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Monday, July 22, 2013

Bewegte Sauna - Schwitzen für Motivierte

Es ist der Sommer der Sportversuche, eingeläutet durch eine Einheit im Vienna City Bootcamp doch nach diesen Drillstrapazen war mir nach etwas Ruhigerem. Da ich Yoga jetzt schon eine Weile mache, befand ich es sei an der Zeit, neue Varianten auszuprobieren. Ausschlaggebend war die Yogaconvention im Frühjahr, bei der die Augartenwiese von ausschließlich herabschauenden Hunden bevölkert wurde. Ebendort war neben einem Stand von entbehrlichen und geschmacksentbehrenden Sojaprodukten auch das Bikram Yoga College vertreten und verteilte Flyer an meine Schwester und eine Freundin, während ich nur schnell mein Fahrrad holen war. Das Angebot, von dem man uns bei meiner Rückkehr erzählte, klang verlockend: um einmalig €10 kann man zehn Tage lang jeden Kurs in den heiligen Hallen des Bikram College besuchen.

Falls jemandem der Begriff Bikramyoga nichts sagt sei er hier schnell erklärt: Man verbringt bei einer Raumtemperatur von dampfigen 38-40°C neunzig Minuten damit, sich durch 26 verschiedene Yogapositionen zu biegen. Das soll den Körper entgiften und die Dehnungsarbeit beschleunigen und unterstützen.

Ich muss sagen: der Gedanke an garantiertes Schwitzen in geschlossenen Räumlichkeiten entlockt mir normalerweise keine motivierten Begeisterungsstürme und ist auch mit ein Grund, warum mir Fitnesscenter noch nie eine attraktive Sportoption erschienen sind, doch neugierig war ich irgendwie trotzdem und da ich ein kleines bisschen dehnungssüchtig bin und außerdem meinen schwachen Kreislauf mal ein bisschen abhärten wollte und weil weiters das Angebot zu gut schien, um es nicht auszunutzen heuerte ich als sweat partner die liebe Mo an und wir gingen hin.

Die Räumlichkeiten sind schön und man fühlt sich sofort wohl. Schuhe werden ausgezogen, Matten kann man sich ausleihen, Handtücher braucht man mit. Man wies uns an im hot room eine Stelle weit voneinander entfernt und nahe an den Fenstern zu wählen (hin und wieder erbarmen sich die Instruktoren, diese mal kurz zu kippen oder gar zu öffnen). Unser Ziel als Neulinge sei es nun, die 90 Minuten im Raum auszuhalten und ihn nicht zu verlassen: klingt soweit ganz ok.

Ein Gong erschallt, alle erheben sich und es geht los. Die erste Übung ist eine einfache Atemübung - nicht anstrengend, finde ich, doch es ist ungewohnt und ein bisschen schmerzhaft, den Kopf so weit in den Nacken zu legen: ich entblöße meine Kehle nicht gerne. Nach bereits 5 Minuten bloßen Atmens standen allen Teilnehmern, die im Übrigen zu meiner Irritation dicht wie Sardinen geschichtet waren, Schweißperlen am Rücken und im Gesicht. *tropf-tropf-tropf*
Es folgten ein paar Übungssets im Stehen: gefördert und gefordert wurden Rückendehnung, Beindehnung und Balance. Mir ist in dieser ersten Einheit permanent schwindlig, aber ich will nicht klein beigeben und Pause machen (was man jederzeit darf). Stattdessen versuche ich krampfhaft, meine Stirn mit dem Knie zu verbinden - bzw eher umgekehrt, weil ich nicht gedehnt genug bin - und ärgere mich, weil mir der Schweiß in die Nase und die Augen rinnt. Wäh! Zum Glück muss man die Positionen nicht lange halten.

Ich freue mich, dass man zwischendurch trinken darf. Ich freue mich weniger, dass manche Elemente drillmäßig durch ein Klatschen der Instruktorin geleitet werden - im Yoga soll man sich doch entspannen?

Ah, Entspannen. Darum geht's im Liege- und Sitzteil, wo uns nach jeder kurzen Einheit "zwanzig Sekunden" (mal waren's wohl 30 und manchmal nur 5) Ruhepause am Rücken gegönnt werden, in denen sich das Handtuch mit dem ganzen überflüssigen Schweiß vollsaugt.
*klatsch* "Sit up!" Alle schnellen zum Sit-up hoch und die Menschen um uns herum pfauchen sich lautstark die Luft aus den Lungen: Ruhephase beendet - es geht weiter: wir stärken unsere Arm-, Bein- und Rückenmuskeln und verbiegen unsere Wirbelsäule in alle Richtungen.

So vergehen neunzig Minuten: die letzte ist eine Hyperventilierübung, begleitet - natürlich - vom Klatschen der Instruktorin. ("Ist ja kein Wunder, dass man sich danach so gut fühlt, wenn man am Schluss derart hyperventiliert." [o-Ton Mo]). Dann kommt noch ein längeres Savasana (= am Rücken Liegen und Entpannen). Letzteres sollte den Geist eigentlich frei machen, aber das wird mir erschwert durch die Stimme, die uns anleitet, nicht an die Aufgaben und Probleme zu denken, die nach der Yogaeinheit auf uns warten. Danke auch, bisher hatte ich das nicht gemacht. Jaja, denk nicht an rosa Elefanten....

Es folgt das Schälen aus der Kleidung, eine erfrischende Dusche und ein entspanntes Frühstück - einer meiner Lieblingsteile unserer konsequenten Trainingswoche (an 7 von 10 Tagen haben wir es immerhin geschafft, um 9 Uhr im Studio zu sein).

Fazit: Obwohl mir die Schwitzerei nicht taugt, ich das Schleppen einer riesigen Sporttasche gar nicht mag und mich nervt, dass der Saal oft bis zur Auslastungsgrenze angefüllt ist, stelle ich doch nach mehreren Tagen fest, dass ich ein bisschen süchtig geworden bin: ein Dehnfortschritt ist klar bemerkbar, mein Kreislauf hat sich innerhalb nur einer Woche an die Temperaturen gewöhnt hat und ich muss von Einheit zu Einheit weniger trinken. Außerdem fühle ich mich danach wirklich immer gut: ausgelaugt, entspannt und ungewillt, meinem Körper irgendwas Ungesundes an Nahrung zuzuführen. Den Entzug übers Wochenende habe ich ausgeglichen, indem ich unseren Wintergarten auf Bikramtauglichkeit getestet und festgestellt habe, dass das teilweise angenehmer ist, weil einem keiner dazwischenredet. (Blöderweise wird man halt in den Positionen nicht korrigiert).
Ja, die Kombination aus Yoga und Schwitzen auszuprobieren war ein guter Versuch und ich spiele mit dem Gedanken, den in irgendeiner Form weiterzuführen. Eigentlich ist das ein sehr guter Einstieg in den Tag. Und ich vermisse die Frühstücksstunde hinterher...

Saturday, June 08, 2013

Ab ins Bootcamp

Ich halte mich eigentlich generell für eine ziemlich sportliche, ausdauernde Person, die auch recht hart im Nehmen ist: Eine dreitägige Wanderung, gestreckt über 80km mit mehreren tausenden Höhenmetern, die zu erkämpfen sind - kein Problem. Eine Fahrradtour, bei der man etwa 500km vollbepackt und auf unwegsamem Gelände in 7 Tagen zurücklegen will? Schreckt mich nicht. Eine Kletterpartie über riesige Felsblöcke, gekrönt von einem gämsenhaften Sprung von einer hohen Felssäule zur nächsten? pfff... reden wir nicht drüber.

Letzten Freitag, allerdings, wurde ich eines besseren belehrt.

Es gibt das Vienna City Bootcamp, auf welches meine trainingswütige Schwester bei einer ihrer extensiven Internetrecherchen mal gestoßen ist und von welchem mir die liebe Julia vor ein paar Wochen erstmals erzählte. Letztere hat das nämlich ausprobiert und quält sich nun neuerdings Woche für Woche freiwillig ab.
Die Idee, die Stadt und deren Gegebenheiten für Ausdauer- und Kräftigungsübungen zu nutzen, finde ich äußerst ansprechend, denn erstens passt das Ambiente, zweitens ist man frischen Luft und nicht in einem grauslich-stinkenden Fitnesscenter (so stell ich mir das jedenfalls vor) und drittens ist es gleich doppelt hardcore, wenn man noch die äußeren Wetterbedingungen dazunimmt.

Letzten Freitagabend hat's genieselt. Ebenso war jener Freitag der Tag, an dem ich mich erstmals der Herausforderung stellte. Ich war nicht in Topform und hatte mir zudem das Genick verrissen, doch das sollte mich nicht abhalten.
Wir trafen uns beim Heldentor (laurum militibus lauro dignis*!), der freudenstrahlende (und sadistisch veranlagte - wie sich herausstellen wird) Trainer nimmt uns noch allerhand unnötigen Ballast ab und stopft ihn in seinen Rucksack und los geht's:

Die Aufwärmübungen finden entspannt zu ebenso entspannten Zither(?)-/Harfen(?)- ..Klängen statt, die das Umfeld so bereitstellt. Dann joggen wir gemütlich los. Es gibt normales Gejogge, Sidesteps, Hopserlauf. Alles easy, das wird gemütlich - denke ich. Kaum habe ich zuende gedacht, werde ich schon eines Besseren belehrt: Mit den elastischen Bändern, die wir zuvorher erhalten haben, hängen wir uns an Parkbänke und trainieren unsere Arme in alle Richtungen, im Kampf gegen das sich zusammenziehende Band. So viele Wiederholungen, bis es schmerzt und das Band gegen den Arm zu gewinnen droht.

Weiter geht's im Laufschritt - endlich wieder kurze Entspannung - doch "halt!", schon sind wir an der nächsten Station angelangt. Unter der Portikus des Theseustempels legen wir uns alle auf den Boden und trainieren unsere Bauch- und Beinmuskulaturen. Das geht. Das bin ich vom Tanzen halbwegs gewohnt.

Wieder eine kurze Laufpause und das nächste Armmuskeltraining steht an. Die Möglichkeiten, die so eine simple Parkbank bietet sind erstaunlich groß! Meine Arme schreien vor Schmerzen auf - immerhin sind die nicht gewohnt, beansprucht zu werden.

Und weiter im Laufschritt - irgendwie wird auch das langsam anstrengend, obwohl das Tempo mehr als gemütlich ist. Doch offenbar haben wir unsere Beine noch nicht genug gefordert und in einer irren Übung, bei der man ein Bein nach hinten auf einer Bank ablegt, sich danach runterbeugt und die Handflächen auf den nassen Boden klatscht (*schmatz*) und sich dann schnell aufrichtet und - optimalerweise - dabei noch mit dem Standbein wegspringt (HA-HA.), nehmen wir ihnen noch mehr Kraft. Der nächste Laufteil ist schon keine Entspannung mehr, sondern wird nun schon zur Qual. Ich falle ans hintere Ende der Gruppe ab.

In der Manier geht es weiter, durch Volks- und Burggarten und rund um Heldentor und Nationalbibliothek. In den letzten 10 Sekunden einer jeden Übung werden wir jeweils zur Temposteigerung aufgefordert und, sollten wir bei einer der unbarmherzigen Kniebeugübungen unseren Hintern oder unser Knie nicht weit genug dem Boden nähern, hilft Trainer Billy mit sanftem Druck auf die Schultern nach. Danke, auch! Ich verlier eh nur gleich das Gleichgewicht...

Ich dachte ja immer, ich sei ehrgeizig, aber es stellt sich heraus, dass ich bei Druck von außen eher dazu tendiere, eine kleinkindhafte Trotzhaltung einzunehmen und in dem Moment, wo der Trainer mal nicht herschaut, einfach zu pausieren, weil meine Muskeln mir vorgaukeln, dass sie sonst reißen. Ich kann mich normalerweise auch zusammenreißen, was Flüche usw anbelangt, doch hier fällt es mir schwer und nach jeder Übung muss ich meinen Empfindungen Luft machen. Die andern klagen gar nicht...

Irgendwann ist diese unbarmherzige Stunde dann auch vergangen und Julia und ich schleppen uns zu unseren Rädern. Ich binde meines mit letzter Kraft los und wir taumeln durch die Innenstadt.
Nach einer heißen Dusche sah mich dieser Abend auf dem Sofa liegend und ohne den geringsten Antrieb, auch nur die kleine Zehe zu bewegen.
Am nächsten Tag merkte ich schon beim Aufwachen, dass der Aufstehen mir Schmerzen bereiten würde und so war's auch. ABER: der Ehrgeiz ist jetzt aus seiner Feiglingshöhle gekrochen und ich bin motiviert, mich demnächst wieder foltern zu lassen, denn so selig entspannt, wie nach dieser Hardcoreeinheit war ich schon länger nicht. Allerdings werde ich das nächste Mal garantiert hinterher ausgiebig dehnen!


*passende Inschrift am Heldentor: Den Lorbeer den Soldaten, die des Lorbeers würdig sind. - Ich muss mir meinen Lorbeer allerdings erst erarbeiten.

Monday, December 17, 2012

Hats on - Winter is coming

Eine gute Möglichkeit dem Stress ein Schnippchen zu schlagen (wenn auch nicht die entspannendste, wie meine Schulter und mein Nacken zu vermelden wissen) ist das Stricken, eine großmütterliche Tätigkeit, die in den letzten Jahren viel Aufwind erfahren hat, sodass von motivierten Stricksüchtigen ganze Bäume und Brückengeländer im guerilla knitting eingestrickt wurden. Kann man, muss man aber nicht.

Ich bleibe lieber beim konventionelleren Stricken und fabriziere Textilien, die man dann auch wirklich verwenden kann. Um endlich über das Einsteigerlevel von Schals und Pulswärmern hinauszukommen, beschloss ich heuer, mich zu einer neuen Schwierigkeitsstufe fortzubilden: dem Socken. Genauer gesagt: dem Stutzen, denn die halten großflächiger warm. Wenn die liebe Mutter weder über Zeit, noch Lust, noch Erinnerung verfügt, mich zu instruieren, müssen eben die neuen Lernmedien herhalten: auf YouTube gibt es praktischerweise einen Strickkanal von Nadelspiel, über den man vom beginnenden Maschenanschlagen, über ganze Hauben bis zu Socken und vermutlich tausend anderen Dingen alles lernen kann. Der ist richtig gut.

Mein Strickprojekt sollte eigentlich nur ein Paar Stutzen und eine Haube umfassen, damit ich das eben lerne, doch kaum hatte ich einem Freund von diesem neuen Zeitvertreib erzählt, kam er schon mit der Idee, ich könne Hauben auf Bestellung anfertigen. Are you implying that you want one? - Well, I wouldn't say no...
So kam es, dass ich in 3 Wochen fünf Hauben strickte - vier davon nicht für mich. Jedenfalls konnte ich dadurch etliche Muster ausprobieren und hier sind die Resultate:



Tom's hat
Modell Stanzin Angmo - in den Mahabodhifarben (Zufall)

Modell Nas - in rot-schwarz gewünscht
(ich hoffe, er schaut hier nicht rein, denn er hat sie noch nicht)











































Beanie fürs Schwesterl

















Mit dem Versand all dieser hat das Strickprojekt allerdings vorerst ein Ende; zumindest so lang, bis meine Schultern nicht mehr verspannt sind, oder die Sucht wieder zuschlägt. Oder bis ich neue Handschuhe brauche.

Monday, January 02, 2012

Erstreflexionen eines Surfb(r)etts

Im letzten Beitrag habe ich gelobt, bald einem umherirrenden, herbergsuchenden Menschen Schutz zu gewähren und habe dieses Vorhaben tatsächlich schneller als geplant in die Tat umgesetzt.



Unzuverlässig und zögerlich, wie ich bei Planungen auf größere zeitliche Distanz momentan bin, habe ich mich selbst überlistet und bin der Gruppe "Couchsurfing Vienna" beigetreten, die ein Auffangbecken und Instanthilfe für bislang obdach- und glücklose Reisende darstellen soll. Die Idee ist, dass man frühestens 48 Stunden vor Ankunft am Zielort einen Hilfeschrei an die community senden kann auf dass sich ein gutherziger Mensch erbarme. (Dass manche Menschen lediglich zu faul sind, sich jemanden zu suchen und schon Wochen im Vorhinein so tun als fänden sie niemanden, ist natürlich auch keine Seltenheit.)


Mein Selbstüberlistungsplan geht jedenfalls voll auf und jede neue Anfrage füllt mich mit schlechtem Gewissen - Helfersyndrom, was kann man tun? - und so nahm ich eine Woche nach Beitritt auch schon zwei absolut liebenswerte Griechinnen für einen Tag auf und jetzt vor Silvester ganz spontan zwei germanische Nachbarn. Beide Partien zeichnen sich durch eine überlegt geschriebene und ehrliche Anfragenachricht und ein überaus sympathienerweckendes Profil aus. Dass sie nur für zwei Nächte bzw eine Nacht bleiben wollen, erleichtert mir die Entscheidung ebenso, also antworte ich.

Mit der ersten Zusage kommt natürlich zuallererst die Überlegung: Was ist im couch-service inkludiert?
Nun, diese Frage muss man sich als Gastgeber selber stellen und nach eigenen Möglichkeiten und Großzügigkeit definieren: Bietet man eine Liegefläche auf dem Boden neben dem eigenen Bett? Eine Couch im Zimmer? Gar ein eigenes Zimmer? Ist Frühstück inkludiert? Stattet man die Surfer mit einem Schlüssel aus? Nimmt man sich einige Stunden oder sogar Tage Zeit um ihnen die Stadt zu zeigen oder was trinken zu gehen oder stellt man lediglich die Couch über Nacht zur Verfügung? Alles ist möglich und wirkliche Vorgaben gibt es nicht, wenngleich empfohlen wird, den Austausch mit den Gästen sehr wohl zu pflegen, zu jedermanns Gewinn. Ich persönlich handhabe das individuell nach eigenen Zeitplänen, Bauchgefühl und Sympathiegrad für die jeweiligen Gäste.
Bei meinen beiden Besuchen habe ich für mich entschieden, wahlweise mein Bett oder das Sofa zur Verfügung zu stellen. Das Optimum an Zeit, das ich mit ihnen verbringen will beträgt so ca. das Ausmaß eines halben Tages beträgt. Tee oder Kaffee in der Früh ist eine Form von Aufmerksamkeit und gehört für mich dazu, aber Frühstück will ich eigentlich, um meinem sonst drohenden hausgemachten Perfektionistinnenstress zu entgehen, nicht grundsätzlich anbieten. Das sind so ca. die Rahmenbedingungen innerhalb derer ich operieren will.


Kaum zugesagt, gibt es als nächstes einige kleine Hemmschwellen, die anfangs überwunden werden wollen:
  • Die ganze Angelegenheit ist vor allem Vertrauenssache: Man öffnet ja sein Reich quasi wildfremden Menschen und bevor man diese wirklich kennenlernt, muss man eben nach ihrem Benutzerprofil gehen und geht darauf basierend das Risiko halt ein.
  • Die Privatsphäre wird freilich beschnitten - gerade in einer mini-Wohnung wie der Meinigen, wo ein einziger Schlaf- und Wohnraum keinerlei Rückzugsmöglichkeit bietet, es sei denn die Mitbewohnerin ist nicht zuhause und man usurpiert ihr Zimmer. Ansonsten denkt man sich halt man ist in einem Hostel, wo man ja auch kein Zimmer für sich hat und die meisten Zimmergenossen nicht kennt. Man kann dabei auch so tun, als wäre man selber auf Reisen, schiebt die Diplomarbeit in die Kiste mit der Aufschrift "Schlechtes Gewissen" und unternimmt gleich lieber was mit den Gästen. Ja und wenn die Reisenden sehr aktiv und unternehmungslustig sind, kommen sie eh nur zum Schlafen und man hat den Tag für sich.



Ich nahm Anlauf, sprang elegant über diese Hürden und ziehe nach meinen beiden Einstiegserfahrungen nun folgendes Resummee:
  • Zwei Tage sind für mich momentan die selbst-gesetzte maximale Grenze, denn ein bisschen anstrengend ist es natürlich schon, sein Zimmer nicht für sich zu haben. Man wünscht sich ein Gästezimmer. Oder halt ein Wohnzimmer.
  • Es ist bizarr und gleichzeitig großartig und seltsam "normal" die Gastgeberin für Vagabunden zu spielen und sich dabei für so kurze Zeit doch relativ intensiv mit ihnen zu beschäftigen. Man spricht über Kulturen, gemeinsame Interessen - eigentlich so ziemlich alles. Und man lernt. Man lernt eigentlich recht viel! z.B. bekommt man den einen oder anderen Anstoß oder die eine oder andere Reiseidee - und oft gleich einen potentiellen Gastgeber mit dazu. Außerdem sind die neuen Bekanntschaften auch wieder Leute, die Leute kennen, die andere Leute kennen, deren Hilfe oder Rat man vielleicht irgendwann mal in Anspruch nehmen wollen könnte.

Deshalb: weitere Türöffnungen werden definitiv erfolgen, und nach Abschluss der Diplomarbeit gestalten sich die mit Sicherheit noch entspannter.

(Außerdem: 5 Comfortsterne für meine Teddybärcouch, oh ja!)


P.S.: Und kaum war der Eintrag fertig verfasst, habe ich auch schon die nächste Zusage gemacht. Suchtfaktor? Definitiv!

Saturday, December 03, 2011

Everybody goes suuuurfing....

Angesichts der vom Himmel fallenden Flocken, die dann längst geschmolzen als fette Tropfen auf die Straße klatschen, mag der Titel etwas befremdlich anmuten. Doch wer weiterliest, wird gleich merken, dass hier nicht von Wind und Wellen die Sprache ist.

Man kann nämlich auch auf Fauteuils (sprich auf Weinviertlerisch: fohdöhs) surfen. Das hat weniger mit Gleichgewichthalten und Sport zu tun, als es vielmehr eine Reiseform beschreibt, die dem Reisenden erstens die mühsame Ho(s)telsuche und das Zahlen für selbiges erspart und ihn zweitens um ein Abenteuer und nicht selten eine Freundschaft bereichert.


Man nehme:

* eine beliebige Stadt, irgendwo
* einen in dieser Stadt wohnenden Menschen, der ein Sofa/ein Bett/2 Quadratmeter Boden frei hat und keine Hemmungen, seinen Wohnraum mal ein paar Tage mit jemandem Wildfremden zu teilen
* einen geizigen und/oder abenteuerlustigen Reisenden, oder auch 2
* den Katalysator Onlineplattform, um alle involvierten auch zusammen zu bringen

Man heize die Onlineplattform auf Betriebstemperatur vor (durch Erstellen eines Profils, beispielsweise). Danach suche man die Stadt, in der man zu nächtigen hofft, und mische eine Prise Fingerspitzengefühl mit einem Schuss Initiative und suche sich einen Gastgeber nach Wahl. Gewürzt mit ein bisschen Kreativität und Freundlichkeit verfasse man eine Email und lasse das ganze brutzeln, bis man eine (hoffentlich positive) Antwort bekommt. Man kombiniere mit einem günstigen Flug, garniere nach Geschmack mit ein paar Gastgeschenken und auf jeden Fall großzügig mit Offenheit. Heiß servieren. Mahlzeit.




Und nun die persönliche Anekdote dazu - quasi ein Serviervorschlag:

Wie schon im Rumänienpost kurz vermerkt, gehöre auch ich zur geizigen (und ganz klein wenig abenteuersuchenden) Gruppe von Reisenden, und nachdem ich in Cluj schon so eine gute Erfahrung mit Couchsurfing gemacht hatte, konnte ich es kaum erwarten, mir durch einen zweiten Versuch selbst zu bestätigen, dass das kein einmaliger Glücksfall war.
Wie es im Leben manchmal so spielt, zog es mich für ein paar Tage in die Mitte Britanniens, wo ich zwischen verschiedenen Orten hin- und hergerissen werden sollte, weshalb mir Manchester als gute, mittige Basis erschien. (Außerdem hat die Stadt einen Flughafen, dh man ist schnell dort und auch schnell wieder weg.)
Zu faul, mich im Vorhinein großartig nach einer Bleibe umzusehen, packte mich eine Woche vor Abflug der Rappel und ich schickte 4 Anfragen hinaus. Zwei davon wurden positiv beantwortet und nach regem Emailverkehr noch auf eins eingedickt und so fand ich mich schließlich vor ein paar Tagen spätnachts in einer Studentenheimwohnung in Manchester wieder. Mein Gastgeber erwies sich als sehr bemüht, unkompliziert und sehr hilfsbereit und stattete mich sofort einmal mit einem Stadtplan und einem Wohnungsschlüssel aus.
Dass mir so sehr vertraut wurde, ehrte mich, sollte sich aber auch als guter Zug herausstellen, da ich volles Programm hatte, und zu den Zeiten, als ich dann "nach Hause" kam, mein Gastgeber meistens gerade nicht da war.

Obwohl wir uns wenig sahen, schafften wir es doch, ein paar Dinge gemeinsam zu unternehmen, wie z.B. mit einem befreundeten Nordiren lauthals irische Lieder zur Gitarre zu grölen, mit dem Tandem durch die Stadt zu flitzen (oh ja, das muss man mal gemacht haben!) und uns auf einem 60er-Jahre Clubbing die restliche Energie abzutanzen.

Den letzten Tag hatte ich für mich selbst zur Verfügung und hatte auf eine persönliche Stadtführung gehofft. Die bekam ich zwar aus Zeitmangelsgründen meines Hosts nicht, allerdings traf ich oben erwähnten Nordiren ein zweites Ma(h)l und verbrachte, nach einem anstrengenden Vormittag, an dem ich alleine stundenlang durch die Stadt marschiert war und über die deutschen Weihnachtsmärkte geschmunzelt hatte, meine letzten paar Stunden in Manchester in Gesellschaft, anstatt alleine.

Fazit dieses wieder mal viel zu lange geratenen Beitrags:
Die Couchsurfingsache, die eigentlich nur eine angenehme Randbedingung meines Ausflugs darstellen sollte, geriet durch ihre Großartigkeit beinhahe in den Mittelpunkt und bescherte mir, anstatt des bei Hostelbuchung antizipierten mühsamen Pflichterledigungstrip mit einsamen Abenden, einen schönen und gar nicht einsamen Ausflug, bei dem ich praktischerweise auch meine Pflichtsachen unterbringen konnte.

Ich habe mir vorgenommen, nun auch selber hin und wieder bedürftigen Reisenden ein Dach über dem Kopf zu geben und kann einem jeden Leser nur schwer empfehlen, sich auf dieses Abenteuer einmal einzulassen. Denn so inspirative Gespräche und Gastfreundlichkeit von fremden Menschen erfährt der Cluburlauber normalerweise nicht. Und die Erfahrungs- und Erlebnissschatztruhe wird auch schneller voll.

Wednesday, June 08, 2011

Cluj Days - ft. salt, rock, cardboard and a lot of coffee

Wenn Schwesterchen sich für ein halbes Jahr nach Rumänien vertschüsst, muss sie natürlich mit einer Heimsuchung rechnen und um sie für ein paar Tage zu sehen nahm ich mir Uniurlaub und eine ganznächtliche, nervenaufreibende Busfahrt in Kauf - begleitet von Shrek 4 auf Ungarisch.

Frühmorgens stieg ich gerädert und unausgeschlafen aus dem Bus und wurde von meiner herzallerliebsten Schwester mit einem Willkommensschild empfangen - Ach, Wiedersehen macht doch Freude!! Der lange Spaziergang durch die Stadt belebt die tauben Beine und durch ein Frühstück am Museumsplatz, dem vermutlich nettesten Eck in ganz Cluj, wurde auch mein Geist soweit wieder hergestellt.


Der Tag war lang und geprägt von viel Zeit auf den Beinen, sodass die Sehnsucht nach Dusche und Bett bis zum Abend beständig wuchs. Schließlich wurde es dunkel und somit war es an der Zeit meinen Gastgeber zu treffen:
Ich hatte aus Kostengründen (und Abenteuerlust) beschlossen, es erstmals mit Couchsurfing zu versuchen und dabei offenbar einen Volltreffer gelandet: Slim und ich verstanden uns auf Anhieb blendend und ich erhielt nicht nur einen guten Bettplatz für 3 Nächte, sondern gewann im Kombipaket auch einen Freund.

Die meiste Zeit verbrachte ich freilich dennoch mit Lisa, und so fuhren wir am Sonntag nach Turda, um vor der glühenden Hitze unter die Erde zu fliehen: genauer gesagt in ein Salzbergwerk mit einer konstanten Temperatur von 12°C. Herrlich.

Ein laaaaaaanger, feuchter Tunnel und einer Handvoll Stufen führten uns in die Berggrotte:

....einen Vergnügungspark! Unter der Erde! Mit Billiardtischen, Picknickbänken, einem Theater, einem Riesenrad...

... und einem See mit Ruderbooten!



Wir waren überfordert und suchten nach einem ausgedehnten Rundgang wieder den Weg an die Oberfläche.


Nächster Autostopp-Halt: Cheile Turzii - eine unter Naturschutz stehende Schlucht:







Nach ein paar Stunden in der wunderschönen Natur und nur gestört von Steine werfenden und laut auf Ungarisch singenden Schulklassen, versuchten wir, zurück nach Cluj zu gelangen. Unsere Lieblingsreisemethode, der Autostopp, erwies sich allerdings als nicht allzu einfach, da die Autos entweder bereits randvoll waren, es sich um getarnte Taxis (Schild in der Heckscheibe anstatt leuchtend am Autodach) handelte, oder die Leute einfach nicht bereit waren, uns mitzunehmen. Schlussendlich hatten wir dennoch Glück und ein nettes Ehepaar chauffierte uns nach Turda, wo wir zwei Plätze in der Klapperkarre dreier ungarischer Bürschchen ergatterten ("I think it's funny that you come to Romania to study. I mean: WHY? It's in the middle of nowhere!"). Früher als erhofft hatte Cluj uns wieder.

Ein anstrengender Tag, den wir bei ein paar leckeren rumänischen Bieren mit Slim und seinen vielen Freunden im L'Atelier ausklingen ließen. Dieses Café sollte unser allabendlicher Zufluchtsort werden, da neben dem tollen Ambiente und der reichlichen Getränkeauswahl besonders die bequeme Einrichtung aus - tadah! - Karton bestach:



Am nächsten Tag zog es uns in den Schatten diesmal künstlich angelegter Natur - den botanischen Garten von Cluj, wo wir uns auf Waldwegen fast verirrten, Flüsse querten...



... und uns schließlich - auch ohne Buschmesser - durch's tropische Dickicht schlugen...


...bis wir die Pflanze der Pflanzen gefunden hatten....


(ok, sie rangiert auf dem dritten Platz: nach Tee und Kakao, aber man nimmt, was man kriegen kann...)

Wie passend, hat Cluj sich doch in meinem Hirn auch als die Stadt der manigfaltigen Kaffeespezialitäten eingebrannt: Alle bekannten Variationen in warm oder kalt, Frappes aller Arten - mit oder ohne Eis, Schlagobers, Kirschen, Ananas, etc etc und das alles zu einem Preis, der Starbucks und Konsorten in den Bankrott treiben würde! Um mich bei all den Strapazen und vor allem dem nicht zu bekämpfenden Schlafmangel wach zu halten, legten wir regelmäßige Dopingpausen an schönen Plätzen ein:

Auf dem Hügel - Blick über die Stadt


Den Zeitpunkt meines Besuchs hatte ich unbeabsichtigt gut gewählt, denn just in dieser Woche gab es die Cluj-Tage, dh Konzerte, Filmvorführungen und allerlei andere Kunstveranstaltungen en masse. Eins davon war eine nächtliche Kurzfilmtour durch die Stadt: alle paar hundert Meter blieb man stehen und es wurde zur allgemeinen Unterhaltung ein Filmchen an die Wand geworfen:



Durch all den Trubel und die viele Aktivität präsentierte Cluj-Napoca [sprich: Napoka] sich als sehr lebendige, bunte, studentische Stadt - einfach zum Wohlfühlen!

Letzte Station meines Aufenthalts war dann das Freilichtmuseum in Cluj. Mit von der Raiffeisenbank gratis zur Verfügung gestellten Fahrrädern und in Begleitung der Bokustudentin Romana flitzten wir dorthin:

Bauernhäuser, Blumenwiesen, Bienenstöcke



Die Kirche war das einzig offene Gebäude - zumindest sehr sehenswert!
(Das wären die anderen bestimmt auch gewesen..)


Der neue Spielplatz (offiziell eröffnet ca. 1 Stunde nach Aufnahme dieses Fotos)
wurde von uns schon vorab auf Erwachsenentauglichkeit geprüft.
Urteil: mit Bravour bestanden!


So verbrachten wir also die Tage und Nächte - gingen, schauten, schlemmten, holten viele Stunden an lange ausgebliebenen Gesprächen nach, feierten Lisas Geburtstag und schon musste ich mich wieder in den Bus nach Hause setzen.

Im Rückreisegepäck habe ich folgende Erkenntnisse über Rumänien sicher verstaut:
  • Junge Rumänen grüßen auch mit Servus und verabschieden sich mit (ba)ba!
  • Das an jeder Ecke billig zu habende und allseits beliebte fast food sind dünne Laugenbrezeln um 1 Lei (=ein paar cent). Sie werden, damit man sie nicht verliert, gerne mit Garn zusammengebunden und vielfach sieht man Clujianer mit einem derartigen Brezenketterl herumlaufen.
  • Generell sind Speisen und Getränke in Rumänien nicht übersüßt wie bei uns, sondern schmecken viel natürlicher. Fettes Plus!
  • Das Teemonopol hat Demmer's Teehaus inne - man fühlt sich fast wie zuhause.
  • In den meisten Lokalen gabs nur eine Toilette pro Geschlecht (oftmals sogar nur eine einzige für alle) und DENNOCH musste ich - bei meist vollem Lokal, wohlgemerkt - nur ein einziges Mal mich anstellen. Wie machen die das?!
  • Rumänisch ist eine interessante Sprache und in den paar Tagen, die ich dort verbringen durfte, bin ich allen Sprachkompetenten mit meiner neugierigen Fragerei auf die Nerven gegangen, hab aber auch ein bisschen was dazu gemerkt.

Fazit: Rumänien mag ich, ich hab mich schnell zuhause gefühlt und wäre durchaus einem Wiederbesuchen nicht abgeneigt!

In diesem Sinne: La revedere, Romania! (man verzeihe die fehlenden Akzente)

Tuesday, April 20, 2010

Tales of Bangor #19 (rhif un deg naw) - Heimatliche Experimente

PROLOG
Nach etlichen Abenden der fröhlichen Spaghettikocherei war unserer kleinen Erasmengruppe mal nach etwas anderem. Fiepje und Elzelien hatten uns schon vor Längerem einen holländischen Kochabend versprochen und da die Länderverteilung sehr gleichmäßig ist (2 Deutsche, 2 Niederländer, 2 Österreicher) haben wir diese Idee gleich ausgedehnt zu 3 verschiedenen themenspezifischen Veranstaltungen.

Die Vertretung Österreichs präsentiert:
Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat
gefolgt von
Apfelstrudel mit Vanillesauce

mit
Elisabeth Pfister
und
Kristina Hammer
in den Hauptrollen


*Vorhang auf*

ACTUS I - Vorbereitung
Elli, eine Tirolerin und somit trotz Regional- und Sprachdifferenzen Landskumpanin, brachte von ihrem Osterurlaub eine Packung Semmelbrösel mit und gestern gingen wir ans Werk:
Wir kauften Schweinsfilets, Erdäpfel, Äpfel und Vanillepuddingpulver und gleich einem britischen Archäologen auf Feldtour beraubte ich die Küche im Hause Cadnant (in dem ich wohne) aller Essenzialien und stahl mich damit klamheimlich zu Ellis Studentenheim - natürlich nicht, ohne pflichtbewusst eine Nachricht am weißen Brett hinterlassen zu haben.

ACTUS II - Zubereitung
Während Elli sich um die Erdäpfel kümmerte, begann ich den Strudelteig vorzubereiten, denn der sollte eine Stunde rasten. Wieder einmal waagenlos schüttete ich Mehl, Öl und Salz in eine große Schüssel und begann mit dem Stiel eines Holzlöffels zu rühren und Wasser beizumengen (Carnuntum lässt grüßen).

Zeit verging....... sehr meditativ diese Aufgabe.

Irgendwann hatte der Teig eine Konsistenz erreicht mit der ich glücklich war und Elli und ich begannen ein irres Geschirrabwaschen und Herumtauschen - wir hatten nämlich recht wenig davon zur Verfügung, aber alles ging sich dann irgendwie aus.

Der Teig wurde zur Seite gestellt und ich widmete mich dem Fleische. Leute, die mich kennen, wissen, dass das nicht unbedingt meine area of expertise ist und deshalb sah ich diese Aufgabe als besondere Herausforderung. Sorgsam entfernte ich die zentimeterdicke Fettschicht von den rohen Schweinsmuskeln und ging dann dazu über, sie in Ermangelung eines Schnitzelklopfers mit einem Kartoffelstampfer zu malträtieren. (Die sonderbaren Blicke einige anderer Studenten, die immer wieder kurz in die Küche kamen, ignorierte ich.) Überraschenderweise hat das Schnitzelstampfen ganz gut funktioniert und nach einer gefühlten halben Stunde, als ich dann schon einen Krampf im Arm hatte, waren sie dünner als zuvor. - Inzwischen waren auch unsere Gäste eingetroffen: Miriam, Rebecca und Elzelien. - Ich würzte die Schnitzel und zog sie traditionsgemäß durch Mehl, Ei und Brösel und Elli übernahm die Aufgabe des Rausbackens, während ich mich dem vernachlässigten Strudelteig zuwandte.
Also wenn meine Oma den zieht sieht das immer so leicht aus und er wird hauchdünn ohne zu reißen...nun ja: hauchdünn wurde er nicht. Gerissen ist er außerdem. Hingehaut hat's trotzdem und man hat dem Strudel halt angesehen, dass er mit Liebe und von Hand fabriziert wurde.
-> Strudel ins Rohr, Schnitzel auf den Teller und los geht's.

ACTUS III - facing the critics
Unsere Mühen schienen sich gelohnt zu haben, denn die Schnitzel wurden allseits approbiert. Die Optik des Kartoffelsalats wurde zwar in Frage gestellt, allerdings gleichzeitig mit hohen Geschmacksnoten relativiert. Alles wurde restlos verspeist - wenn auch mit ein bisschen Überredungskunst und Drohungen - und die Teller wurden der rituellen Waschung unterzogen.

Runde 1 erfolgreich absolviert. Auf zum Dessert!

Der Strudel sah gebacken ganz gut aus und während er ein bisschen abkühlte fabrizierten Elli und ich die Vanillesauce. Auf die waren wir besonders stolz, da sie ob ihres Freiseins von Laktose von allen gleichsam genossen werden konnte. (Wozu man in custard allerdings tonnenweise orangen Farbstoff kippt ist mir ein Rätsel. So ein grauslich künstliches Orange! Zum Glück hat die Sauce diese Farbe dann verloren, sonst wären uns vielleicht noch ein paar Optikpunkte abgezogen worden). In Wiener Kaffeehausmanier bekam jeder ein schönes Stück Strudel in einem See von Vanillesauce auf die wiedergesäuberten Teller. Hübsch. Ein Austrophiler britischer Student, der unsere Handlungen die ganze Zeit neugierig beäugt hatte, kommentierte das Aussehen sehr positiv und berichtete uns von seinen Strudelerfahrungen in Windischgarsten (habe ich da ein sehnsüchtiges Glitzern in seinen Augen entdeckt?). Unsere Gäste haben wiederum ganz brav gegessen - abgesehen von der zahnqualitätprüfenden Kruste hat der Strudel auch ganz gut geschmeckt - und man kann wohl auch diese zweite Runde als Erfolg deklarieren. High five, Elli!


*Vorhang*

*Musik setzt ein*

Abspann
Teigziehen muss geübt werden, in allem anderen sind Elli und ich würdig, unser Heimatland kulinarisch zu vertreten. (Für mich persönlich war die ganze Aktion ein Probelauf, denn ich habe vor, meine lads demnächst mal auf ähnliche Art zu bekochen. Mal schaun, ob's dann genauso gut wird.) Entspannt nach Absolvierung unserer Aufgabe blicken Elli und ich nun voller Vorfreude und Spannung dem deutschen und dem holländischen Megaevent entgegen. Es wird an uns sein, sich bekochen zu lassen, zu genießen und zu urteilen. Bin schon sehr gespannt...

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Credits
gedankt sei
  • unseren Müttern, die uns beratend telefonisch zur Seite standen
  • den Bewohnern des Hauses Cadnant, die für einen Abend diverser Utensilien - darunter eines Kartoffelstampfers - entbehren mussten
  • den Bewohnern des Studentenheims, die uns die Küche versauen ließen
  • Elli - für die tolle Zusammenarbeit
Wir bedauern informieren zu müssen, dass für diese Veranstaltung sehr wohl Tiere verletzt wurden. Allerdings nicht direkt von uns.

Thursday, April 26, 2007

Experimental Baking

Großspurig habe ich angekündigt, dass Eva und ich eine Apfeltorte für unsere mittwöchliche Lektürerunde fabrizieren würden. Ja, das sagt sich gar leicht...
Des Mittwochmorgens ward mir dann bewusst, dass ich 1. einen eklatanten Topfmangel und 2. keine Küchenwaage habe. Doch das hat meinen Idealismus nicht weiter getrübt - man kann ja improvisieren 1. mit diversen Lavour-ähnlichen Gefäßen, die bislang ohnehin nicht-beachtet ein eher trauriges Dasein im hintersten Eck meines Küchenkastels fristeten, und 2. einer 200g-Packung geriebener Haselnüsse als Vergleichsmasse.
Was uns aber zum Verhängnis wurde war diese *biiieeeep* Apfelreibe! ... grrrr... Eine ärgere Fehlkonstruktion gibt es nicht: Die Äpfel flutschen ständig irgendwohin, weil man so viel Druck anwenden muss, um sie effektiv kleinzubekommen - und dann hat man irgendsoein Gatschsaftl (anstatt hübscher kleiner Apfelspäne), was sich als eher weniger gut für die Torte herausstellte:
Sie "blieb sitzen"! Ich war eher betrübt - was heißt: verzweifelt! -, während Eva es die ganze Zeit nur lustig fand. Naja, sie hat sich am Abend auch nicht der kritischen Jury gestellt!
Um jedenfalls das Desaster schön zu verbergen, haben wir das patzige Zeug mit einer unglaublich tollen Schokoglasur getarnt und ich bin überzeugt, dass diese es war, die uns herausgerissen hat! (An dieser Stelle sei Bensdorp von ganzem Herzen Dank ausgesprochen!)

Unfassbar, hat es dieses Fabrikat nun tatsächlich geschafft, mein Selbstwertgefühl bezogen auf Backwaren ziemlich zu dämpfen und mich dazu gebracht, mich des Abends am laufenden Band dafür zu entschuldigen.
Scheinbar habe ich allen Anwesenden so sehr Leid getan, dass sie mir reihum in 5-Minuten-Abständen mehrmals versichert haben, dass die Torte "wirklich gut" sei und ich mir echt keine Sorgen zu machen brauche.

Aber trotzdem....

Das wird noch überarbeitet und wieder gut gemacht!