Worten SECHSMAL!!!!) die Kette rausgesprungen. Uuuuunheiiiiiimlich mühsam: Runter vom Rad, Kette rein, Finger abwischen, weiter. Nun ja, jetzt muss das Ding ja nur mehr einen Monat heil und funktionstüchtig überstehen und dann darf es von mir aus sterben gehen.

Nach diesem neuen Abenteuer und den allerbesten Lammbratwürsteln, die ich JE gegessen habe (vom lokalen Bauernmarkt) war ich entspannt genug, das letzte essay in Angriff zu nehmen. Nächste Woche kommt dann noch eine Prüfung über Umgangsformen und dann ist das akademische Jahr auch schon wieder vorbei und der Spaß kann erneut beginnen! Und zwar am Besten mit dem Eröffnen der Festivalsaison in Großbritannien:

BBC 1
sucht sich jedes Jahr einen Ort irgendwo in der britischen Pampa und veranstaltet dort ein zweitägiges Megafest mit den wichtigsten Festivalbands des Jahres. Und auf welche Stadt ist die Wahl heuer gefallen?

Ja, ganz genau: Ausgerechnet auf Bangor bach*! Ausgerechnet wenn ich hier bin!

*bach = klein


Die Problematik an der ganzen Sache sind die Karten. Sie sind nämlich nicht käuflich erwerbbar sondern werden verlost, wobei Ortsansässigen der Vorzug gegeben wird. Vergangene Woche gab es deshalb einen riesigen studentischen Ansturm auf die Registrierungsplatform. All meine hiesigen Freunde und Mitbewohner haben teilgenommen und tagelang wurde gefiebert und gezittert. Mailboxeingänge wurden alle 5 Minuten neu geladen. Bald begannen sich erste Statusnachrichten auf Facebook zu verbreiten: viele enttäuschte und wenige hocherfreute, und schließlich erreichte die Welle auch unser Haus. Mein Mitbewohner hatte Pech und dämpfte damit auch meine Erwartungen, doch die gute Nachricht kam 5 Minuten später in Form eines Emails mit dem Betreff "Congratulations!" Ich hab's fast nicht glauben können! Auf ein britisches Festival zu gehen war eh so ein kleiner geheimer und für unerfüllbar gehaltener Wunschtraum... Womit hab ich das schon wieder verdient?

Gestern sind die Tickets ins Haus geflattert: Ach, manchmal ist das Leben eben einfach nur schön.


.. so und jetzt zurück zum Essay, auf dass die Freude mit fortschreitender Zeit größer werde und nicht der Angst weiche.

Tuesday, May 04, 2010

Tale #21 (dau deg un) - A bit on food

Erlebnismäßig stagniert es bei mir gerade ein bisschen und mit weiteren Berichten von Wanderungen und Radtouren will ich euch eigentlich nicht langweilen, so aufregend sie für mich auch sein mögen (vor allem wenn die Kette zweimal rausgehüpft ist, weil sie mit den Wurzeln am Waldweg nicht umgehen konnte und...ok.aus.) . Ausflüge anderer Art sind allerdings momentan nicht drin, denn jetzt ist exam time und ich verbringe die Tage zu 90% in meinem Zimmer / hot house und zwinge mein Hirn zu Ergüssen zu diversen Themen. Noch 10 Tage für 3000 Worte über den Akzent in Newcastle, 1500 Worte über Sprachphänomene irgendeiner language community mit der ich vertraut bin, 3500 Worte über ein Buch und Thema meiner Wahl. Puh. Aber das muss halt auch getan werden, immerhin ist das ja kein Urlaub hier und soll sich deshalb nicht zu sehr danach anfühlen.

Aus diesem Grund kommt jetzt ein allgemeiner Beitrag über die Kulinarik - immer wieder ein spannendes Thema. Hier ein paar Dinge, die ich beobachtet habe:

Es spricht überhaupt nichts dagegen zu Pasta jeglicher Art Knoblauchbrot als ausgleichende Beilage zu servieren. Will man doch lieber was "Gemüsiges" nimmt man halt den Klassiker: chips. Salat ist dabei, ja, aber meist nur in Dekorationsmengen.

Was ist Salatdressing? Salat, wenn er als Beilage fungiert, besteht grundsätzlich aus ein bissl Blattsalat, ein paar Scheiben Gurke, Zwiebel und Paradeiser. Keine Kräuter oder sonstige Würze. Für derartige Notfälle tut's dann auch der malt vinegar, der auf allen Tischen herumsteht.

Curry ist aufgrund der vielen indischen und pakistanischen Immigranten die inoffizielle Nationalspeise in Großbritannien. Zu Curry gibt's entweder Reis oder chips oder Reis UND chips. (Natürlich nicht, wenn man in einem indischen Restaurant isst. Obwohl sglodiophile* dort diese Option auch haben.)

*sglodion = walisisch: chips

Chips kann man auch mit Käse drüber haben: chips 'n' cheese - eine vollwertige Mahlzeit.

Die Nacht ist die Zeit der take-aways: Wenn man tagsüber eine Pizza haben will und sich mit den Fertigscheiben nicht zufrieden gibt, hat man Pech - die Pizzaausgabestätten sperren erst abends auf. Dafür gibts auch um 2 Uhr Nachts noch was. Alternative zu Pizza ist chinesisches essen (auf Wunsch mit chips).

Chips - diesmal crisps - gehören auf den ausgewogenen täglichen Speiseplan eines jeden Briten: entweder als Vormittagssnack, oder zum Mittagssandwich (wird in Cafés und Restaurants so serviert) oder einfach irgendwann zwischendurch. Crisps kann man immer essen. Zu diesem Zweck werden sie in kleinen 50g-Packungen verkauft und damit's nichtlangweilig wird gibt es genug verschiedene Geschmacksrichtungen: prawn cocktail, bbq, roast chicken, bacon, cheddar, mature cheddar, stilton und nicht zu vergessen: vinegar. Bin gespannt, wann süße Chips aufkommen werden. Süßes Popcorn gibt's ja immerhin schon.

Tea ist...
a) auf der Speisekarte ganz normaler Schwarztee und generell billiger als jeder andere Tee. Er ist mit Milch zu trinken - alles andere ist weird. Genauso wie jeder Tee, der von Schwarztee abweicht. (Wegen meiner vielfältigen Teesammlung werde ich deshalb beinah täglich ausgelacht)
b) die nordenglische Bezeichnung für dinner. Have you had tea? ist somit eine indirekte Einladung zum Abendessen und in unserem Haus des Öfteren zu hören.

Zum Tee (Achtung: nicht dinner, sondern Nachmittagstee) isst man entweder scones mit butter/cream und Erdbeermarmelade oder hier in Wales Welshcakes (sowas wie flache Scones, mit Rosinen) oder bara brith, eine Art Früchtebrot, das ich bis jetzt zu abstoßend fand um es zu testen. Kuchen bekommt man in Wales außerdem mit einem Messer anstatt einer Gabel serviert.

Pie beschreibt verschiedene Dinge die
a) in einer kleinen Terrine mit Käse überbacken wurden, oder
b) sich in einer Teighülle befinden.
Beispiele für ersteres sind Fish Pie, Shepherds Pie, Cottage Pie; Beispiele für zweiteres: Steak and Ale Pie, Pork Pie, Chicken and Mushroom Pie und mein favourite: Steak and Kidney Pie. Erstere sind generell lecker, zweitere eher grindig. Ratet was die gängige Beilage ist!

Pudding ist noch schwerer zu fassen als pie und beschreibt generell folgendes:
a) Ein Stück Kuchen von biskuitartiger Konsistenz, meist mikrowellengewärmt und mit irgendeiner Soße übergossen (e.g. Sticky Toffee Pudding: mit Toffee- und Vanillesauce, Bakewell Pudding: mit Kirsch- und Vanillesauce)
b) Zeug aus Fleisch oder tierischen Abfallstoffen (e.g. Black Pudding = Blunzn, White Pudding: auch irgendwas Fleischiges, vorwiegend in Irland und Schottland zu finden), das man zum Frühstück(!) isst
c) ganz was anderes (e.g. Yorkshire Pudding - Brandteigdinger, die aussehen wie eingedätschte Muffins; sehr lecker zum Sunday Roast)
d) Desserts im Allgemeinen (What's for pudding?)

Letztere Frage konnte ich vor einer Woche mit einem Lächeln und einem Teller voll frisch-gebackener Brownies beantworten, die trotz der hier im Hause herrschenden Aversion gegen dunkle Schokolade überraschend schnell verzehrt wurden. Als Kompliment wurde ich von meinem griechischen Mitbewohner angeregt, doch mehr Zeit in der Küche zu verbringen. Danke auch.
Aber ich hab tatsächlich schon wieder Pläne, denn wenn man so brave Abnehmer hat macht Backen ja gleich noch viel mehr Spaß - und wenn ich ihnen österreichische Speisen unterjubeln kann: umso besser! Allerdings nicht, bevor diverse essays geschrieben sein werden...