Monday, February 27, 2012

Sag's mit 4 Klicks

Manche Leute haben ein Sprachzentrum, das wohl selbstständig zur Zusammenfügung passender Nachrichten nicht fähig ist. Oder sie wollen es schonen.

Wovon spreche ich? Nun, in einem der vorigen Beiträge habe ich erwähnt, dass dem Interessenten, wenn er der vermeintlichen Dame seines Herzens einen Gruß erbieten will (natürlich geht das auch umgekehrt-geschlechtlich), eine vorgefertigte Nachricht zur Verfügung gestellt wird, die auf ähnlichen Interessen basiert und durch das Anklicken von Checkboxen minimal verändert werden kann. Die fertige Nachricht lautet dann in etwa so (und man kann sich wunderbar vorstellen, wie die computergenerierte Stimme das abliest):

Liebe Unbekannte, (gerade, dass die Genderung wegfällt)
Ich finde Ihr Profil interessant und würde Sie gerne kennenlernen. Denn Ihr Profil ist interessant.
Ich sehe, sie mögen Yoga. Ich auch. Machen wir das mal zusammen? (Augenbrauengewackel)
Ich sehe, sie hören gerne Rock. Ich auch. Hören wir das mal zusammen?
Habe ich schon erwähnt, dass ich Ihr Profil mag, und ich Sie gerne näher kennenlernen würde?
Darf ich auch Ihre Fotos sehen?
Ich freue mich auf eine Antwort!

Die meisten Leute sind so normal und schreiben ein paar persönliche Worte in das dafür vorgesehene Feld unter dem vorgefertigten Text. Andere nicht. Und genau so etwas Unpersönliches erhielt ich vor ein paar Tagen.
Normalerweise lösche ich derartige Dinge, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, denn was soll man darauf antworten? (Oh ja! Ich würde sehr gerne mit dir Yoga machen und kann nicht erwarten, von dir gedehnt zu werden, während wir Rockmusik hören? sicher. nicht.)
Diesmal jedoch schrieb ich zurück.

Danke für den Gruß
Normalerweise antworte ich auf so etwas nicht, da ich ohne persönliche Nachricht nur schwer einen Anknüpfungspunkt finde, aber dein Profil klingt interessant.
+ ein paar profil-relevante Fragen zur Person und eine Abschlussgrußformel. Durchaus bemüht, allerdings ohne wirkliches Interesse. Ist ja nicht so einfach, auf sowas zu antworten.

2 Tage später sollte ich auch schon die Antwort haben.

Liebe Unbekannte,
Ich bedanke mich für den freundlichen Kontakt, denke nun aber, dass wir nicht zusammenpassen würden.
Ich wünsche Ihnen noch viel Erfolg und ein schönes Leben.

Tja. Offenbar muss man sein Hirn gar nicht gebrauchen, um zu flirten? 2 vorgefertigte Nachrichten tun's auch, um geistigen Austausch auf höchstem Niveau zu betreiben.

So begab es sich also, dass ich mir meine erste Absage einholte. Und das, ohne ein persönliches Wort gewechselt zu haben. Freilich bin ich jetzt zu Tode betrübt.

Mich würde allerdings auch interessieren, wie lange der Mensch schon Mitglied auf dieser Seite ist, denn seine Erfolgsquote stelle ich mir höchst überschaubar vor... aber vielleicht gibt es auf dieser Welt ja Frauen, die mit ihm Yoga machen wollen. Und vielleicht ergibt sich daraus die schönste, wortlose Beziehung.

Friday, February 24, 2012

More strings

Ein kleiner Nachtrag zum letzten Beitrag. Die quirlige kleine Schwester des Cello, die Geige, soll hier auch ihren Platz bekommen. Dass sie sich neben klassischen Melodien und irischen Jigs auch durchaus in Genres wie den Dubstep integrieren lässt, beweist Lindsey Stirling ganz elegant in einer kargen, doch zauberhaften Eislandschaft (klick).



Ob man beim Fideln tatsächlich so tanzen kann, sei dahin gestellt, aber es hat was. Zumindest die Settings hat sie sehr gut gewählt: wunderschöne Landschaften, Brücken, Wiesen, Lichtstimmung!

Wem die ersten beiden Lieder zu elektronisch ist, dem gefällt vielleicht diese ruhige Komposition mit Harfe besser. Und dann noch eines für Fans von Lord of the Rings - ich habe die ganze Zeit drauf gewartet, dass sie über den Saum ihres Kleids stolpert, so hyperaktiv wie sie zu sein scheint, aber das hat ja mit der Musik nix zu tun.

Wednesday, February 22, 2012

One cello, please, well-strung!

Und wieder unterbrechen wir unsere Reflexionen für eine Werbeschaltung

Diesmal ist sie musikalscher Natur und betrifft The Piano Guys. Diese bestehen aus Stephen Sharp Nelson (der trotz dem irreführenden Bandnamen Cello spielt) und Jon Schmidt (am namensgebenden Tasteninstrument) - beides Virtuosen ihrer Wahlinstrumente: Das Cello, dieses wunderbare, tiefgehende, gefühlvolle, bewegende Saiteninstrument, und das Klavier, das so versatil alle möglichen Gefühle und Stimmungen zwischen lieblich und desperat herbeizaubern kann in Symbiose: was will man mehr?



Die beiden Musiker taten sich zur Neuinterpretation bekannter Melodien zusammen und eroberten gemeinsam YouTube. Über diesen Kanal fanden sie auch den Weg in mein Ohr, als mir das Starwars-Medley Cello Wars per link zutragen wurde. Und weil ich lieb bin, teil' ich ihn auch mit euch (einfach anklicken).
Elektronisch verstärktes Cello scheint eine von Nelsons Spezialitäten zu sein und wenngleich ich das noch nie zuvor gehört hatte, wollte ich mich dem Klang nicht verschließen und habe mich sofort auf YouTube quer durch das musikalische Gemüsebeet gehorcht. Und konnte schließlich nicht umhin, das Album mit dem gesammelten Potpourri zu erwerben.
Auf der Speisekarte: eine Interpretation Bachs bekannter Cello Suite #1, Orffs O Fortuna, Beethovens Mondscheinsonate, natürlich Cello Wars und diverse andere auditive Zuckerl, die teilweise eine Gänsehaut hervorrufen oder einfach so schön anzuhören sind.

Empfehlenswerter sind allerdings dennoch beinahe die Videos, da Nelsons hochkonzentrierter und doch glückseliger Gesichtsausdruck die Intensität der Lieder noch steigert und zum Genuss beiträgt. Zum Beispiel in diesem, das sich leider, leider nicht auf dem Album findet.

Gute Gänsehaut!

Monday, February 20, 2012

Findet nur der, der suchet?

Ich glaube ich weiß nun, warum ich Partnersuche online nicht mag. Oder generell schon das Konzept der PartnerSUCHE. Partnerfund ist viel mehr nach meinem Geschmack. Nicht unbedingt Findung, denn das impliziert eigentlich Suche, aber Findung wäre dennoch ok, denn es klingt so final und schicksalsbestimmt. Wenn man's mathematisch betrachten will, würde ich Findung als das Ergebnis definieren, zudem man entweder durch Suche oder durch Fund kommt - zwei Wege, ein Ziel. Kann ich's mir aussuchen, dann wähle ich als meinen bevorzugten Weg den Fund.

Suche
hingegen mag ich nicht. Suche heißt, ich gehe gezielt vor - nach Kriterien. Suche heißt, ich brauche etwas unbedingt und widme der Findung sehr viel Zeit. Ich habe meine Checkliste bei der Hand und gehe damit auf die Jagd, wobei ich alle Menschen kategorisch beleuchte und sie nach den auftretenden Charakteristika in den einen oder anderen Pool werfe - oder sie ganz aus dem Schwimmbad verbanne. Im virtuellen Leben dominiert sie, die Suche (ist das nicht der Hauptzweck, des Internets?): zum Beispiel über eine Internetseite, deren Zweck die Findung eines Lebens(abschnitts)partners ist - und zwar über eine Suchmaschine, in die man Kriterien tippen kann oder über den ungleich mühevolleren, doch vielleicht lohnenderen Prozess des händischen Suchens.
Man geht dabei freilich nicht nach spontaner Anziehungskraft vor (wie auch?), sondern nach einem factsheet, anhand dessen man die Leute auf genau eine Lückenpassform ableuchtet. Man Menschen vermutlich niemals wirklich kennenlernen - bei all der Konkurrenz - weil sich die affektierte Spreu vom ehrlichen Weizen erst später trennt und man bis dahin täglich 2 Dates haben müsste. Das Ausschlussprinzip funktioniert viel zu schnell und basiert auf den falschen Prinzipien. Die Auswahl ist zu umfangreich, um wirkliche Entscheidungen zu treffen. Eine - aufgrund teils unwichtiger Kriterien - getroffene Entscheidung kann nicht zurückgenommen werden. Und die Wahrscheinlichkeit eines Zufallsglücksfundes ist vermutlich etwa so hoch ist wie die, dass man im Internet den perfekten Wintermantel findet (ein durchaus schwieriges Unterfangen).

Fund mag im Gegensatz zu Suche zwar vielleicht nach zufällig auf der Straße Aufgelesenem klingen, aber ganz ehrlich: je zufälliger und unerwarteter, desto besser. In meiner Welt. Der perfekte Wintermantel ist meiner Meinung nach eher nicht online zu erstehen. Den muss man in einem Geschäft finden, wo man ihn angreifen kann und die Qualität der Nähte prüfen. Und zwar findet man den bestimmt dann, wenn man ihn nicht sucht: zufällig (so wie der geschätzte Herr Fleming das Penicillin entdeckt hat). Fund heißt, man geht mit offenen Augen durch die Welt und plötzlich sieht man "das Perfekte". Man wollte immer genau das, aber das wird einem erst bewusst, wenn man es das erste Mal sieht. Dieser zufällige Fund kann überall und jederzeit eintreten. Er kann Leute betreffen, die man noch nie zuvor gesehen hat, oder auch welche, die man schon ewig lang kennt und die plötzlich in einem anderen Licht erscheinen - wie zum Beispiel meine Stiefel, die ich jahrelang keines Blickes gewürdigt hatte und die ich jetzt nicht mehr hergeben würde: Auch ein Fund, wenn auch ein nachträglicher. Diese Option ist online freilich nicht vorgesehen.

Kurz: Suche ist zeitaufwendig und wahrscheinlich frustrierend, Fund passiert und macht meist überglücklich. Ich wähle also Fund.

Was tu ich dann auf einer Suchseite? Nicht suchen jedenfalls. ABER - und jetzt kommt das Aber* - man kann das Ganze ja auch anders angehen. Nämlich tatsächlich wie mit einem Wintermantelkauf: indem man einfach nicht sucht, sondern immer wieder ein bissl erwartungsfrei, aber aufmerksam, durchstöbert, dann vielleicht mal den einen oder anderen zur Anprobe bestellt, eventuell ein paar Exemplare zurücksendet, weil die Farbe doch nicht ganz der Beschreibung entsprochen hat oder der Schnitt anderen Menschen besser stünde. Zusätzlich lässt man freilich die "echten" Geschäfte besser nicht außer Acht, denn wer weiß, vielleicht findet man genau dort einmal ganz nebenbei und zufällig das richtige Modell.

*zitiert ist unser alter Physiklehrer

Und warum mag ich die Suchseite dann trotzdem nicht? Weil es eine Suchseite ist, die bei Leuten die Erwartungshaltung hervorruft, dass ihnen ein Fund garantiert wird (zumindest eine gewisse Anzahl an "Kontakten" garantiert sie). Und diese Erwartungshaltung entstammt der bisherigen fruchtlosen Suche - das Suchverhalten wird durch die Seite intensiviert und führt bei manchen zu regelrechten Verkrampfungen und zur Verzweiflung. Ja, und es wird natürlich auch von anderen Mitgliedern erwartet, dass sie zu Suchzwecken dort sind.

Und was, wenn nicht?

Thursday, February 16, 2012

Ver- und Entschleierungen

Wir wissen doch alle: der erste Eindruck zählt.
Der erste Eindruck ist auch meistens ein optischer.
Meistens, aber nicht immer.

Wie mit den Nachrichten, die man vor der Mitgliedszahlung nicht lesen konnte, ist es auch mit den Profilbildern so eine Sache: Hat jemand keine Profilbilder, wird stattdessen ein durchaus attraktives Schwarzweißfoto eines Models als Statthalter eingesetzt. Dieses ändert sich in Zehnjahressprüngen, sodass man anhand des falschen Fotos schon das Alter der Person abschätzen kann. Trügerisch ist es dennoch. Meine Mutter, blickte mir mal über die Schulter, fiel darauf rein, zeigte auf irgendeines dieser Fotos und rief:
"Den da! Den klick an! Der ist fesch!"
"Mama, das ist nicht der - das ist ein Modelfoto."
"Oh. Na fesch ist der trotzdem."

Hat man sich jedenfalls aufgerafft, seinem schriftlichen Datenblatt auch ein Gesicht zu verleihen, dann bleibt dieses so lange nebelumwölkt und vage, bis man sich selber entschließt, diesen ersten Vorhang beiseite zu ziehen und dem virtuellen Gegenüber sein Antlitz in aller Schärfe zu zeigen. Mancher macht das gleich bei der ersten Nachricht - was gut und schlecht sein kann. Manch anderer entschließt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt dazu, um vorher einmal abzutasten, ob beim Gegenüber überhaupt Interesse besteht und zwar frei von jeglichem optischen Input.
(Dass dabei Mimik und Gestik komplett unter den Tisch fallen, was sich zu Gunsten derjenigen, die sowas nicht haben, und zu Ungunsten derer, die dadurch hauptsächlich attraktiv werden, sei der Vollständigkeit halber auch erwähnt.)

Aus Faulheit (was sonst) habe ich die erste Woche fotofrei hinter mich gebracht, mich nun allerdings entschlossen, einen Schritt weiter zu gehen. Jetzt kommt die Herausforderung: welche 3 Bilder repräsentieren mich am ehesten so, wie ich bin, ohne, dass sie gleichzeitig Leute abschrecken?


Die Entscheidung ist keine einfache, denn so wie mit dem restlichen Profil, präsentiert man sich natürlich genau so, wie man gesehen werden will: Cool, mit Bierglas in der Hand und partygeil verzerrtem Gesicht, oder kontemplativ, mit vielleicht einem Buch in der Hand, sportlich, mit Landschaft im Hintergrund, klassisch, im Anzug, neutral, als Passbild ohne nennenswerten Hintergrund, oder - mein absoluter Favorit - verführerisch, mit verträumtem Blick auf roter Bettwäsche. Die Qual der Wahl!

Schließlich habe auch ich eine Entscheidung getroffen und eine Serie an Bikini-, Party- und Bettbildern hochgeladen, die mir mit Sicherheit genau die richtigen Interessenten einbringen.
Freigeben werde ich die freilich nicht.

Tuesday, February 14, 2012

Support the Mockingjay!

Wir unterbrechen unsere Dokumentationsreihe nun für eine Werbenachricht!

Diese betrifft konkret die geniale Trilogie The Hunger Games (in deutscher Übersetzung erhältlich unter dem Titel Die Tribute von Panem). Drei Jugendbücher, die zwischen 2009 und 2011 aus der gut gespitzten Feder von Suzanne Collins flossen.


Der Inhalt (Die Vorgeschichte)
In Nordamerika ist in der näheren Zukunft nur mehr ein Staat vorhanden: Panem. Dieser besteht aus einem Capitol und 12 Bezirken. Die Aufgabe der zwölf (ehemals 13) Bezirke ist es, das Capitol mit allen Rohstoffen und Produkten zu versorgen, die man für ein Leben im Überfluss braucht, während sie selbst an der kurzen Leine gehalten werden und das tägliche Überleben nicht gesichtert ist. Kein Wunder, dass die unterdrückten Bezirke sich gegen das herrschende Capitol verschworen und für bessere Bedingungen kämpften. Sie scheiterten. Als Mahnmal, um eine weitere Revolution zu verhindern, wurde der 13. Bezirk für immer zerstört und das Capitol führte die alljährliche Tradition der Hunger Games ein: Aus jedem Bezirk werden ein Bub und ein Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren gelost und in ein riesiges Areal, die Arena, geworfen, wo sie ein paar Tage gegeneinander kämpfen, bis nur mehr eine Person übrig bleibt. Spiele zur Unterhaltung der Dekadenzgesellschaft im Capitol!

Das erste Buch erzählt von den Hunger Games aus der Sicht der 16 jähringen Katniss Everdeen, die für den 12. Bezirk ins Rennen geht. Blöderweise kämpft an ihrer Seite, bzw auch gegen sie, jemand, der ihr nicht so egal ist, dass sie ihn einfach töten könnte.
Mehr kann ich leider nicht verraten ...

Und ganz wichtig
: NICHT die Klappentexte lesen: die sind voller Spoiler, die Essig in's süße Lesevergnügen gießen!!!


Die Kritik
Empfohlen von gleich zwei Freundinnen, die mir schworen, ich würde das Buch nicht wieder weglegen können, wenn ich es einmal in die Hand genommen habe, wurde sicherheitshalber gleich die gesamte Trilogie aquiriert und trotz dringenderer Aufgaben, stürzte ich mich mitten hinein.
Collins ist Meisterin des spannenden Schreibstils: die Pausen, die man bei dem rasanten Tempo und aufwühlendem Geschehen zum Durchatmen bräuchte, sucht man am Kapitelende umsonst: dort findet man bloß genial konstruierte Cliffhanger, die das Aufhören erschweren: Ein Kapitel noch... ein Kapitel noch... rennt es in Dauerschleife in meinem Hirn.
Und dann ist es plötzlich 6 Uhr früh.

Ein paar hilfreiche Fakten..
  • Da das Buch für Teenager geschrieben wurde, ist der Satzbau unkompliziert und der Inhalt lässt sich ohne unnötigen wortspielerischen Firlefanz schnell aufnehmen: Sprache steht nicht im Vordergrund (ist aber dennoch keineswegs schlecht).
  • Sozialkritik gibt es in dicken Scheiben, und diese ist sehr clever aufbereitet und lässt kaum Lücken offen. (Ich sage kaum, weil ich nicht ausschließen will, dass ich etwas übersehen habe.) So betreibt man Meinungsbildung!
  • Wie gesagt, die Hauptzielgruppe sind Teenager. Das heißt, eine komplizierte, verworrene, und vor allem mit einer saftigen Portion Verzweiflung servierte Liebesgeschichte darf nicht fehlen. Doch ist diese nicht seicht, sondern trotz vieler kitschiger Momente, die mit dem Rest der Geschichte clashen wie rosarot mit limettengrün, durchwegs tiefsinnig und dem Rest des Buches absolut würdig. Außerdem lenkt sie von der eigentlich Handlung nicht ab. Kann sie nicht, dazu ist die Handlung zu stark.
  • Übersichtliche ~430 Seiten pro Buch in großem Druck sind schnell gelesen und so lässt sich die gesamte Trilogie in recht kurzer Zeit verschlingen: Gesundes Fast Food für's Hirn, quasi.

Fazit: In meinen Top-5. Das heißt: lesen, lesen, lesen! Und Achtung: erhöhte Ansteckungsgefahr.

Monday, February 13, 2012

Wochen-Rückschau

....bereits 1 Woche eine Partnersuchseite getestet - welcher Eindruck entstand?

  • Man kann sich vor der Flut der Anfragen nicht retten: auf 2 Tage kommen 3-5 Anfragen. Ich kann erahnen, wie es dem Christkind von September weg geht...
  • Faulheitsfaktor? Viele Menschen halten es nicht einmal für notwendig, eine persönlich verfasste Nachricht zu schreiben. Im Gegenzug halte ich es nicht für notwendig, diese Leute in meinem Postfach zu behalten.
  • Die Seite unterstützt besonders Menschen, denen die Gabe der ansprechenden Syntaktisierung von Gedanken nicht in den Schoß gelegt wurde: diese bekommen auf Wunsch ausreichend Tipps für Andockversuche, Korbflechtereien und sonstige Interaktionen. Nachhilfe habe ich auf der konsumierenden Seite noch nie gemocht, aber ich muss sie ja nicht annehmen. Bin mir aber sicher, dass so manche(r) davon profitieren kann.
  • Ein Drittel der Interessenten ist mehr als doppelt so alt wie ich
  • Das zweite Drittel heißt Thomas
  • Von den tatsächlich interessant klingenden Menschen - dh die, die nicht von vorherein durch Alters-, Formulierungs- oder andere Kriterien durch den Rost fallen - kriegt man durch eine einzige Email keinen Eindruck, der gut genug ist, um eine Entscheidung zu treffen, also muss man entweder a) nach Zufallsprinzip eine Selektion treffen oder b) ALLEN zurückschreiben und in Kauf nehmen, dass man gleichzeitig ≥7 Konversationen aufrecht erhält, was sich als äußerst anspruchsvoll und zeitraubend gestaltet, da die Kandidaten dann alle im Geiste zu verschwimmen beginnen und man sie nur mehr teilweise auseinanderhalten kann. Ich arbeite momentan an einer Lösung.
  • Und schlussendlich: Trotz allen persönlichen Nachrichten ist die Sache extrem unpersönlich, sehr undurchsichtig und vage und daher auch nicht übermäßig angenehm, denn Versteckspiele mag ich nicht. Und ich fühle mich an StudiVZ erinnert, da man sieht wer sich wann das persönliche Profil angesehen hat. Bei manchen muss man ja fast Angst bekommen...

Fazit: Es wird mir nach einer Woche fast schon zu anstrengend und ich habe soeben den Kündigungsbrief verfasst, den die Post morgen in Empfang nehmen darf. Dennoch habe ich noch 11 Wochen vor mir und noch ist meine Neugierde nicht versiegt, also keep it coming - ich freu mich über Schreibmaterial!

Monday, January 02, 2012

Erstreflexionen eines Surfb(r)etts

Im letzten Beitrag habe ich gelobt, bald einem umherirrenden, herbergsuchenden Menschen Schutz zu gewähren und habe dieses Vorhaben tatsächlich schneller als geplant in die Tat umgesetzt.



Unzuverlässig und zögerlich, wie ich bei Planungen auf größere zeitliche Distanz momentan bin, habe ich mich selbst überlistet und bin der Gruppe "Couchsurfing Vienna" beigetreten, die ein Auffangbecken und Instanthilfe für bislang obdach- und glücklose Reisende darstellen soll. Die Idee ist, dass man frühestens 48 Stunden vor Ankunft am Zielort einen Hilfeschrei an die community senden kann auf dass sich ein gutherziger Mensch erbarme. (Dass manche Menschen lediglich zu faul sind, sich jemanden zu suchen und schon Wochen im Vorhinein so tun als fänden sie niemanden, ist natürlich auch keine Seltenheit.)


Mein Selbstüberlistungsplan geht jedenfalls voll auf und jede neue Anfrage füllt mich mit schlechtem Gewissen - Helfersyndrom, was kann man tun? - und so nahm ich eine Woche nach Beitritt auch schon zwei absolut liebenswerte Griechinnen für einen Tag auf und jetzt vor Silvester ganz spontan zwei germanische Nachbarn. Beide Partien zeichnen sich durch eine überlegt geschriebene und ehrliche Anfragenachricht und ein überaus sympathienerweckendes Profil aus. Dass sie nur für zwei Nächte bzw eine Nacht bleiben wollen, erleichtert mir die Entscheidung ebenso, also antworte ich.

Mit der ersten Zusage kommt natürlich zuallererst die Überlegung: Was ist im couch-service inkludiert?
Nun, diese Frage muss man sich als Gastgeber selber stellen und nach eigenen Möglichkeiten und Großzügigkeit definieren: Bietet man eine Liegefläche auf dem Boden neben dem eigenen Bett? Eine Couch im Zimmer? Gar ein eigenes Zimmer? Ist Frühstück inkludiert? Stattet man die Surfer mit einem Schlüssel aus? Nimmt man sich einige Stunden oder sogar Tage Zeit um ihnen die Stadt zu zeigen oder was trinken zu gehen oder stellt man lediglich die Couch über Nacht zur Verfügung? Alles ist möglich und wirkliche Vorgaben gibt es nicht, wenngleich empfohlen wird, den Austausch mit den Gästen sehr wohl zu pflegen, zu jedermanns Gewinn. Ich persönlich handhabe das individuell nach eigenen Zeitplänen, Bauchgefühl und Sympathiegrad für die jeweiligen Gäste.
Bei meinen beiden Besuchen habe ich für mich entschieden, wahlweise mein Bett oder das Sofa zur Verfügung zu stellen. Das Optimum an Zeit, das ich mit ihnen verbringen will beträgt so ca. das Ausmaß eines halben Tages beträgt. Tee oder Kaffee in der Früh ist eine Form von Aufmerksamkeit und gehört für mich dazu, aber Frühstück will ich eigentlich, um meinem sonst drohenden hausgemachten Perfektionistinnenstress zu entgehen, nicht grundsätzlich anbieten. Das sind so ca. die Rahmenbedingungen innerhalb derer ich operieren will.


Kaum zugesagt, gibt es als nächstes einige kleine Hemmschwellen, die anfangs überwunden werden wollen:
  • Die ganze Angelegenheit ist vor allem Vertrauenssache: Man öffnet ja sein Reich quasi wildfremden Menschen und bevor man diese wirklich kennenlernt, muss man eben nach ihrem Benutzerprofil gehen und geht darauf basierend das Risiko halt ein.
  • Die Privatsphäre wird freilich beschnitten - gerade in einer mini-Wohnung wie der Meinigen, wo ein einziger Schlaf- und Wohnraum keinerlei Rückzugsmöglichkeit bietet, es sei denn die Mitbewohnerin ist nicht zuhause und man usurpiert ihr Zimmer. Ansonsten denkt man sich halt man ist in einem Hostel, wo man ja auch kein Zimmer für sich hat und die meisten Zimmergenossen nicht kennt. Man kann dabei auch so tun, als wäre man selber auf Reisen, schiebt die Diplomarbeit in die Kiste mit der Aufschrift "Schlechtes Gewissen" und unternimmt gleich lieber was mit den Gästen. Ja und wenn die Reisenden sehr aktiv und unternehmungslustig sind, kommen sie eh nur zum Schlafen und man hat den Tag für sich.



Ich nahm Anlauf, sprang elegant über diese Hürden und ziehe nach meinen beiden Einstiegserfahrungen nun folgendes Resummee:
  • Zwei Tage sind für mich momentan die selbst-gesetzte maximale Grenze, denn ein bisschen anstrengend ist es natürlich schon, sein Zimmer nicht für sich zu haben. Man wünscht sich ein Gästezimmer. Oder halt ein Wohnzimmer.
  • Es ist bizarr und gleichzeitig großartig und seltsam "normal" die Gastgeberin für Vagabunden zu spielen und sich dabei für so kurze Zeit doch relativ intensiv mit ihnen zu beschäftigen. Man spricht über Kulturen, gemeinsame Interessen - eigentlich so ziemlich alles. Und man lernt. Man lernt eigentlich recht viel! z.B. bekommt man den einen oder anderen Anstoß oder die eine oder andere Reiseidee - und oft gleich einen potentiellen Gastgeber mit dazu. Außerdem sind die neuen Bekanntschaften auch wieder Leute, die Leute kennen, die andere Leute kennen, deren Hilfe oder Rat man vielleicht irgendwann mal in Anspruch nehmen wollen könnte.

Deshalb: weitere Türöffnungen werden definitiv erfolgen, und nach Abschluss der Diplomarbeit gestalten sich die mit Sicherheit noch entspannter.

(Außerdem: 5 Comfortsterne für meine Teddybärcouch, oh ja!)


P.S.: Und kaum war der Eintrag fertig verfasst, habe ich auch schon die nächste Zusage gemacht. Suchtfaktor? Definitiv!

Saturday, December 03, 2011

Everybody goes suuuurfing....

Angesichts der vom Himmel fallenden Flocken, die dann längst geschmolzen als fette Tropfen auf die Straße klatschen, mag der Titel etwas befremdlich anmuten. Doch wer weiterliest, wird gleich merken, dass hier nicht von Wind und Wellen die Sprache ist.

Man kann nämlich auch auf Fauteuils (sprich auf Weinviertlerisch: fohdöhs) surfen. Das hat weniger mit Gleichgewichthalten und Sport zu tun, als es vielmehr eine Reiseform beschreibt, die dem Reisenden erstens die mühsame Ho(s)telsuche und das Zahlen für selbiges erspart und ihn zweitens um ein Abenteuer und nicht selten eine Freundschaft bereichert.


Man nehme:

* eine beliebige Stadt, irgendwo
* einen in dieser Stadt wohnenden Menschen, der ein Sofa/ein Bett/2 Quadratmeter Boden frei hat und keine Hemmungen, seinen Wohnraum mal ein paar Tage mit jemandem Wildfremden zu teilen
* einen geizigen und/oder abenteuerlustigen Reisenden, oder auch 2
* den Katalysator Onlineplattform, um alle involvierten auch zusammen zu bringen

Man heize die Onlineplattform auf Betriebstemperatur vor (durch Erstellen eines Profils, beispielsweise). Danach suche man die Stadt, in der man zu nächtigen hofft, und mische eine Prise Fingerspitzengefühl mit einem Schuss Initiative und suche sich einen Gastgeber nach Wahl. Gewürzt mit ein bisschen Kreativität und Freundlichkeit verfasse man eine Email und lasse das ganze brutzeln, bis man eine (hoffentlich positive) Antwort bekommt. Man kombiniere mit einem günstigen Flug, garniere nach Geschmack mit ein paar Gastgeschenken und auf jeden Fall großzügig mit Offenheit. Heiß servieren. Mahlzeit.




Und nun die persönliche Anekdote dazu - quasi ein Serviervorschlag:

Wie schon im Rumänienpost kurz vermerkt, gehöre auch ich zur geizigen (und ganz klein wenig abenteuersuchenden) Gruppe von Reisenden, und nachdem ich in Cluj schon so eine gute Erfahrung mit Couchsurfing gemacht hatte, konnte ich es kaum erwarten, mir durch einen zweiten Versuch selbst zu bestätigen, dass das kein einmaliger Glücksfall war.
Wie es im Leben manchmal so spielt, zog es mich für ein paar Tage in die Mitte Britanniens, wo ich zwischen verschiedenen Orten hin- und hergerissen werden sollte, weshalb mir Manchester als gute, mittige Basis erschien. (Außerdem hat die Stadt einen Flughafen, dh man ist schnell dort und auch schnell wieder weg.)
Zu faul, mich im Vorhinein großartig nach einer Bleibe umzusehen, packte mich eine Woche vor Abflug der Rappel und ich schickte 4 Anfragen hinaus. Zwei davon wurden positiv beantwortet und nach regem Emailverkehr noch auf eins eingedickt und so fand ich mich schließlich vor ein paar Tagen spätnachts in einer Studentenheimwohnung in Manchester wieder. Mein Gastgeber erwies sich als sehr bemüht, unkompliziert und sehr hilfsbereit und stattete mich sofort einmal mit einem Stadtplan und einem Wohnungsschlüssel aus.
Dass mir so sehr vertraut wurde, ehrte mich, sollte sich aber auch als guter Zug herausstellen, da ich volles Programm hatte, und zu den Zeiten, als ich dann "nach Hause" kam, mein Gastgeber meistens gerade nicht da war.

Obwohl wir uns wenig sahen, schafften wir es doch, ein paar Dinge gemeinsam zu unternehmen, wie z.B. mit einem befreundeten Nordiren lauthals irische Lieder zur Gitarre zu grölen, mit dem Tandem durch die Stadt zu flitzen (oh ja, das muss man mal gemacht haben!) und uns auf einem 60er-Jahre Clubbing die restliche Energie abzutanzen.

Den letzten Tag hatte ich für mich selbst zur Verfügung und hatte auf eine persönliche Stadtführung gehofft. Die bekam ich zwar aus Zeitmangelsgründen meines Hosts nicht, allerdings traf ich oben erwähnten Nordiren ein zweites Ma(h)l und verbrachte, nach einem anstrengenden Vormittag, an dem ich alleine stundenlang durch die Stadt marschiert war und über die deutschen Weihnachtsmärkte geschmunzelt hatte, meine letzten paar Stunden in Manchester in Gesellschaft, anstatt alleine.

Fazit dieses wieder mal viel zu lange geratenen Beitrags:
Die Couchsurfingsache, die eigentlich nur eine angenehme Randbedingung meines Ausflugs darstellen sollte, geriet durch ihre Großartigkeit beinhahe in den Mittelpunkt und bescherte mir, anstatt des bei Hostelbuchung antizipierten mühsamen Pflichterledigungstrip mit einsamen Abenden, einen schönen und gar nicht einsamen Ausflug, bei dem ich praktischerweise auch meine Pflichtsachen unterbringen konnte.

Ich habe mir vorgenommen, nun auch selber hin und wieder bedürftigen Reisenden ein Dach über dem Kopf zu geben und kann einem jeden Leser nur schwer empfehlen, sich auf dieses Abenteuer einmal einzulassen. Denn so inspirative Gespräche und Gastfreundlichkeit von fremden Menschen erfährt der Cluburlauber normalerweise nicht. Und die Erfahrungs- und Erlebnissschatztruhe wird auch schneller voll.

Monday, October 24, 2011

The importance of being bold

London, Juli 2011: 6 Mädels setzen sich in einen Germanwingsflieger und fliegen in die Stadt der roten Busse, der betürmten Brücke und des großen Glockenturms mit der Händelmelodie, den man in so vielen Filmen schon apokalyptisch bersten ließ.

Diese Stadt hat auch eine große Flächendichte an Theatern aufzuweisen und unser sich wie eine Epidemie ausbreitende Verehrung für den Tennant und dessen Auftreten als Benedick in Shakespeare's "Much Ado about Nothing" in einer der dortigen Venues, brachte uns so zahlreich in die Stadt.

Anstatt mich über den gesamten Aufenthalt, die Kilogrammmenge an gekauften Schuhen (man muss die Clichés leben!!), die Autogrammjagd und meinen Kurzausflug in den Norden wortreich zu ergießen, will ich viel lieber ein kleines Detail hier festhalten und zugleich heldenliedhaft glorifizieren.


Es waren holde Maiden, sechs an der Zahl,
die zog es in London, in ein Pub ihrer Wahl.
Ein Teil, mit Freunden, fiel hungrig schon ein
zwei Tisch' zu besetzen, der Trupp war nicht klein.
Ein paar fehlten noch - auf die wurde gewartet,
die Bestellung wurde darum noch nicht gestartet.
Dem Kellner die Situation wenig gefiel,
deshalb begann er sein eigenes Spiel...

Die Hungrigen und Durstigen nahm er zwar wahr,
doch kam er trotz allem dem Tische kaum nah.
Die vier Flaschen Cider, ein Handgriff oder zwei
kamen erst nach 15 Minuten herbei.
Das Aufnehmen der Bestellung hätt er beinah verschwitzt,
da waren unsere Gemüter schon etwas erhitzt.

Kaum muss man erwähnen, dass in ähnlicher Manier
auf die Erscheinung der Speisen warteten wir.
Und auf die Entfernung der Teller, die Rechnung, das Zahlen,
- der Typ hatte Spaß, wir sahen ihn strahlen,
als gemütlich er plauderte mit den anderen Gästen,
und abtrug die Teller mit deren Resten.
Uns gegenüber tat er bemüht,
doch Freude darüber war falsch und verfrüht.
Er fuhr damit fort uns zu ignorieren,
und widmete sich doch lieber seinen Bieren,
denn die bedachte er lieber mit Blicken
und kehrte uns dadurch effektvoll den Rücken.
Wir wurden sarkastisch, redten uns in Rage,
sowas erlebt man nicht alle Tage!

Rachepläne gab es auch bereits viele
und ich wollt mich beschweren, in großem Stile
- eine Sache, zu der der Mut mir meist fehlt,
doch die Insolenz des Kellners hatte meine Nerven gestählt.
Meine lieben Freunde taten den Rest
und das ganze wurde für mich zum Test.

Ich schnappte das Geld - auf den Penny genau
und marschierte zur Bar ...
Er ließ mich kurz warten, griff dann nach dem Geld,
doch wenn er dachte das wars: weit gefehlt!
Ich hielt die Noten fest und begann meine Rede
Als Kellner beginnt man mit den Gästen keine Fehde!
Uns sei schon bewusst, dass niemand sich freut,
wenn die Gäste auffallen durch Unpünktlichkeit.
Wenn anderen der Anspruch auf den Tisch verwehrt
und gegessen wird dann nur ein Dessert.
Dennoch kein Grund für solch kindisch' Gebahren!
Wir seien ja nicht blind und so war's nicht zu fassen,
dass er uns ganz offensichtlich links liegen hat lassen.
Kaum gelang es ihm, seine Miene zu wahren.
Lachte/Weinte er fast, ich konnt's nicht sagen,
und redete weiter: Wie konnt er es wagen
zahlende Gäste so mies zu bedienen?
Trinkgeld kann man sich nicht verdienen,
wenn man wem ständig die kalte Schulter zeigt.
Damit habe er es sich selbst vergeigt:
Wir hoffen die anderen Gäst' sind zufrieden,
wir sind's nicht: das Pub wird in Hinkunft gemieden.
Den Namen des Pubs geben wir auch nicht weiter,
keine Empfehlung von uns also, leider.

All das schnell gesprochen wandte ich mich
ab und stieg runter, ans Tageslicht.
Wo vor Aufregung mir schlotterten die Knie:
unglaublich, ich dacht' sowas mach ich wohl nie!

Antiklimaktisch kam es mir dann:
ich hab meine Weste ja gar nicht an!
Vor lauter Ärger hatte ich sie liegen lassen
und konnte natürlich nicht mehr hinein sie zu fassen.
Doch dank meiner Freunde und Orange UK,
wurde mir die Blamage erspart - juchee juchee.
(Man verzeihe mir die hässlichen Schluss,
aber es ist nicht leicht, wenn sich's reimen muss...)

Man sollte viel öfter, anstatt sich zu grämen,
viel eher den Bösewicht beschämen.
Daher die Moral von dieser Geschicht?
Ein schlechter Kellner kriegt sein Trinkgeld halt nicht!

Wednesday, June 08, 2011

Cluj Days - ft. salt, rock, cardboard and a lot of coffee

Wenn Schwesterchen sich für ein halbes Jahr nach Rumänien vertschüsst, muss sie natürlich mit einer Heimsuchung rechnen und um sie für ein paar Tage zu sehen nahm ich mir Uniurlaub und eine ganznächtliche, nervenaufreibende Busfahrt in Kauf - begleitet von Shrek 4 auf Ungarisch.

Frühmorgens stieg ich gerädert und unausgeschlafen aus dem Bus und wurde von meiner herzallerliebsten Schwester mit einem Willkommensschild empfangen - Ach, Wiedersehen macht doch Freude!! Der lange Spaziergang durch die Stadt belebt die tauben Beine und durch ein Frühstück am Museumsplatz, dem vermutlich nettesten Eck in ganz Cluj, wurde auch mein Geist soweit wieder hergestellt.


Der Tag war lang und geprägt von viel Zeit auf den Beinen, sodass die Sehnsucht nach Dusche und Bett bis zum Abend beständig wuchs. Schließlich wurde es dunkel und somit war es an der Zeit meinen Gastgeber zu treffen:
Ich hatte aus Kostengründen (und Abenteuerlust) beschlossen, es erstmals mit Couchsurfing zu versuchen und dabei offenbar einen Volltreffer gelandet: Slim und ich verstanden uns auf Anhieb blendend und ich erhielt nicht nur einen guten Bettplatz für 3 Nächte, sondern gewann im Kombipaket auch einen Freund.

Die meiste Zeit verbrachte ich freilich dennoch mit Lisa, und so fuhren wir am Sonntag nach Turda, um vor der glühenden Hitze unter die Erde zu fliehen: genauer gesagt in ein Salzbergwerk mit einer konstanten Temperatur von 12°C. Herrlich.

Ein laaaaaaanger, feuchter Tunnel und einer Handvoll Stufen führten uns in die Berggrotte:

....einen Vergnügungspark! Unter der Erde! Mit Billiardtischen, Picknickbänken, einem Theater, einem Riesenrad...

... und einem See mit Ruderbooten!



Wir waren überfordert und suchten nach einem ausgedehnten Rundgang wieder den Weg an die Oberfläche.


Nächster Autostopp-Halt: Cheile Turzii - eine unter Naturschutz stehende Schlucht:







Nach ein paar Stunden in der wunderschönen Natur und nur gestört von Steine werfenden und laut auf Ungarisch singenden Schulklassen, versuchten wir, zurück nach Cluj zu gelangen. Unsere Lieblingsreisemethode, der Autostopp, erwies sich allerdings als nicht allzu einfach, da die Autos entweder bereits randvoll waren, es sich um getarnte Taxis (Schild in der Heckscheibe anstatt leuchtend am Autodach) handelte, oder die Leute einfach nicht bereit waren, uns mitzunehmen. Schlussendlich hatten wir dennoch Glück und ein nettes Ehepaar chauffierte uns nach Turda, wo wir zwei Plätze in der Klapperkarre dreier ungarischer Bürschchen ergatterten ("I think it's funny that you come to Romania to study. I mean: WHY? It's in the middle of nowhere!"). Früher als erhofft hatte Cluj uns wieder.

Ein anstrengender Tag, den wir bei ein paar leckeren rumänischen Bieren mit Slim und seinen vielen Freunden im L'Atelier ausklingen ließen. Dieses Café sollte unser allabendlicher Zufluchtsort werden, da neben dem tollen Ambiente und der reichlichen Getränkeauswahl besonders die bequeme Einrichtung aus - tadah! - Karton bestach:



Am nächsten Tag zog es uns in den Schatten diesmal künstlich angelegter Natur - den botanischen Garten von Cluj, wo wir uns auf Waldwegen fast verirrten, Flüsse querten...



... und uns schließlich - auch ohne Buschmesser - durch's tropische Dickicht schlugen...


...bis wir die Pflanze der Pflanzen gefunden hatten....


(ok, sie rangiert auf dem dritten Platz: nach Tee und Kakao, aber man nimmt, was man kriegen kann...)

Wie passend, hat Cluj sich doch in meinem Hirn auch als die Stadt der manigfaltigen Kaffeespezialitäten eingebrannt: Alle bekannten Variationen in warm oder kalt, Frappes aller Arten - mit oder ohne Eis, Schlagobers, Kirschen, Ananas, etc etc und das alles zu einem Preis, der Starbucks und Konsorten in den Bankrott treiben würde! Um mich bei all den Strapazen und vor allem dem nicht zu bekämpfenden Schlafmangel wach zu halten, legten wir regelmäßige Dopingpausen an schönen Plätzen ein:

Auf dem Hügel - Blick über die Stadt


Den Zeitpunkt meines Besuchs hatte ich unbeabsichtigt gut gewählt, denn just in dieser Woche gab es die Cluj-Tage, dh Konzerte, Filmvorführungen und allerlei andere Kunstveranstaltungen en masse. Eins davon war eine nächtliche Kurzfilmtour durch die Stadt: alle paar hundert Meter blieb man stehen und es wurde zur allgemeinen Unterhaltung ein Filmchen an die Wand geworfen:



Durch all den Trubel und die viele Aktivität präsentierte Cluj-Napoca [sprich: Napoka] sich als sehr lebendige, bunte, studentische Stadt - einfach zum Wohlfühlen!

Letzte Station meines Aufenthalts war dann das Freilichtmuseum in Cluj. Mit von der Raiffeisenbank gratis zur Verfügung gestellten Fahrrädern und in Begleitung der Bokustudentin Romana flitzten wir dorthin:

Bauernhäuser, Blumenwiesen, Bienenstöcke



Die Kirche war das einzig offene Gebäude - zumindest sehr sehenswert!
(Das wären die anderen bestimmt auch gewesen..)


Der neue Spielplatz (offiziell eröffnet ca. 1 Stunde nach Aufnahme dieses Fotos)
wurde von uns schon vorab auf Erwachsenentauglichkeit geprüft.
Urteil: mit Bravour bestanden!


So verbrachten wir also die Tage und Nächte - gingen, schauten, schlemmten, holten viele Stunden an lange ausgebliebenen Gesprächen nach, feierten Lisas Geburtstag und schon musste ich mich wieder in den Bus nach Hause setzen.

Im Rückreisegepäck habe ich folgende Erkenntnisse über Rumänien sicher verstaut:
  • Junge Rumänen grüßen auch mit Servus und verabschieden sich mit (ba)ba!
  • Das an jeder Ecke billig zu habende und allseits beliebte fast food sind dünne Laugenbrezeln um 1 Lei (=ein paar cent). Sie werden, damit man sie nicht verliert, gerne mit Garn zusammengebunden und vielfach sieht man Clujianer mit einem derartigen Brezenketterl herumlaufen.
  • Generell sind Speisen und Getränke in Rumänien nicht übersüßt wie bei uns, sondern schmecken viel natürlicher. Fettes Plus!
  • Das Teemonopol hat Demmer's Teehaus inne - man fühlt sich fast wie zuhause.
  • In den meisten Lokalen gabs nur eine Toilette pro Geschlecht (oftmals sogar nur eine einzige für alle) und DENNOCH musste ich - bei meist vollem Lokal, wohlgemerkt - nur ein einziges Mal mich anstellen. Wie machen die das?!
  • Rumänisch ist eine interessante Sprache und in den paar Tagen, die ich dort verbringen durfte, bin ich allen Sprachkompetenten mit meiner neugierigen Fragerei auf die Nerven gegangen, hab aber auch ein bisschen was dazu gemerkt.

Fazit: Rumänien mag ich, ich hab mich schnell zuhause gefühlt und wäre durchaus einem Wiederbesuchen nicht abgeneigt!

In diesem Sinne: La revedere, Romania! (man verzeihe die fehlenden Akzente)

Tuesday, May 10, 2011

Eine Rüge an die Dekadenz

All ihr lieben Schokoladenliebhaber da draußen, die es vielleicht noch nicht mitbekommen haben: Die Kakaopreise sind wegen Ernteausfällen um 90% gestiegen. Das ist bitter (oder vielleicht auch süß, weil man Schokolade dann eben nochmal mehr mit Zucker und Fett strecken muss, um die Preise halten zu können.), scheint jedoch so manchen nicht davon abzuhalten, mit dem Luxusgut herumzuspielen wie Dagobert mit seinen Münzen.

So stieß es mir gestern sauer auf, als ich die Zeitung aufschlug und allen Ernstes einen Werbeartikel für einen Malkurs der anderen Art entdeckt habe:
Man hatte sich offenbar auf die Suche gemacht, wie man auch Schokoladenverächter möglichst effektiv anlocken kann - mit dem Essen spielen bekanntlich nur Kinder, denen es nicht schmeckt oder die keinen Hunger haben. Den Menschen, die das Kakaoprodukt doch lieber oral genießen, wird zum Einstieg ein Pralinenbuffet(!) zum Magenanfüllen präsentiert, bevor alle schokoladenaffinen möchtegern-Künstler verschiedene Sorten edler Java-Schokolade mit unterschiedlichen Kakaoanteilen zur Verfügung gestellt bekommen, mit denen sie nach Herzenslust eine Leinwand bräunen dürfen. Mit Trüffelstreuseln und derlei Extras kann man sich zusätzlich austoben und vermutlich kleine Mosaiken legen.

Weg also mit der herkömmlichen, traditionellen Aquarellfarbe - wer will schließlich ein altmodisches Aquarellbild an der Wand? - malen wir doch mit einem Luxusrohstoff. Schließlich ist der gut eingesetzt, wenn ein mittelmäßig begabter Mensch damit auf einer Leinwand herumpatzt. Von der ästhetischen Farbvielfalt ganz zu schweigen. Braun, braun und braun machen sich vielleicht auf einer beigen Wand recht gut, doch ob sie im 0815-Heim allzu gut aussehen? Vielleicht hängt man sie auf um in Zeiten der Verzweiflung daran lecken zu können? Irgendwie fühle ich mich an das Handtuch des Arthur Dent erinnert...
Aber bitte, jedem das seine/jeder das ihre. Wenn man seit längerem auch schon Sekt mit Blattgoldstückchen süffeln kann, warum soll man dann nicht mit Schokolade malen.

Ein bisschen zu spät wurde der Beitrag allerdings schon veröffentlicht: "Die Schokobilder eignen sich perfekt als Geschenk!" - Muttertag war vorgestern, und ich bin mir sicher, dass jede Mutter sich über ein selbstgemaltes Schokobild gefreut hätte, von dem sie vermutlich nach kurzer Zeit einer Ameisenstraße zum Fenster folgen können hätte, aber dafür ist es nun zu spät.... na vielleicht hat sie ja bald Geburtstag...

Monday, April 04, 2011

Monkeys, Apfelwein and Sky scrapers: Frankfurt in 3 days

Frankfurt.

More than half a year after leaving Bangor my little ERASMUS group and I finally decided it was about time to meet up and walk down memory lane. Frankfurt - being somewhat central between Vienna and the Netherlands - was to be the location for our spring reunion and a date was fixed surprisingly quickly (after discussions stretching over many months).

The journey began one Thursday evening, when I boarded the train that should get me to Germany while I slept on a semi-comfortable bunk bed. The bed was about 20cms too short and the air in the compartment was hot and dry. Still, after a nice chat with an English musician now English teacher, who moved into an old Austrian farmhouse not too long ago, I managed to get a total of 3 to 4 patched up hours of sleep.
5 a.m.: wake-up call: an hour early. Me and the other Austrian girl in the compartment get off and soon find ourselves sitting in McDonald's, trying to wake up. She then leaves for the Netherlands - I for a certain flat.



6:30 a.m.: After walking through the dark deserted streets of Frankfurt, with only the song of birds in my ears, I buy freshly baked bread rolls and pastries and ring Felix' doorbell. He treats me to a lovely breakfast with most interesting cheeses, freshly squeezed orange juice, a soft boiled egg and whatever else I could wish for. Stuffed and properly awake, the two of us make our way to the city centre from where we take separate ways: he's off to work - I get out map and camera and start being all touristy.

Roman stuff!!! Can't miss out on that, of course!


11:00: I meet Rebecca, Elzelien and Miriam at the station and we all feel as though we've never been parted! Let the fun begin!

1st stop: Hauptwache for original Flammkuchen - a dish resembling a pizza, not typical of the area, but to be had everywhere. And until then unknown to me: I had to give it a try.

[n.b.: at the station: A guy aged 50+ asks me a) how I am, b) what my name is and c) if I'd consider being his future wife. I politely declined and we rushed off.]

2nd stop: The Zoo! The weather is gorgeous and we walk around in the sunshine, marvel at the Gibbons who use their long arms to swing from one end of the cage to the next. The Rhinos and Hippos are interesting too - but better keep at a healthy distance or you might get hit by feces...

Good job they give visitors a warning

Didn't happen to us, though. We laughed at the weird, sausage-shaped animal on spidery legs, that had a look on its face that made it appear either stoned or hypnotised or both. Best part: I got to see kiwis! Or the backside of one, which had it's long beak and the head attached to it down some hole in the earth and would not look up once. The other one darted about in the semidarkness of the cage, hiding behind the trees. Interesting animals, them.
I also really liked the emperor tamarins. I wish had one. Just for the moustache!

Otter


Herr Nilsson's great great granson


3rd stop: We met Fiepje at the station and went to have some dinner: Green sauce with eggs and potatoes - apparently a typical dish, although a bit...different. It tasted really nice - and was complimented with 1 or 2 or 3 glasses of Apfelwein (the German version of cider - actually much nicer than the English/Irish ones. And waaaay cheaper too!) and was followed by a couple of liqueurs. Very merrily we made our way to the...


Eggs on green sauce - a traditional dish


Apfelwein all 'round!

...last stop for the day: Rebecca's place, where we all found a temporary home in the living room. We watched a 45 min video of our time in Bangor - the hikes, the trips, the discussions about food and slate - and barely understood anything for all the laughter!

Finally: bed and a good night's worth of sleep.


The next morning first led us to Maison du pain for some really nice, even if not exactly cheap, French breakfast, before we toured the city, had a look at the cathedral, got to breathe some market hall air (think of a mix of fresh fish, raw meat and baked goods), and rode a urin-specked elevator up to a terrace from where we got a close-up of the modern skyscrapers that tower in stark contrast over the beautiful timber framed houses, yet blend in - somehow - and give the city a very modern look.

Amongst them: the European Central Bank


Russian Choir: Don Kosaken Chor


Organ pipes pointing into the cathedral like cannon tubes - I felt slightly threatened


Good-bye to Elzelien it was next, as her train already left at noon. The rest of us felt quite tired and went to the botanical garden, where we had a nap in the warming sunshine before getting all hyperactive again and cartwheeling up and down the lawn. Tired once more we let the evening end with a pint of Guinness, some food and delicious ice cream.


Time to take a rest in the sunshine


At the risk of being repetitive: most beautiful beer ever
(yeah, I KNOW that technically Guinness isn't considered beer...)

On Sunday we left the city and went to Eppstein to do a bit of hiking/walking in the woods. Over the hills and far away we walked and I realised that my bike tour in September had already brought me very close to Frankfurt: from the top of the hill I could see some of the villages we'd passed then.
It was nice to be in touch with nature again and enjoy the soft ground and the air of the woods, spicy from the smell of pines and other conifers, whilst chatting to friends I rarely see - one of the best possible combinations. So, another sunny day passed.

In the afternoon we saw off Fiepje, then Miriam, before Rebecca and me went for a delicious burger (for the Bangor memory) and a really nice, long, overdue chat to Die Kuh die lacht - a restaurant worth mentioning, as all they sell is either grown/bred in the region and/or home-made (like the baps and lemonades).

11 p.m: rain sets in and my train sets off.
Although the compartment is meant for people to bear the excrutiatingly long journey sitting upright (the middle bunks had been converted to backrests and the ladder was missing), I decide I won't have that and, after discovering that only one of the top bunks is being used as luggage rack, I clamber up monkey style and lie there, listening to music till it gets light outside.

Very, very tired I get off the train and make my way home to recover...

Sunday, February 20, 2011

Denglions on the rise: ein rant gegen die Hybridsprache

Managen, downloaden, mailen, smsen und weitere hübsche anglizistische Lehnwörter gibt es ja im Deutschen schon seit einiger Zeit und auch wenn diese ein bisschen überflüssig sind, haben sie sich im allgemeinen Sprachgebrauch eingebürgert. Computer- und Techniksprache sind nun einmal großteils Englisch und das Finden entsprechender deutscher Synonyme ist natürlich mühsam. Unabhängig davon, gibt es noch ein paar andere Kandidaten, die schon zu lange im Lande sind, um ausgewiesen zu werden. Hierzu zählt das leicht nondeskripte Adjektiv cool. All diese stellen für mich kein gröberes Problem dar.

Was mich jedoch in letzter Zeit ziemlich arg stört, ist der hohe Prozentsatz an wahrlich nicht notwendigen Derivationen aus dem Englischen und die gleichsam große Zahl and Einsprengseln von kompletten englischen Sätzen** in der ganz normalen täglichen Konversation.
Es hat den Anschein, dass man nicht mehr imstande ist, ein normales Gespräch in gutem Deutsch zu führen, sondern dass man sich ständig der englischen Lehnwörter bedienen muss, obwohl es durchaus brauchbare deutsche Entsprechungen für mindestens 90% der betroffenen Begriffe gibt.
**Zitate aus Büchern/Filmen/dem englischen Alltag/... sind natürlich aus Authentizitätsgründen als Ausnahme zu bezeichnen.

Facebook, die Plattform zur Verkümmerung vollwertiger sozialer Kontakte, ist dabei, aufgrund ihres internationalen Charakters und der Völkervernetzung, wenn nicht der Ursprung allen Übels, so doch die Geburtsstätte vieler dieser Abscheulichkeiten:
  • Man verlinkt Leute nicht, man tagged/taggt (wie schreibt man das richtig auf Denglisch?) sie.

  • Man stellt keine Fotos, Links, etc. online, man postet.

  • Selbst diejenigen, die Facebook auf Deutsch nutzen, liken die Fotos, Statusmeldungen und comments anderer, was das Zeug hält.

  • Oh, und was mir ein besonderer Dorn in der Seite ist: Selbst diejenigen, die ausschließlich deutschsprachige Freunde haben, schreiben ihre Statusmeldungen/Kommentare auf Englisch, und wenn möglich auch noch im "coolen" Slang - ob diese Äußerungen so überhaupt auf freier Wildbahn vorkommen, ist dabei vollkommen nebensächlich, mal abgesehen davon, dass es gekünstelter wohl fast schon nicht mehr geht. Man verzeihe mir bitte, wenn ich nach dem Vomitoriumsauffangbehelf in der Sitztasche vor mir greife, aber ich frage mich oft: wozu bitte?? Deutsch ist eine mindestens ebensoschöne Sprache und es erschließt sich mir nicht, warum man sich auf eine Art ausdrücken will, die nicht zu jemandem passt? (Wie gesagt, Zitate etc sind daraus ausgenommen.)
Gut, dass Facebook zu derartigen Spielereien verleitet, verstehe ich ja noch - immerhin wird man von anderen Leuten, Amerikanischen soaps und den diversen Medien beeinflusst und es ist auch für mich nicht immer leicht mich zu einer der beiden Sprachen zu bekennen. Aber im realen Leben muss das nicht sein. Nämlich, dass in meinem näheren und weiteren Umfeld, ungeachtet der jeweiligen Personen Bezug (und oft eher Bezuglosigkeit) zum Englischen furchtbar grausliche Interjektionen und Worthybriden auf dem Vormarsch sind:
  • Man betrügt und lügt nicht, man cheatet.

  • Man lästert nicht mehr über andere, man hatet gegen sie.

  • WHAT THE FUCK??? ist eine absolut übliche und allgemein akzeptierte Form, seinem Unmut Luft zu machen. Meistens tut man ebendieses in einem rant.

  • Eine Herausforderung ist keine Herausforderung mehr, sondern eine challenge. Zu einer solchen wird man von anderen Menschen mit dem entsprechenden Verb gechallenged.
  • Louis Vuitton Taschen, Emotionen und Orgasmen werden nicht mehr gefälscht oder vorgetäuscht, sondern lieber gefaked. Manchmal sogar ur!

  • Meine besonderen Lieblinge sind allerdings die supercoolen Angestellten bei Starbucks, wenn sie sich in voller Lautstärke und mit einem wunderhübsch aufgelegten amerikanischen Akzent "One tall soy caramel frappuccino, blended coffee, no whipped cream!" zurufen. Schon öfter musste ich ein Grinsen unterdrücken, wenn der neue Barrista dann mit der Wortkette nicht umgehen konnte und "Mit Schlagobers?" zurückfragte.
...und so weiter. Würde ich mir für diesen Eintrag mehr Zeit nehmen, könnte ich mit Sicherheit noch die einen oder anderen 20 Beispiele anführen, aber zu Demonstrationszwecken sei es hiermit einmal getan.

Der Punkt ist: Es nervt mich. Und es nervt mich noch mehr, dass ich auch selber betroffen bin, denn es ist natürlich nicht immer einfach im Flusse einer angeregten Unterhaltung rechtzeitig das richtige deutsche Wort zu finden, wenn das Englische schneller zur Hand ist und hin und wieder entfährt mir ein Awesome! oder ich like einen Facebookstatus, nur um mich daraufhin zu ärgern, diesem Trend zu unterliegen.
Mir ist freilich durchaus bewusst, dass es die Eingliederung von Fremdwörtern ein konstantes Phänomen ist - man nehme alles Griechische/Lateinische, wie Komposition, Universität, Alkohol, weiters Französisches wie Cousin, Garderobe, Püree.; Slawische, wie Powidl, Kolatsche, Powidlkolatsche, Bramburi... . Sprache ist ja schließlich ein bisschen amöboid und nimmt gerne allerlei Formen und Farben an und ist auch äußeren Einflüssen gegenüber nicht resistent; soll sie ja auch nicht sein. Aber zu viel des Mischens und Rührens ist auch nicht gut, sonst kriegt man statt eines Marmorkuchens indistinkten braunen Gatsch, der weder hell noch schokoladig ist.

Woran ich mich bei allen genannten Minifusionen besonders stoße, ist, dass ich sie erschreckenderweise auch (und fast vor allem) bei Menschen antreffe, die in einer authentischen Situation keinen geraden englischen Satz rausbringen würden. (Und offenbar auch keinen deutschen). Und das stört mich. Ein gepflegtes Zitat - ja gerne. Eine gebildete Sprachspielerei - nur her damit. Aber ein indefiniter Mischmasch aus den Worten, die man halt zufällig als erste parat hat ... nein.

Immerhin ist Sprache nicht nur kraftvolles Mittel zum Zweck, sondern hat auch ästhetische Qualitäten und die Fähigkeit, sich in einer Sprache klar und schön ausdrücken zu können, zeichnet in meinem Werteverständnis einen Menschen nun mal besonders aus. Und wenn Englisch, dann bitte gleich ordentlich und nicht mit deutschen Prä- und Suffixen.

So, Hasspredigt zu Ende. Gehet hin und sprechet sauber und besonnen.

EDIT und P.S.: Dazu sehr passend ein Beitrag der Wise Guys: Denglisch

Wednesday, December 08, 2010

P.S.: The very last tale a.k.a. Bangor revisited

Gut, der Blog liegt schon eine Weile brach da und vermutlich schaut niemand mehr absichtlich hier vorbei. Man sieht förmlich die Wüstenhexen vorbeiblasen.

.... wuschhhhhhh.....

Deshalb ist es an der Zeit ein bisschen "Grabpflege" zu betreiben.

Dies ist ein post-ERASMUS Post, der von den längerfristigen Nachwirkungen eines Auslandssemesters handelt.

Ich war wieder in Bangor. War ja absehbar - man kann mich eben nicht lang von einem Ort fernhalten, der es mir in irgendeiner Form angetan hat. Da sowohl meine railcard als auch meine NUS student card noch bis Februar gültig sind, wäre es Vergeudung eines halben Jahres gewesen, die nicht noch einmal zu verwenden.
(Für etwaige zukünftige Brit-Erasmen, die über meinen Blog gestolpert sind: die Anschaffung einer Railcard ist höchst empfehlenswert, wenn man vorhat das Land zu erkunden und sich dabei der Bahn als Hauptverkehrsmittel bedienen will. Sie kostet um die 26 Pfund und man spart sich mitunter 70% des ursprünglichen Ticketpreises - vorausgesetzt man bucht rechtzeitig.)

Also beschloss ich - kaum, dass das hiesige Studienjahr begonnen hatte - mir gleich wieder eine kurze Auszeit zu nehmen und mir eine Woche Urlaub zu gönnen. Dekadent? Ja, vermutlich. Nach dreifacher Rückversicherung, dass man einem Kommen meinerseits durchaus positiv entgegenblicke, buchte ich meinen Flug und fand mich einige Wochen später bereits in Liverpool wieder. Die Hafenstadt liegt nur 2 Stunden von Bangor entfernt und dennoch war es mir im letzten Semester nicht gelungen, sie mir näher anzusehen. Also gab ich mein Gepäck (diesmal war es ja nicht so viel) am Bahnhof ab und machte mich zu Fuß auf den Weg durch den Sprühregen und die Stadt.

Mein erstes Ziel war die Kathedrale. Ich scheiterte (ohne Stadtplan) und fand statt dessen St. Luke's Church - eine alte Kirche ohne Dach, die jetzt Raum für Kunstausstellungen und Gartenprojekte bietet. Zusätzlich wird sie mit Chorälen elektrisch beschallt. Auch nett.



Auf dem Weg zum Albert Dock kam ich am großen Chinese Gate, dem Eingang zu Liverpools China Town vorbei.


Nun, Albert Dock ist etwas, das ich jedem Besucher der Stadt wärmstens empfehlen kann: ehemalige Warenhäuser (1846 eröffnet) von denen man Güter direkt auf die Schiffe verladen konnte, wurden zu Herbergen diverser kleiner Geschäfte, Cafés, Restaurants und - nicht zu vergessen - großer Museen, wie dem International Slavery Museum, Maritime Museum, Tate Liverpool und der Beatles Story.


Ein typischer Anziehungspunkt für Touristen und britische Familien. Offen, freundlich und belebt - ein Ort an dem man sich wohlfühlt. In britischer Manier bezahlt man für die Museen (bis auf die Beatles Story) kein Eintrittsgeld und so bin ich durch das Schifffahrts- und das Sklavenmuseum geschlendert und konnte (aufgrund von flugbedingter Erschöpfung) die viele, gut präsentierte Information gar nicht recht aufnehmen.

Mein Zeitlimit von drei Stunden verstrich schneller als mir lieb war und schon saß ich im Zug der mich an die Nordwestspitze von Wales bringen sollte - mit Verspätung.

Eigenartiges Gefühl, die Füße wieder auf den Bahnsteig zu setzen, der im letzten halben Jahr so eine zentrale Rolle in meinem Leben hatte, wie sonst vermutlich kein Bahnhof irgendwoanders. Aber ein gutes Gefühl. Als ich die Stufen hinunterschritt, übersah ich beinahe meine beiden Ex-Mitbewohner, die mich herzlichst begrüßten und dann gleich ins Auto verfrachteten, während ich noch mit der Sprachanpassung haderte. (Man sollte nicht glauben, wie schlimm es jedesmal wieder ist, sein Hirn auf /ausschließlich Englisch/ umzustellen - obwohl man es wirklich nicht schlecht kann und es auch im Alltag ständig anwendet). A quarter of an hour later I was comfortably sat in the living room of a house yet unknown to me, cup of tea in my cold hands and surrounded by friends, the pleasure of whose company I hadn't had for almost half a year. I immediately felt I belonged there (in the weird way one can belong to a place far from home.) - It was as though I'd never been gone and the others expressed the same thought.

Rather than going on about the whole week in great detail (I've already said waaaay too much) I'll give a short account of events: Mainly I slept - well, long and basically everywhere they'd left me - but in my conscious hours we managed to do quite a lot of things in comparatively short time:

Sunday (sun day) was like every Welsh Sunday experienced by me: gorgeous! So I proposed going for a walk, and me and Tom set out for Menai Bridge, catching up on all sorts of information and events. When we reached the bridge I had no inclination to walk back yet and suggested walking all the way to Beaumaris (which is about 8 kms from there, if I'm not mistaken). To my surprise Tom agreed and along country lanes and past sheep-specked meadows we walked, until we reached the little coastal town, where fatigue urged us to sit down and hunger inspired us to get a fish&chips take-away. So we did both and enjoyed this genuine British dish at the harbour (and, yes, I must admit - however reluctantly - some vinegar on the chips has absolutely become standard for me). Mmmmh, nice :-).
Although quite tired already, we decided to make our way back on foot as well and found a nice little path through the woods. Soon the wood got denser and the path disappeared, and our sole means of orientation was a low little wall running along the path to our left. When bushes and trees started blocking our way we considered turning back, but as we were both too lazy we just marched on, climbing over tree-trunks, ducking to avoid low branches, hoping that we'd see signs of civilisation soon. About a mile later the wood thinned out and we found ourselves on the path again! Can't be far now! So with lifted spirits we walked on till, suddenly, something white rose to incredible heights at the end of the path: a huge, cast-iron gate. And locked it was, too. Moreover, we were now no longer on a path, but walking right into a garden. To our left was the gate-house. A black-and-white cat jumped down from a low wall. Whoops... A slight feeling of despair crept up inside me and I already envisioned having to climb over the great ornate gate - tearing clothes and all, but this feeling instantly waned when we located a gap in the wall that joined the gate to the house. So with forced nonchalance we passed the house and ambled through the gate and out of the garden. Phew! We were back on the road - high 5! So much for adventure!
About an hour later we collapsed on the sofas in the living room - with a steaming cup of tea.

But actually, I'd wanted to speed up my narration, so here is what else I did:

I browsed the shops and bought all the things I can't get back here (avoiding HMV for major damage to my purse).

I baked Apfelstrudel (complete with vanilla sauce) for the whole house - after all I'd promised to make some last term (and, fortunately, I'd had time in summer to work on my dough-making skills).

Me, Tom and Sam went for a hike that was slightly dangerous but great fun! Our destination would have been Snowdon if we hadn't run out of time, and the path we selected was Crib Goch (the "red ridge"), a knife-edged, rocky ridge sloping steeply to both sides. I was well equipped with my DocMartens (no profile, plus they slip on wet surfaces) and a shoulder bag - yes, yes, I'm well aware that it's usually me who makes fun of these people but I hadn't wanted to bring still more stuff with me - so it was more of an adventure than it would otherwise have been.
up there we climbed

The whole tour involved a lot of climbing and clinging to the rocks, as the wind blew in gusts and kept changing direction, and it was generally cold and wet, so that my fingers went numb soon. Of course it started hailing on the most difficult stretch...

Along that ridge we walked ... er...moved

Unfortunately, we ran out of time and, instead of proceding to the summit, we took a shortcut to the P.Y.G. track that runs parallel to Crib Goch, but on a lower level, and walked back to the car. The descent should turn out to be the trickiest part for me, as the wet, grassy slopes and the soles of my DocMartens proved to be the worst possible combination and my backside made a lot of contact with the former, so that in the end I was wet through and through. Worst was my terror of actually sliding down all the way and colliding with the many large rocks that littered the slope. Would have been painful, I imagine. It took me ages, but I got down in one piece in the end, cheered on by my friends and slightly embarrassed because I'd kept them waiting. (Proper walking boots are just invaluable - lesson learned.)
I was so tired that I fell asleep in the car on the way back.

Other things we did was going out a lot, including a pub quiz to which I contributed two right and one wrong answer and not much else, a pub crawl in Menai Bridge (that actually started as a plan to go and see a jazz concert. Unfortunately, we were a day late...), and watching many, many, many episodes of Scrubs and Friends.

It had been such a great week and it was really great to meet up with my friends once more, so that I felt really sad to leave again, especially as I'd (again) just started to feel "at home" when I had to board the train - with a loooong night at Liverpool airport ahead of me. But that's a story I'm not going to tell...