Wednesday, May 09, 2012

Im Internat

Nach 2 Tagen im Internat bin ich mal kurz in die Stadt geflohen, um ein paar Dinge zu kaufen und natuerlich, um wieder einmal ein Update in die Welt zu schicken.

Montags bin ich ja ins Mahabodhi Centre gezogen. Dafuer habe ich, wie sich herausstellen sollte, einen unguenstigen Zeitpunkt gewaehlt, denn die Feierlichkeiten von Sonntag wurden am Montag in der Schule fortgesetzt und als ich ankam, war in der Veranstaltungshalle gerade eine Zeremonie in Gange. Man zoegerte dennoch nicht und fuehrte mich in die Halle, wo mir hundert Augen folgten, als ich peinlich beruehrt den Mittelgang entlang schritt und schliesslich neben der Schuldirektorin Platz nahm. Lieber waere es mir gewesen, einfach unauffaellig hinten stehen zu bleiben, aber man hat hier ueberall das Beduerfnis die unverdienenden Westler in den Mittelpunkt zu ruecken und ein 'nein' wird nicht akzeptiert.
Nach einer Stunde Unwohlfuehlens und vieler Blicke war die Zeremonie vorbei und Dolma, die Schuldirektorin, die uebrigens mit nur 26 Jahren alles schupft, begann ein Gespraech mit mir. Sie fragte, in welchem Bereich des Zentrums ich gerne mithelfen wuerde und was ich in Oesterreich so taete und als sie hoerte, dass ich dort Englisch unterrichten werde, konnte sie ihre Begeisterung nicht mehr zurueckhalten. Offenbar hatte sie schon lange eine Volontaerin gewollt, die ihr beim Entwerfen und Herstellen von Lernhilfen helfen kann und vielleicht neue Ideen mitbringt. Am naechsten Tag haben wir gleich Plaene geschmiedet und eine Liste an Dingen erstellt, die ich basteln darf - eine sehr ruhige Aufgabe, aber das ist ganz gut so.

Untergebracht bin ich als einzige der Volontaerinnen (es gibt unserer 3) im girls hostel, also dem Maedcheninternat. Es beherbergt etwa 130 Maedels von 4 bis 18 Jahren. Doch zuerst bekam ich mal eine Fuehrung ueber das Gelaende. Yvonne, die deutsche Volontaerin, die fuer 6 Monate bleibt, hat mich zuerst ins Altersheim gefuehrt, wo die alten Menschen zwar kein Wort Englisch koennen, aber das fehlende Gespraech mit vielen Julleys und einem breiten, zahnlosen Laecheln wettmachen. Ein paar von ihnen nehmen meine Hand in beide ihre, neigen den Kopf und fuehren meine Hand an ihre Stirn. Das ist eine Geste von enormem Respekt und sogar jetzt wo ich nur dran denke, muss ich schon Traenen der Ruehrug ersticken. Verbraechte ich dort mehr Zeit, wuerde ich bestimmt nur weinen bei so viel Herzenswaerme!

Ruehrend ging's weiter, denn als naechstes kam die Unterkunft der blinden und sehbehinderten Kinder. 4 Burschen sassen am Gang und spielten Ludo (unser Mensch-aergere-dich-nicht). Sie waren aufgeweckt und lustig drauf und wir plauderten ueber Spiele und uebers Laufen und sie waren ganz begeistert, als ich ihnen vom Vienna Night Run erzaehlte (der ja ein Benefizlauf fuer Blinde ist). Mit dem Versprechen, zum Schachspielen wieder zu kommen - und mir eine Niederlage einzuholen - wanderten Yvonne und ich weiter und besuchten ein blindes Maedchen, das auf seinem Bett sass und las. Faszinierend, so ein Blindenbuch! Ein loser Zettel fiel heraus, und als ich ihn ihr zurueckgab meinte sie, das sei ihr Schmierzettel. Damit hatte sie mich, denn mir waere nie in den Sinn gekommen, dass Blinde auch selber schreiben. Aber natuerlich, warum sollten sie auch nicht? Natuerlich wollte ich dann wissen, wie das geht, und motiviert holte sie sofort ihre Utensilien - ein Raster mit kleinen Mulden und eine dicke Nadel - steckte das Papier in den Raster und stiess mit der Nadel diese kleinen Erhebungen ins Papier. "Hello Kristina, welcome to this hostel" stand dann auf dem Blatt und ich konnte es fuehlen. Ich war hin und weg. Sie erzaehlte mir weiters, dass Buecher und Papier in Ladakh nicht erhaeltlich sind und sie deshalb nur wenige Materialien haben, mit denen sie sparsam sein muessen und ich fasste den Entschluss, mich in Oesterreich mal schlau zu machen und ein paar Dinge her zu senden. (Wenn jemand sich beteiligen mag, freu ich mich!!)

Schliesslich ging's zurueck ins girls hostel und ich wollte mich ans Auspacken machen. Doch so weit kam's nicht. Als ich den Hof betrat schallte es von vielen Seiten "Good afternoon, ma'am! How are you, ma'am?" und zwei der Vierjaehrigen liefen herbei und haengten sich sofort an meine Haende. Dann blickten sie scheu zu mir hoch. Auf einmal - so schnell konnte ich gar nicht schauen - hatte ich an meinen 2 Haenden 3 Ketten von kleinen Maedels, die darauf bestanden, mir das Hostel zu zeigen. Und so wurde ich durchgeschleift, musste mir jedes Zimmer ansehen und alles kommentieren. Im Speisesaal angekommen (mittlerweile hatten wir ein Gefolge von etwa 40 kleinen Maedels) zerrten sie von irgendwo einen Plastiksessel herbei, stellten sich im Kreis auf und begannen, mir Lieder vorzusingen und dazu zu tanzen. Ich kam aus dem Lachen nicht heraus, denn sie gebaerdeten sich dabei so lustig. Und wieder war ich tief beruehrt.

An diesem Tag schienen meine Gefuehle zwischen Traenen und Gelaechter zu polarisieren: dazwischen gab's nichts. Ich war einfach nur ueberwaeltigt von den Eindruecken, die ich bekam.

Irgendwann nach dem Abendessen bekam ich endlich die Chance, mein Zimmer zu beziehen. Es ist gar nicht so unluxurioes und ich hab mein eigenes Bad. Gut, den Zulauf zum Klospuelkasten muss ich staendig auf- und zudrehen, weil der Spuelkasten sonst ueberlaeuft und das heisse Wasser geht auch wieder mal nicht, sodass ich mir halt allabendlich einen Kuebel voll holen gehe, aber was solls. Immerhin ist es nicht so kalt wie im Guest House - oder ich hab mich schon and die Kaelte gewoehnt. (Die Hoehenanpassung hat sich uebrigens komplett vollzogen und unlaengst hat eine Touristin gemeint, ich sei schon viel laenger hier, weil sie mich flotten Schritts durch die Stadt marschieren hat sehen und ihr selber das nach 5 Tagen noch nicht moeglich war. Ich mag meinen Koerper.)

Ja, und jetzt gibt's also Internatsleben fuer mich und das sieht so aus:

5:30 Tagwache mit lauter Musik, sodass man an ein Weiterschlafen nicht mal denken braucht  (die Musik spielt sowieso den ganzen Tag)
6:30 Meditation im Meditationszentrum: das ist grossartig, wenn auch schwieriger als gedacht
7:30 Fruehstueck
dann entweder eigene Dinge oder in den Aktivraum des Kindergartens, wo ich mein Bastellager aufgeschlagen hab
13:20 Mittagessen
danach: weiterbasteln
16:30 zurueck ins Hostel (laenger bleiben ist ausgeschlossen, weil manche der kleinen Maedchen auf mich warten, um mit mir zurueck zu gehen)
bis 20:00 Beschaeftigung der Kleinen oder wieder Zeit fuer mich (eher ersteres: Entkommen fast unmoeglich)
20:00 Abendessen
dann eigene Dinge erledigen, bissl Lesen
22:30 Strom aus. (Wie gut, dass ich eine Stirnlampe dabei hab!)

Und damit ist so ein Tag schnell ausgefuellt! Ich muss mir jetzt ein paar Lieder und Spiele ueberlegen, die ich den kleinen beibringen kann, denn den Nonnen im Nonneninternat habe ich versprochen, heute wieder vorbei zu schauen und ihnen eins beizubringen. Wenn jemand Ideen hat, bitte nur her damit!

Meine groesste Herausforderung im Umgang mit den Maedels ist es, mir ihre Namen zu merken. Erstens sind die sowieso schon komplex, weil ausschliesslich Doppelnamen, zweitens sind die meistens ident und drittens gibt's einfach so viele Kinder! Seit gestern habe ich zu diesem Zweck staendig Block und Stift dabei und notiere mir einfach die fuer mich relevantesten. Die Hoffnung, alle zu lernen, habe ich aufgegeben.
Mit meinem Namen duerften sie aber ebenso Probleme haben, denn taeglich werde ich an die 50x danach gefragt. Ich versuche ausserdem, ihnen beizubringen, dass sie mich ruhig mit Namen anreden koennen, aber ma'am, oder ma'am-le (der Respektspartikel) gehen ihnen scheinbar leichter von der Zunge.
Aber es ist ja noch Zeit.

Das war's fuer heute, bitte schalten Sie wieder zu! Das naechste Update gibt's fruehestens Ende der Woche - eher Anfang naechster. Am Programm steht ein Ausflug ins Nubratal mit Yvonne und Mariana. Bin gespannt....

Sunday, May 06, 2012

Om mani padme hum

Es ist wirklich aergerlich, dass ich hier keine Fotos hochladen kann, denn heute habe ich sehr viele - darunter auch etliche recht gute - gemacht. Denn heute war's so weit: ein Ausflug stand an. Riki und eine Niederlaenderin haben sich zusammengetan und einen Taxifahrer angeheuert, um sich ein bisschen die Gegend und ein paar Kloester anzusehen. Je mehr desto lustiger - und desto guenstiger - und so wurde auch ich gefragt. Man machte sich einen Treffpunkt fuer heute frueh aus, und um halb 10 sollte es losgehen.

Sollte. Doch in Leh fand der alljaehrliche Umzug zu Ehren Buddhas statt und ich war (zur Abwechslung) mal frueh genug auf, um mir das anzusehen. Bei einer Schuessel Tsampaporridge (Gerste, statt Hafer) mit Bananen und Honig beobachtete ich die Vorbereitungen und beendete mein Fruehstueck gerade rechtzeitig, als die Prozession losging. Auf den Gehsteigen tummelten sich Kinder, die durch die verschiedenen Schuluniformen eindeutig in Gruppen zu teilen waren. Auf der Strasse standen grosse, festlich geschmueckte Wagen, auf denen Schueler Szenen aus dem Leben Buddhas darstellten. Das Militaer stand mehr oder weniger unauffaellig an den Ecken und ueberwachte das Getuemmel.
Dann hoerte man leises Summen, das immer lauter wurde: der Gesang der Moenche. Aus einem Tempel an der Strasse stroemten Menschen: zuerst Musiker, dann Frauen in ladakhischer Tracht, schliesslich zwei lange Reihen von Maennern, die riesige Gebetbuecher trugen. Links und rechts am Strassenrand bildeten die Menschen Reihen und verneigten sich, sodass die Maenner sie mit den Gebetbuechern am Kopf beruehren und segnen konnten. Ich stand respektvoll beobachtend (und so unaufdringlich wie moeglich fotografierend) in zweiter Reihe. Da sah einer der Gebetbuchtraeger auf, laechelte mich an und hob auffordernd sein Buch: ich solle in die Reihe treten.
Mir ist bei derartigen Dingen immer unwohl, denn ich will mich als ignorante Westlerin nicht in einheimische Braeuche draengen, aber der Mann schien es zu erwarten, also laechelte ich zurueck und neigte demuetig mein Haupt. Schon war ich gesegnet. Ich blickte wieder auf und trat wieder zurueck, als mich schon der naechste wieder heranbat. Also nahm ich - leicht unsicher - meinen Platz wieder ein und wurde noch 15-20x mit Gebetbuechern gesegnet. Das Ganze ging mir so nahe, dass ich die Traenen zurueckhalten musste. Ein schoener Morgen!

Als ich also ausreichend gesegnet war, verriet mir ein Blick auf meine Uhr, dass ich jetzt fuer meinen kleinen Ausflug bereitstehen sollte und begann, mich Richtung Treffpunkt zu bewegen. Freilich bewegte die gesamte Prozession sich genau dort vorbei, sodass unser Fahrer seinen Jeep nicht annaehernd in die Naehe manoevrieren konnte. Ich hielt erfolglos Ausschau nach Riki und ueberlegte, wie ich mit der Gruppe in Kontakt treten koennte. Ohne Handy ist alles nicht so einfach....
45 Minuten spaeter befand ich, dass sie wohl ohne mich gefahren waren, ging zurueck zu meinem Guest House, um dort meine Jacke zu deponieren (heiss war's heute!) und machte mich dann gleich auf den Weg in die Stadt. Kaum war ich auf die Strasse getreten, sah ich Riki, die gerade in meine Gasse eingebogen war. Sie hatten versucht, in meinem Guest House anzurufen und mich in der Menge zu suchen, allerdings erfolglos. Aber in so einer kleinen Stadt wie Leh findet man einander schon, wenn man genug Zeit hat und halbwegs instinktiv agiert.

Und schon sassen wir im Jeep. Stundenlang wurden wir durch's Tal gefahren und ich staunte ueber die maechtigen Bergmassive zu beiden Seiten, den glitzernden, tuerkisen Indus, die wenigen gruenen Oasen, die immer wieder unvermutet nach einer Serpentine auftauchten und die Marillenhaine, die gerade in Bluete stehen.
3 buddhistische Kloester standen am Programm: Likir, Alchi und Rizong. Letzteres war eindeutig das Spannendste, was nicht zuletzt an den sehr abenteuerlichen Strassen lag. Enge einspurige Serpentinen winden sich die Bergflanke entlang und man will gar nicht in Betracht ziehen, dass einem jemand entgegenkommen koennte, denn Ausweichstellen hab ich wenig gesehen und rechts ging's - natuerlich unabgesichtert - steil hinab. Zuruecklehnen und nicht nachdenken ist die Devise.
Schliesslich taucht nach einer Kurve, hinter einem Bergvorsprung ein Kloster auf: irgendwo im nirgendwo, versteckt in den Bergen.
Ein junger buddhistischer Moench - natuerlich ganz in rot gekleidet - sperrt fuer uns den Tempel auf. Wir ziehen unsere Schuhe aus und buecken uns ehrfuerchtig unterm niedrigen Tuerrahmen durch und bestaunen die diversen Buddhastatuen und die Wandbemalungen, die alle moeglichen Formen Buddhas, Zornesgoetter und allerhand andere Darstellungen praesentieren.
Im 2. Tempel taut der junge Moench dann auf (wenn auch nur in seiner Freundlichkeit, denn in Wirklichkeit war er schwer verschnupft). Ich versuchte gerade, aus den Wandmalereien die Geschichte des Buddha zu lernen und offenbar war mein Scheitern sehr offenkundig. Der Moench trat an mich heran und begann, mir in sehr schwer verstaendlichem Englisch die Fresken zu erklaeren: von der Geburt Buddhas, ueber die Belehrung seiner 5 Schueler und seinen Aufstieg in den Himmel, bis zu seinem Tod. Da wir alle drei sehr viel Interesse zeigten, machte er gleich munter weiter und erzaehlte uns noch allerhand anderes ueber das Kloster und den Buddhismus generell. Das Thema ist so komplex, dass ich nicht mal beginnen kann, Dinge wirklich zu verstehen.
Schliesslich bedankten wir uns, zogen unsere Schuhe wieder an und machten uns zum Aufbruch bereit, als ein anderer Moench von einer tiefergelegenen Terrasse zu uns heraufwinkte

"Come, come! Have some butter tea!".

Ich war gleich Feuer und Flamme und brauchte nicht viele Worte, um auch meine Reisebegleiterinnen zu ueberzeugen, und so traten wir in den karg eingerichteten Speiseraum. An einer Seite der Wand standen vor Teppichen niedrige Tischchen. Der Moench deutete uns, uns zu setzen und unser Fuehrer brachte gleich hochmotiviert einen Teller Kekse, eine Kanne Tee und ein Holzgefaess mit Tsampa (Gerstenmehl). Die Moenche hatten ihren Spass uns dabei zuzusehen, als wir ueberlegten, was man wohl mit dem Mehl macht. Ich nahm zoegernd den Loeffel und kippte mir ein bisschen Mehl in den Tee und sah den Moench fragend an. Er bekam einen Lachanfall, meinte, ja, so koenne man es auch machen, aber eigentlich gaebe man sich ein bisschen Mehl auf die Hand, das man dann ableckt, bevor man Tee nachtrinkt (also nach Tequilaprinzip). Sehr nahrhaft, die Sache, vor allem der Buttertee. Buttertee ist uebrigens Schwarztee, in dem Butter und Salz verruehrt sind. Klingt grausig, schmeckt aber nicht schlecht. Zusammen mit Tsampa hat man beinahe eine vollwertige Nahrung vor sich - ein Fruehstueck. Ich werde dennoch jetzt nicht zur Butterteetrinkerin, doch das naechste Angebot werde ich natuerlich auch nicht ausschlagen. Leider konnten wir nicht lange bei den lustigen Moenchen verweilen, denn es war ein weiter Weg nach Leh. Also setzten wir uns wieder ins Auto...

Nach diesem ereignisreichen, segensreichen Tag sind wir vollfertig und mit vielen Fotos im Gepaeck wieder in Leh angekommen. Jetzt ruft der Schlafsack, denn morgen geht's spannend weiter....

P.S.: Om mani padme hum ist ein buddhistisches Mantra, das u.a. auf den bunten Gebetsfahnen, die hier ueberall wehen, geschrieben steht. Ausserdem wurde das bei der Prozession von den jungen Moenchen gesungen und seither bekomm ich's nicht aus dem Kopf.

Friday, May 04, 2012

Getting by on a Smile

Ein Laecheln oeffnet Herzen und Tueren

Nach diesem Motto lebe ich momentan und laechle und gruesse froehlich vor mich hin. Meist wird sofort zurueckgelaechelt und nicht selten beginnt so ein Gespraech. Auf diese Weise habe ich nun schon ein paar Leute kennengelernt und von ihnen viel Nuetzliches erfahren:
Ish, der charmante, witzige Haendler aus Kashmir, hat mir beispielsweise bei zwei waermenden Tassen Tee einiges ueber Leh erzaehlt, sowie mich in die Pashminakunde eingeweiht. Ich kann jetzt billige Mischungen von reinen, hochwertigen Stoffen unterscheiden.
Louvon, pensionierter Franzose, der sich seit 15 Jahren jeweils fuer mehrere Monate in der Gegend aufhaelt, hat mir allerlei Tipps zu Ausfluegen und Trecks gegeben, die ich mit Sicherheit gar nicht alle unterbringen kann. Ausserdem hat er mir erzaehlt, dass die Bauern momentan pfluegen und dabei ihren Dzos (Kreuzung aus Yak und Rind) Lieder vorsingen, um diese zu motivieren. Das will ich sehen!
Mit Ricki, Kompatriotin aus Oberoesterreich, der ich heute ueber den Weg gelaufen bin, habe ich heute schon ein paar Reiseerfahrungen ausgetauscht. Morgen werde ich sie zum Mittagessen treffen und dann mit ihr die Stadt noch weiter erkunden, denn allzu viel habe ich vor lauter Ruhen und Trinken noch nicht geschafft.

Die Leute hier sind generell extrem warmherzig und fuersorglich. Staendig fragen sie mich, ob ich eh ausgeruht genug bin, ob ich eh schon genug getrunken hab, und wenn nicht moege ich das auf der Stelle tun!
Der Besitzer meines Guest House hat mir gestern einen Kuebel heisses Wasser hochgetragen, mitsamt einer Waermeflasche, auf dass ich nicht erfriere. Die Warmwassersituation habe ich immer noch nicht durchschaut. Bis jetzt halte ich es fast fuer ein Geruecht, dass es welches gibt, aber solange man einen Kuebel Heisswasser haben kann, bin ich schon gluecklich. Die Waermflasche hat sich naechtens uebrigens als Lebensretter erwiesen, denn obwohl ich wie eine Raupe im Kokon in meinen Schlafsack gezurrt und zusaetzlich noch mit 3 dicken Decken bedeckt war, waere mir ohne Waermflasche kalt geworden. Gepriesen sei der Mensch, dem wir diese Erfindung verdanken!
Nach einer eher durchwachten Nacht, die ich mit der Lektuere von "Die Logik des Gluecks" und vielen, vielen Gedanken zu Glueck, Philosophie und Religion verbracht habe, wurde ich durch Klopfen geweckt. Offenbar war ich nach meiner abenteuerlichen, morgendlichen Haarwaesche (ja, die Waermflasche hatte auch hier ihren fixen Part) eingeschlafen und mein Gastgeber - besorgt, weil er mich den ganzen Morgen nicht gesehen hatte - klopfte an meine Tuer, um sicherzugehen, dass es mir gut ging. Er versorgte mich dann auch mit einer Flasche Trinkwassers und so zog ich los. Es sollte ein wichtiger, wegweisender Tag werden...

Ich pilgerte zum 5. Mal zu einem gewissen Reisebuero, wo ich in der oesterreichischen Betreiberin eine Ansprechperson erhoffte, und fand es zum 5. Mal verschlossen vor. Mittlerweile weiss ich aber ein bisschen, wie das Leben hier funktioniert, also ging ich zur 10m entfernten German Bakery (nur eine von vielen) und richtete eine Frage an die Schar der zeitunglesenden und teetrinkenden Ladakhis. Ob sie wuessten, wann das Reisebuero aufsperrt, ich haette ein paar Fragen. Sofort sprang ein junger Ladakhi auf, sperrte mir die Tuer auf und stellte sich freundlich laechelnd diesen Fragen.
Ob man wohl im Mahabodhi Centre - einer buddhistischen Klosteranlage mit Schule, Krankenhaus, Altenheim und Schule fuer blinde Kinder - unweit von Leh als Volontaer arbeiten koenne? Denn das wuerde mich interessieren. Es war meine grosse Hoffnung, dort unterzukommen, denn das Konzept der Anlage faszinierte mich: die Kombination aus Bildung fuer arme Kinder, Fuersorge fuer die Alten und buddhistischer Lehre und Meditation sprechen an. Die Naehe zu Leh und damit dem 'staedtischen' Leben machen es zusaetzlich attraktiv. Klang perfekt, das wollte ich, und im Gedenken an meinen Blogeintrag weiter unten (Be persistent) hatte ich schon alle mir begegnenden Menschen mit Fragen dazu geloechert.
Dieses Mal sollte die ins Blaue geschossene Frage genau ins Schwarze treffen: Der junge Mann hatte selber dort jahrelang gearbeitet und rief sofort fuer mich dort an, um sich zu erkundigen. Was fuer ein gluecklicher Tag, stellte sich doch weiters heraus, dass er am Nachmittag sowieso hinfahren musste! Er bot mir an, mich gleich mitzunehmen, damit ich mit dem verantwortlichen Moench sprechen kann.
Gesagt, getan - zwei Stunden spaeter sass ich einem laechelnden, rot gekleideten Moench gegenueber und wir unterhielten uns ueber den Bildungsstandard in Ladakh, female empowerment, und Moeglichkeiten fuer meine Person, einen kleinen Beitrag zu leisten. Das Resultat dieser Begegnung: Kommenden Montag werde ich mein Quartier dorthin verlegen. Ich werde dort aller Vorraussicht nach Abendunterricht geben und Kinder betreuen und, wenn ich so will, generell anfallende Aufgaben erledigen. Eine davon koennte die Edition eines Magazins/ einer Infobroschuere sein, also sehr spannend!

Weiters habe ich vor, das ebendort angebotene Meditationstraining in Anspruch zu nehmen, denn meine derzeitige Lektuere ("Die Logik des Gluecks", das ich waermstens empfehle), in Kombination mit der Ausstrahlung dieses ganzen Landes an sich inspirieren mich dazu und ich will das Leben hier mit allen Sinnen erfassen!

Und so laechle ich und das Gefuehl des Alleinseins ist schon fast verschwunden, denn stets findet sich schnell jemand zum Teetrinken oder zum Plaudern. Denn Plaudern ist mein wichtigster Zeitvertreib, denn jeder hat eine Geschichte zu erzaehlen und von jedem kann ich lernen! Und um zu lernen bin ich gekommen.

Thursday, May 03, 2012

Le(h)benszeichen

So...nachdem ich (vermutlich verbotenerweise) in diesem Internetcafe Google Chrome installiert habe, wird mir der Zutritt zu meinem Blog auch nicht mehr verweigert und vielleicht kann ich diesen Beitrag ohne einen zweiten Stromausfall zu Ende bringen.

Ich bin jetzt in Leh.

Der Flug nach Delhi war lang, aber das Essen gut und nachdem ich 3x unterschiedliche Ausschnitte von "Hugo" gesehen habe, kenn ich den Film wohl. Weiters ist mein bescheidener Hausrat um 2 Plastikloeffel, Salz und Pfeffer und ein Stueck Seife gewachsen. Man nimmt halt, was man kriegen kann - wer weisz, was noch kommt.

Delhi: Man verlaesst das Flugzeug und das Ausbleiben von Fusstrittgeraeuschen macht einen sofort darauf aufmerksam, dass man eine ehemalige britische Kolonie betritt: Teppich in flaechendeckender, tonschluckender Dichte. Die Lounge ist nicht anders: neben WHSmith und M&S gibt's auch mehrere Costa Coffees und natuerlich konnte ich nicht widerstehen. Schmeckt anders als im UK - duenner - aber gut.

Der Anschlussflug nach Leh fruehmorgens war ein Wahnsinn! Man kann das mit Worten beinahe nicht beschreiben, aber ich werde es versuchen.
Das Flugzeug startet. Im Osten beginnt's zu daemmern. Ein Nebelteppich ueberzieht das noch dunkle Land. Nach etwa 20 Minuten lassen sich unter dem Nebelteppich Bergspitzen erahnen - fast wie fluechtige Walflossen im Ozean: man ist sich nicht sicher, ob man sie wirklich sieht. Das muss das Himalaya sein.
Dann, auf einmal ist der Nebel weg. Die Sonne hat sich so weit erhoben, dass sie die schneeweissen Gipfel des Himalaya in tiefes Morgenrot taucht, das laaaaaaangsam immer heller wird, bis alles weisz leuchtet. Man kann die Augen gar nicht weit genug aufreissen, um diese Bilder auch nur annaehernd in der Intensitaet zu erfassen, in der sie sich praesentieren. Es ist schlichtwegs UEBERWAELTIGEND! (verdammt, hat diese Sprache viele Umlaute!) Ich komme mit dem Schauen nicht mehr nach und mein Hirn versucht klaeglich die Eindruecke irgendwie zu verarbeiten und in Sprache zu konvertieren, aber scheitert klaeglich.
Ich bin kein Mensch mehr. Ich bin ein fleischgewordenes Playmobilmaennchen, das in einem Spielzeugflugzeug ueber ein riesiges Modell des Bergmassivs gleitet, denn genauso und nicht anders wirkt es. Unecht.
Auf einmal bremst der Flieger und taucht in ein riesiges Tal, dass nach der Gipfelwueste sich auf einmal auftut. Es zoomt sich auf diesen Teil des Modells ein. Die Haeuschen, die Baeume materialisieren - alle Teil dieses Spielzeugmodells und keinesfalls echt. Irgendwo sitzt bestimmt der Eisenbahnfanatiker und drueckt ein paar Knoepfe. Durch's Tal, zwischen den Spielzeugbergen, schlaengelt sich breit der Fluss Indus.
2 grosze Schleifen muss der Pilot ziehen, damit er das Flugzeug runterbringen kann und so bekommen wir tolle Panoramen. Alles sieht komplett anders aus, als ich es mir vorgestellt hatte. Da auf einmal leuchtet das Tal im schoensten Morgenlicht: der Fluss glitzert, vereinzelte Nebelschwaden liegen auf den angegruenten Huegeln und links und rechts davon maechtige, angezuckerte Bergmassive! Wow.
Und meine Kamera befindet sich im Gepaeck. Tja. Fail.

Leh hat wohl den allerkleinsten Flughafen, den ich je gesehen habe und das ca. 10m lange Gepaecksband ist vermutlich eher zum Angeben da, als um einen Zweck zu erfuellen. Schnell bin ich wieder drauszen und habe meinen persoenlichen, grossartigen Taxifahrer gefunden, der mir auch gleich seine Nummer aufschreibt, sollte ich wieder mal wohin wollen. An willkuerlich in den teilasphaltierten Strassen herumstehenden Yaks und halbwilden herumliegenden Hunden vorbei, kutschiert er mich in mein Guest House.

Mein Quartier ist einfach. Es verfuegt nur sporadisch ueber Warmwasser und Strom (angeblich gibt's beides) - aber es hat einen Fernseher. Der herzige alte Mann, der mich empfaengt, bringt mir sofort eine Tasse heissen, suessen Schwarztee: genau das Richtige. 5 Minuten spaeter klopft er nochmal und drueckt mir eine brennheisze Waermflasche in die Hand. Die ruft bei mir sogleich Begeisterungsstuerme hervor! Es hat naemlich heisse 0 Grad und trotz Schlafsack und 2 dicken Decken ist mir erst durch die Waermflasche wohlig warm. Er verschreibt mir weiterhin sofort 2 Stunden Ruhe, um mich an die Hoehenluft zu gewoehnen. Die ist im Uebrigen kein Dreck: Ich bewege mich im Schneckentempo - langsamer als alle anderen und wie in Trance.

Nach 3 Stunden Ruhe und der taktischen Verwendung des Waermflaschenwassers zur Koerperwaesche (man wird halt erfinderisch) und der korrekten Inbetriebnahme der Toilette (jaja, darueber schreib ich bestimmt noch einen eigenen Beitrag) sitz ich jetzt hier. Mein Magen und meine leere Trinkflasche beordern mich allerdings raus an die Sonne und ich werde mir jetzt mal diese Stadt in Ruhe ansehen gehen und Eindruecke absorbieren wie ein Schwamm.

Morgen mehr!


Sunday, April 29, 2012

Überm Himalaya

Dieser Beitrag läutet wieder einmal eine Serie an Abenteuer-/Reisebeiträgen ein. Das vierte Mal jetzt schon, wenn ich so überlege. Nach zwei spannenden Sommern als Serviersklavin auf den Kanalinseln (2008+2009) und einem halben Jahr in Wales exilierter Studentin (2010) habe ich diesmal einen ebenso abgelegenen Ort als Refugium gewählt, und zwar die nordindische Region Ladakh.


Mit 3.500m Seehöhe die höchst gelegene besiedelte Region der Erde.
Die Hauptstadt Leh beherbergt in etwa 27.500 Menschen.
Die Straßen sind schlecht, die Gegend ist dünn besiedelt und karg.
Buddhismus ist die Hauptreligion.
Außerdem gibt es Yaks, Wildesel und massenhaft Ziegen. Und Buttertee. (Den stell ich mir grausig vor.)

Mehr weiß ich noch nicht.


Warum fahre ich gerade dorthin?
Gute Frage. Mittlerweile gebe ich zur Standardantwort, dass Nordindien ein sicheres Reiseland ist, auch für allein reisende Frauen. Außerdem braucht man nicht übermäßig viele Impfungen und es gibt kein arges Menschengewusel, das mich abschrecken könnte. Die Gegend ist noch dazu ähnlich wie Nepal oder Tibet, und dort wollte ich schon länger hin, also Ladakh.

Wie lange bleibe ich dort?
9 Wochen.

Was tu ich dort? 
Man weiß es nicht. Mein Ziel war, Volontärarbeit zu leisten. Unterrichtenderweise. Dieser Plan ist - in der Vorplanung - genausowenig aufgegangen, wie meine Schnittlauchsamen am Küchenfenster, also folge ich Plan B: hinfahren und schauen, was sich so ergibt. Wie befreiend und gleichzeitig furchteinflößend!

Und damit wisst ihr jetzt circa genauso viel wie ich. So schlecht vorbereitet bin ich wohl noch nie auf Reisen gegangen...

In drei Tagen geht es jedenfalls los und um dort der antizipierten Einsamkeit entgegen zu wirken und mir Erinnerungen gleich mal elektronisch abzusichern, beabsichtige ich, wöchentlich (oder zumindest im Zweiwochentakt) einen Blogeintrag in die virtuelle Welt und damit auch meine Heimat zu feuern.

Bei Interesse gilt wie immer: lest hier mit! Und wenn ihr mir eine Freude machen wollt, kommentiert fleißig.

Ansonsten, dschulee - und bis bald!

Tuesday, April 17, 2012

Lesson of the Day: be persistent

...and you'll get what you want / need.

Like a library book that's been taken out for months, even though it's supposed not to be.

Or the contact details of a person, even though you're actually not legally entitled to have access to them.

Or, basically, probably just about anything that appears to be not available. There's always a way.

And usually all it takes is a bit of courage, wit and mostly, well applied charm.

Always works. And as I seem to be relearning this vital fact periodically, I thought I might as well set it in stone. Or scribble it on my less durable blog. In case anyone needs a bit of wisdom or just to remind myself in times of need.

Monday, April 16, 2012

Die Sache mit der Stange

Um wieder mal den Zeigefinger auf eine Offensichtlichkeit zu richten: die werten Radeln und die Frauen.

Wie jedes Kind, das zu groß für sein Kinderfahrrad geworden ist, weiß, lassen sich Fahrräder in zwei große Kategorien teilen: Damenfahrräder und Herrenfahrräder (neben den Sonderklassen der Einräder, Elektroräder und Rikschas. Doch die sind uns jetzt egal). Der Unterschied zwischen einem Damen- und Herrenrad beläuft sich in der Regel auf das Vorhandensein oder Fehlen, bzw. die Höhe der eingezogenen Querstange. Da dies ein schlecht recherchierter Beitrag ist, behaupte ich jetzt einmal ohne Beweise, dass die Funktion der Querstange eine stabilisierende war/ist, damit das Radl nicht zerfällt oder unnötigen Zug-, Druck- und sonstigen Spannungen ausgesetzt ist. Ich behaupte weiters, dass die Stange früher nicht Anstoß erregte, da mit Rädern ohnehin nur Männer (d.h. Hosenträger) fuhren. Dann kam die Zeit, da auch Frauen (die per definitionem Rock trugen) dieses Transportmittel in Anspruch nehmen wollten und prompt ließ man sich eine Möglichkeit einfallen, die am Fahrrad wirkenden Kräfte umzulenken: geht ja schließlich einfacher, als die Mode zu ändern. So erleichterte das niedriger angesetzte Oberrohr der berockten Frau den Aufstieg und ermöglichte ihr einen komfortablen Sitz, ohne, dass der Rock sich über eine Stange spannen musste und dabei vielleicht gar unzüchtig die Beine entblößte. So weit, so nachvollziehbar.



Nicht nachvollziehbar ist mir hingegen, warum im Zeitalter der Jeans und Leggings immer noch oft angenommen wird, dass Frauen - und ich spreche speziell von jungen, dynamischen, größtenteils hosentragenden Studentinnen - ein Damenrad wünschen und mit einem Herrenrad nicht umgehen könnten. So beklagte sich vor kurzem eine radsuchende Freundin, dass sie bei einem Gebrauchthändler mit Bedauern informiert worden sei, dass er keine Damenfahrräder habe. Als habe sie nicht sowieso ein Männerfahrrad gewollt, da sie kein Stangenproblem hat. Ebenso erstaunte mich, dass mein Vater, der mir sein (frühpensioniertes) Fahrrad nach langem Bitten und Betteln endlich überwidmete, zu bedenken gab, dass es sich dabei ja um ein Männerfahrrad handle und anzweifelte, dass ich mit der ungewohnten Stange zurechtkäme. Er fragte nach Inbetriebnahme durch mich sogar noch zweimal nach, ob ich mit dem Männerrad eh klarkäme. Wie nett, dass man so umsorgt wird.

Angesichts der Tatsache jedoch, dass wir Frauen für gewöhnlich besser gedehnt sind als Männer, mutet es beinahe seltsam an, dass wir ein Problem damit hätten, das Bein hoch über das Rad schwingen müssen, um aufzusitzen. Sollte das nicht eigentlich den pauschal ungedehnteren Männern schwerer fallen? Für alle Frauen, denen das Schwingen des Beins als Zumutung erscheint, oder die so flexibel nicht (mehr) sind, gibt es ja schließlich immer noch das gute alte Damenrad.

Ich persönlich orte in der Stange jedoch kein Problem, und wie es scheint tut es sonst auch niemand meiner weiblichen Freunde. Nur diverse Männer müssen sich scheinbar noch damit anfreunden, dass das Rad mit der Stange durchaus als Unisexmodell genutzt werden kann.

Übrigens: selbst mit Rock lässt sich ein Männerfahrrad fahren. Immerhin sind ja die Röcke nicht mehr zwangsweise bodenlang und den Knöchel (oder gar das Knie) zu entblößen wird seit längerem nicht mehr als unzüchtig angesehen.

Saturday, April 07, 2012

To re-kindle my love for reading...

... was never necessary and probably never will be. However:

Seit einer Woche hat sich mein Hausstand um ein neues Mitglied vergrößert und um dieses Kindle gleich beim Namen zu nennen und jedes weitere, verlockende blöde Wortspiel gleich im Keime zu ersticken, beginne ich mit einer Defensio.

NIE, hatte ich gedacht, werde ich dem guten alten Papierbuch den Rücken kehren! Nie werde ich mich stattdessen einem elektronischen Teil zuwenden, das erstens Strom braucht, zweitens weniger widerstandsfähig ist (Wasser, Runterfallen, Transport,..), und drittens nicht unbedingt billig ist! Und das - ganz wichtig - das Regal nicht mit schön anzuschauenden und dem Betrachter Bewunderung entreißenden Bücherrücken zu füllen vermag!

Doch tempora mutantur - die Zeiten ändern sich - und bringen mit sich in greifbare Nähe eine gewisse Diplomprüfung. Der letzte große Berg, den es zu erklimmen gilt, bevor man sich von dessen steiler Rückseite ins vordefinierte Berufsleben stürzt.
Wer mich kennt weiß, dass ich Herausforderungen und Prüfungen mir gerne zu meinen Gunsten drehe. Was heißt, dass ich sie dazu nutze, mich mit den Themen zu beschäftigen, für die ich während des Studiums zwar Interesse, aber nicht genügend Motivation und Zeit aufbringen konnte. Sei das ein lateinisches Werk über die Landwirtschaft, oder ein ganzer Haufen von Restoration Comedies und Industrial Novels, in die ich mich gerne schon eher vertieft hätte. Alles spannend, alles Prüfungsstoff, und - für diesen Beitrag wichtig: Alles so alt, dass kein Copyright mehr drauf liegt und man sich die Texte gratis und legal aus dem Netz saugen kann!

Also schaffte ich mir nach reiflicher Überlegung und Abwägen aller Vor- und Nachteile einen Ebook reader an. Ein Kindle halt. Lud alle Werke zuerst runter und dann drauf und begann zu lesen...


  • 2 Tage hat es gedauert, bis ich wirklich verstanden hatte, dass mein Kindle keinen Touchscreen hat und drauftippen nur Fingerabdrücke produziert
  • 1 Tag lang las ich an einem Buch, in der Annahne, dass es sich um "Mary Barton" handle, nur um am nächsten Tag festzustellen, dass ich in Wahrheit mit "Sybil" begonnen hatte: Dinge, die einem normalerweise nicht passieren, da Bücher ja Cover haben - beim Kindle kann man das offenbar schnell übersehen.


Im Großen und Ganzen bin ich jedoch sehr zufrieden:

  • Das Ding liegt gut in der Hand und ist einfach zu bedienen
  • Die Schriftgröße ist ad libitum verstellbar und man muss sich nicht mehr mit der fuzeligen, eng gedruckten und teilweise fehlerhaften Schrift der Penguin Books herumärgern
  • Man kann Passagen digital unterstreichen und sich Notizen dazu machen, eine für mich absolut wichtige Funktion, wenn die Auseinandersetzung mit dem Buch für Prüfungszwecke mehr in die Tiefe gehen muss und ich außerdem gewisse Passagen schnell wieder finden mag. Das Erstellen von Notizen ist zwar etwas mühsam, da man auf dem Keyboard nicht tippen kann, sondern mit den Pfeiltasten navigiert, aber die Geduld dafür kann ich gerade noch aufwenden.
  • Auch zu erwähnen ist das integrierte Oxford Dictionary of English, das mir für ein unbekanntes Wort sofort eine Definition gibt, wenn ich den Cursor hinbewege. Wie toll wäre es, wenn jedes Buch das könnte! Vorhalten kann ich dem nur, dass es viele der Wörter, die ich wissen will, selber nicht kennt...
  • Das eInk Display, das die Optik einer Buchseite emuliert, ist tatsächlich weitaus angenehmer für die Augen als ein LDC Display und lässt mich länger durchhalten. Dass es dadurch freilich auch nicht von selbst leuchtet, stört mich nicht - tut ein Buch ja auch nicht.
  • Ein weiterer Vorteil den Papierwerken gegenüber ist, dass das Kindle nicht von alleine zufällt. Das mag lächerlich klingen, aber so oft, wie ich Bücher ablege, oder beim Lesen absetze und mir vergeblich wünsche, ich hätte ein Lesezeichen bei der Hand, um die Stelle auch wieder zu finden, ist diese Eigenschaft eine durchaus angenehme.
  • Spompanadeln wie Abspielbarkeit von Musik, wie manche eReader sie anbieten, sind bei meinem Gerät weder gegeben, noch gewünscht. Und diese Einfachheit spricht an.

(die Spiegelung wirkt auf dem Foto wegen des Winkels schlimmer als sie ist)

Ich bin also begeisterter, als ich es selbst für möglich hielt, würde aber dennoch nie dem echten Buche abschwören. Vor allem bei den Werken, für die es zu bezahlen gilt, sehe ich keine Vorzüge des Kindles gegenüber der haptisch ansprechenderen Papierversion, denn unverständlicherweise ist die elektronische Version meist um einen lächerlichen Euro billiger und um den Preis hab ich lieber was in der Hand. Außerdem muss man ja an die Regaloptik denken und solange ich Platz finde, wird dieses Möbelstück beladen.

Sollten ebooks jedoch irgendwann so günstig werden, dass man nicht beinahe das gleiche Geld zahlt, als für die Druckversion, dann werde ich bereit sein, meine Einstellung zu überdenken. Bis dahin bleibt der/die/das Kindle mein Klassikerarchiv.

Friday, March 30, 2012

Slam it!

In einer Stadt wie Wien gibt es ja zahlreiche und manigfaltige Möglichkeiten der Abendgestaltung. Viele wurden von mir schon getestet oder werden regelmäßig beansprucht, doch hin und wieder ergeben sich noch Neuheiten. Letzten Mittwoch, beispielsweise, als ich zu einem Poetry Slam mitgenommen wurde.

Ich hatte eine sehr vage Idee davon, was mich erwarten würde, und meine Stimmung schwankte zwischen freudig-erwartungsvoll und auf-unbeeindruckend-eingestellt.
Eingetroffen, hingesetzt und mit einem Glas weißen Spritzers zur fortlaufenden Hydration versorgt, ließ ich erste Eindrücke wirken und lernte gleich mal im Detail, was geschehen würde:
Ein Poetry Slam ist eine sehr informelle Veranstaltung: ein buntgemischtes, sich durch wenig Schüchternheit und viel Enthusiasmus (mit fortschreitendem Abend und steigendem Alkoholkonsum ebenso steigend) auszeichnendes Publikum, das sich gerne an sprachlichen Perlen ergötzt.


Poeten und Menschen, die sich als solche sehen, dürfen sich anmelden, eine Reihenfolge wird gelost und die Vorträger bekommen dann 5 Minuten, in welchen sie auf einer kleinen Bühne einen (bei entsprechender Kürze auch mehrere) selbstgeschriebenen Text zum Besten geben dürfen. Ziel ist es, die Gunst des Publikums zu gewinnen. Da von Applaus allein noch niemand satt geworden ist, werden freiwillige Spenden in einem Topf (oder nachhaltigen Stoffsackerl) gesammelt, die der Sieger/die Siegerin des Abends mit nach Hause nehmen darf. Um jene(n) zu bestimmen, werden an eine handvoll Freiwilliger Jurykarten verteilt, anhand denen eine Wertung erstellt wird. Die höchste Summe der Punktezahlen siegt.

So viel wusste ich. Etwas eingeschüchtert war ich jedoch, da ich irgendwie halb erwartete, als Publikumsteil miteinbezogen zu werden und direkt angesprochen zu werden - eine Sorge, die sich als unbegründet herausstellen sollte.

Der erste Poet - das ungewertete Opferlamm "zur Eichung des Publikums" - trat auf und trug in klarem, deutschem Hochdeutsch einen Text über Liebe, Abschied, Sehnsucht und Selbstmord vor. Kontrastär war dazu der erste echte Kandidat, der mit einer sehr wienerischen Färbung sprach, was sich mehr als erwartet auf die Wirkung des Gedichts schlug. Und so ging's dahin. Das meiste war sozialkritisch, vieles ist selbstironisch, anderes komplett trivial. Mit jedem vorgetragenen Text taute das Publikum (inklusive mir) mehr auf, lachte, klatschte, kommentiere und so herrschte bald freundlich-entspannte Wohnzimmeratmosphäre.

Ich entdeckte ganz neu, was für ein genial wirkungsvolles Kunstmittel Sprache ist, wenn sie gut eingesetzt wird. Wie Stimme, Tonlage, Sprechtempo, Mimik und Gestik alle einen klein wirkenden, aber doch ungemein bedeutenden Beitrag zum Gesamtkunstwerk leisten. Wie man mit diesen wenigen Mitteln doch einen ungemeinen Eindruck und tolle Effekte erziehlen kann; Stampfen, Wortrhythmik, Schreien, Flüstern, Walgesänge, ein Hauch Desperation - all das fügt dem verbalen Bild eine neue Farbe hinzu). Bald war ich reingesaugt in dieses auditive Erlebniss und so manches Gedicht bahnte sich seinen Weg tiefer unter meine Haut, als ich für möglich gehalten hätte. Besonders das Siegergedicht über Krieg in Bosnien ging mir nahe - vielleicht deshalb, weil es einen ernsten Kontrast zu den anderen, leichteren Themen bildete.

Fazit: Ich fühlte mich besser unterhalten, als bei den meisten Theateraufführungen und bin wieder verstärkt auf den Geschmack für Sprache gekommen. Ich habe gelernt, dass geschriebene Sprache eindimensional ist - oder vielmehr, dass Sprache ungleich an Wirkung gewinnt, wenn sie gesprochen wird. Und dass hierbei, dialektale Färbung eine größere Rolle spielt, als ich gedacht hätte.
Kurz: ich war richtig fasziniert und werde mein Abendausfülloptionsrepertoire gerne auch in Hinkunft um dieses Juwel bereichern. Und eventuell die eine oder andere geneigte Person mitschleppen und versuchen, mit meiner Begeisterung zu infizieren. Impft euch rechtzeitig!

Monday, March 26, 2012

signing off

So mancher hat sich vielleicht schon gewundert, dass es jetzt schon lang keinen Beitrag mehr zu meinem, im letzten Monat groß angekündigten Experiment mit Onlinevermittlungsseiten gegeben hat. Darum hier wieder ein Beitrag, der in seinem Charakter eher einem etwas vorzeitigen Nachtrag entspricht.

Warum? Wie nicht schwer zu erraten ist, habe ich längst das Interesse verloren. Neuheits- und Abenteuerwert der Seite nehmen direkt proportional zu meiner Motivation, ständig mit anderen und vor allem gleichzeitig mit mehreren Leuten zu kommunizieren, ab und nähern sich 0 an. [Mathematisch beschrieben und als Kurve veranschaulicht wäre das, denk ich, f(x) = 1/x). Nicht, dass es relevant wär...]

In meinem Beitrag vom 20. Februar habe ich schon lang und erschöpfend erläutert, was genau
mich an diesen Plattformen stört, nämlich dass man nach einer Passform sucht, wie Aschenputtels böse Stiefschwestern sie in dem falschen Schuh nicht finden und, dass "normale" Kommunikation (i.e. ohne Hintergedanken) eigentlich so gut wie nicht möglich ist. Es kann sich also nicht wirklich "was ergeben", da die ganze Seite auf dieses "Ergeben" ausgelegt ist und Natürlichkeit und Spontaneität stark unter dieser Richtung leiden.
Da ich außerdem ENDLICH nicht mehr an den Computer gekettet bin, wie noch vor einem Monat, hält sich der Drang, davor mehr Zeit als nötig zu verbringen auch stark in Grenzen, zumal Sol mir vom Himmel strahlend zulächelt und mich nach draußen lockt.



Kurz: mein Zugangsportal zu der Seite wird bald von virtuellen Efeuranken überwuchert sein und Beiträge dazu wird es nicht mehr geben. Den ursprüngliche Plan, mich Spaßes und Blogshalber doch noch mit ein paar Leuten zu treffen (Stufe 2, sozusagen) hab ich beidhändig in den Wind geworfen - zu anstrengend. 4 Wochen noch, dann hat sich die Mitgliedschaft auch ausgelaufen.

Das Fazit, das ich nun ziehe ist, dass ich für so Spompanadeln eindeutig noch zu jung und aufgeweckt bin. Sollte mein Gemütszustand je in Desperation abgleiten, kann ich derartige Hilfen und Stützen ja in Erwägung ziehen, aber bis dahin lebe ich lieber frei von dieser zusätzlichen Zeitfalle. Es war jedenfalls mal ganz interessant, sich einen Eindruck zu holen und diesem "eh nicht mehr stigmatisierten" Wege ein Stück zu folgen. Und ganz umsonst (und das mein ich geldneutral) war der kleine Ausflug trotz allem nicht, denn zu meiner großen Freude steige ich wohl mit einem Plus in der Freundesliste aus.

Tuesday, March 20, 2012

Es ist was es ist...

Diesmal schreib ich nichts selber, sondern lasse Erich Fried sprechen - mit einem Gedicht, das ich vor kurzem entdeckt und für höchst richtig befunden habe. Weiters habe ich befunden, dass jeder es kennen sollte - also hier ganz billiges copy-paste einer wichtigen Erkenntnis, poetisch verpackt:

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

(Erich Fried)

Monday, March 12, 2012

In vino gaudium

Dieser Beitrag bringt mich zurück in meine Urheimat, wenn man das so sagen kann, in ein kleines Dorf am Rande des Landes, reingeschmiegt in eine Senke, die zu beiden Seiten von Weinbergen gebildet wird und den Ort beinahe vom Erdboden verschwinden ließe, wären nicht in den letzten Jahrzehnten die Häuser immer weiter Richtung March gekrochen. Der Ort, dessen Pforten von Ritterstatuen bewacht werden, die eine ewige Werbetafel für das biennial stattfindende Ritterfest darstellen, ist klein, doch beachtlich viele Einwohner dort haben sich erfolgreich dem Wein verschrieben (die, die keinen produzieren, trinken umso mehr davon). Zu den Weinbauern gehört auch mein Großvater, der die Vinokultur mit einer Leidenschaft und unbedingten Liebe betreibt, wie ich es sonst nicht kenne - aber vielleicht blicke ich hier auch durch die Nostalgiebrille. Jedenfalls gibt es für diesen hart arbeitenden, von mir zutiefst bewunderten Menschen nichts Schöneres, als sich eine Rebschere einzustecken, sich ein fiata (=Führtuch, in etwa eine Schürze) zur Kollektion der diversen Schätze umzubinden und mitsamt Hund einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen. In liebevoller Handarbeit werden Reben zurechtgestutzt und zurechtgebunden, wird das Unkraut entfernt und schlussendlich der Wein geerntet. Keinen schöneren Ort gibt es für ihn und er nirgendwohin passt er so gut wie dort. Bei so viel Liebe und Sorgfalt verwundert es nicht, dass auch der Wein ganz vorzüglich schmeckt*. Von seiner Qualität und auch derer des Weins der anderen Winzer kann man sich zweimal jährlich überzeugen, nämlich stets Anfang März und Anfang September, wenn zum Jungweinschnuppern bzw zu Kellerfest gerufen wird. Mag für viele Einheimische dieser Event dazu dienen, alte Freunde wieder zu treffen und einen lustigen Nachmittag zu verbringen, so treibt er auch die Wiener aus der Stadt, auf dass sie vorzüglichen, komplett unbekannten Wein in authentischer Atmosphäre kosten und sehr günstig erstehen können. *Ich bin vermutlich aufgrund der familiären Bande, die falsche Person, um Werbung zu betreiben. Aber es bietet sich an und sei bitte verziehen. Das Spiel geht so:
  • Man versammle eine Gruppe von Leuten, deren Gesellschaft man schätzt (Trinkfestigkeit ist kein Muss, schadet aber freilich nicht.)
  • Man erstehe pro nicht-autofahrender und vinophiler Person ein Weinglas mit Ortsemblem (momentaner Preis: €9)
  • Man ziehe von Keller zu Keller und koste sich quer durch das Sortiment, ohne weiteren Aufpreis
  • Man sehe zu, dass man konstant eine gute Unterlage behält, dann sind die Effekte nicht allzu schädigend
  • (ja und für meine Person heißt's am Abend dann immer "Ab hinter die Schank!" was nach ausgiebiger Kosterei trotzdem auch ein ziemlicher Spaß ist. Je nach Alkoholpegel und Charaktergüte der Trinkenden, eben.)
Wenn die Sonne scheint: ein wunderbares Wochenendserlebnis. Die Winzer sind bester Laune, die Frauen des Ortes übertreffen sich an kalorienreichen und cremebeladenen Torten- und Kuchenkreationen, ein kleines Museum und Kellergassenführungen bieten eine Pause vom Rebensaftsgenuss und für die Freunde der volkstümlichen Musik geben Fragmente der örtlichen Kapelle normalerweise Polkas und Märsche aus ihrer Kollektion zum Besten. Kinder kann man entweder frei herumlaufen lassen, an der Kinderbetreuungsstelle abgeben, oder man nimmt sie mit. Und wenn man nach dem langen Nachmittag des Weintrinkens weiterfeiern will und nicht darauf erpicht ist, den letzten Zug gen Wien zu erwischen (22:53), dann findet man im Jugendheim Herberg, bei Musik und wohlfeilen Getränken. So geschehen ist es am Samstag: im Freundeskreis wurde fleißig die Werbetrommel gerührt, man ist ausgerückt, und - wie's scheint - wurden wieder ein paar Interessenten für den Herbst dazugewonnen. Mihi placet!

Sunday, March 04, 2012

Die Ästhetik eines Giraffenpopos

Ein von mir sehr respektierter (wenn auch leicht respektvoll gefürchteter) Professor warf beim Betreten einer Kirche mit gut erhaltenen und deshalb sensationellen Fresken eine bissige, doch höchst treffende Aussage in den überwölbten Raum, nämlich, dass Leute heutzutage überhaupt nicht mehr schauten, sondern nur gleich mehrere Fotos machten, um danach ihr Augenmerk (oder eher das Objektiv) auf die nächsten Dinge zu richten. Diese Aussage ließ mich zuerst einmal beschämt die Kamera einstecken und setzte im Weiteren einen langjährigen Denk- und Beobachtungsprozess in Gange, der mir die Freude an der Fotografie minderte. Gut so.

Bei einem Besuch im Tierpark kürzlich nahm ich mir Zeit für ein paar weniger frequentierte Gehege, um den durch energisch geschobene Kinderwagen induzierten blauen Flecken im Schienbeinbereich vorzubeugen und weiters eine gute Sicht zu haben. Ich beobachtete die von mir gewählten Exemplare eine Weile und ließ die Massen an mir vorbeiziehen. Dabei konnte ich nicht umhin, auch die Wesen auf meiner Seite der Glasscheibe ins Auge zu fassen und bei manchen ein seltsames Verhalten festzustellen: Man betritt das Gebäude, sucht das Tier, tritt mit gezückter Kamera an die Scheibe/das Gitter, stellt scharf, drückt ab, schaut auf den kleinen Bildschirm, geht weiter. Nächstes Gehege, andere Menschen - selbes Procedere: einmal sind es die Hinterteile von zwei Giraffen, die festgehalten werden, dann ist es je-der-ein-zel-ne Vogel in einer Voliere. (Kein Wunder, dass die Kaiserpinguine alle dem Besucherfenster immer den Rücken kehren.)

Innegehalten wird nur zum Scharfstellen. Geschaut wird später.

Oder gar nicht.

Ich bezweifle nämlich stark, dass die emsigen Hobbyfotografen mit Ausrüstungen von variablem Wert sich die Giraffenpopos jemals wieder ansehen. Und ganz ehrlich: warum ein minderqualitatives, von Gitterstäben eingegrenztes Bild von Giraffen machen, wenn man so schöne Fotos von denselben Tieren in freier Natur im Internet findet? bzw. weiß doch eh jeder, wie eine Giraffe aussieht. Warum schaut man sich die Giraffen nicht im Detail an, wenn man schon einmal eine echte vor sich hat? Was für einen verbogenen Hals sie haben, zum Beispiel, oder wie die Schecken teilweise fast herzförmig sind. Oder die lustigen kleinen Vögel in der Voliere: ich fand's spannend, ihnen dabei zuzusehen, wie sie minutenlang versucht haben, Sardellen mit den langen dünnen Schnäbeln aufzuheben, zu zerpicken oder so zu positionieren, dass sie sie schlucken konnten. Wie der eine Säbelschnäbler, mit dem leicht verbogenen Schnabel von der bösen kleinen Ente gejagt wurde, weil er in ihr Futter getreten ist. Dass einer der Lemuren irgendwie über die Abdeckung des Geheges hinausgeklettert ist und zwischen Scheinwerfern auf dem Gitter herumgeturnt ist. Das haben diese Menschen alles nicht gesehen.

Ich muss dem geschätzten Professor Recht geben: Fotografie ist vielfach zu so etwas Automatisiertem verkommen, dass viele Menschen, anstatt das Besondere im Moment zu erkennen und aufmerksam zu beobachten oder zu betrachten, lieber mit einer bemerkenswerten Obsession ihren Weg mit einer Fülle unnötiger und minderwertiger Aufnahmen zu dokumentieren. Für irgendwann anders. Ich hingegen habe das Sehen wieder für mich entdeckt. Fotos sollen doch die anderen machen.

Monday, February 27, 2012

Sag's mit 4 Klicks

Manche Leute haben ein Sprachzentrum, das wohl selbstständig zur Zusammenfügung passender Nachrichten nicht fähig ist. Oder sie wollen es schonen.

Wovon spreche ich? Nun, in einem der vorigen Beiträge habe ich erwähnt, dass dem Interessenten, wenn er der vermeintlichen Dame seines Herzens einen Gruß erbieten will (natürlich geht das auch umgekehrt-geschlechtlich), eine vorgefertigte Nachricht zur Verfügung gestellt wird, die auf ähnlichen Interessen basiert und durch das Anklicken von Checkboxen minimal verändert werden kann. Die fertige Nachricht lautet dann in etwa so (und man kann sich wunderbar vorstellen, wie die computergenerierte Stimme das abliest):

Liebe Unbekannte, (gerade, dass die Genderung wegfällt)
Ich finde Ihr Profil interessant und würde Sie gerne kennenlernen. Denn Ihr Profil ist interessant.
Ich sehe, sie mögen Yoga. Ich auch. Machen wir das mal zusammen? (Augenbrauengewackel)
Ich sehe, sie hören gerne Rock. Ich auch. Hören wir das mal zusammen?
Habe ich schon erwähnt, dass ich Ihr Profil mag, und ich Sie gerne näher kennenlernen würde?
Darf ich auch Ihre Fotos sehen?
Ich freue mich auf eine Antwort!

Die meisten Leute sind so normal und schreiben ein paar persönliche Worte in das dafür vorgesehene Feld unter dem vorgefertigten Text. Andere nicht. Und genau so etwas Unpersönliches erhielt ich vor ein paar Tagen.
Normalerweise lösche ich derartige Dinge, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, denn was soll man darauf antworten? (Oh ja! Ich würde sehr gerne mit dir Yoga machen und kann nicht erwarten, von dir gedehnt zu werden, während wir Rockmusik hören? sicher. nicht.)
Diesmal jedoch schrieb ich zurück.

Danke für den Gruß
Normalerweise antworte ich auf so etwas nicht, da ich ohne persönliche Nachricht nur schwer einen Anknüpfungspunkt finde, aber dein Profil klingt interessant.
+ ein paar profil-relevante Fragen zur Person und eine Abschlussgrußformel. Durchaus bemüht, allerdings ohne wirkliches Interesse. Ist ja nicht so einfach, auf sowas zu antworten.

2 Tage später sollte ich auch schon die Antwort haben.

Liebe Unbekannte,
Ich bedanke mich für den freundlichen Kontakt, denke nun aber, dass wir nicht zusammenpassen würden.
Ich wünsche Ihnen noch viel Erfolg und ein schönes Leben.

Tja. Offenbar muss man sein Hirn gar nicht gebrauchen, um zu flirten? 2 vorgefertigte Nachrichten tun's auch, um geistigen Austausch auf höchstem Niveau zu betreiben.

So begab es sich also, dass ich mir meine erste Absage einholte. Und das, ohne ein persönliches Wort gewechselt zu haben. Freilich bin ich jetzt zu Tode betrübt.

Mich würde allerdings auch interessieren, wie lange der Mensch schon Mitglied auf dieser Seite ist, denn seine Erfolgsquote stelle ich mir höchst überschaubar vor... aber vielleicht gibt es auf dieser Welt ja Frauen, die mit ihm Yoga machen wollen. Und vielleicht ergibt sich daraus die schönste, wortlose Beziehung.

Friday, February 24, 2012

More strings

Ein kleiner Nachtrag zum letzten Beitrag. Die quirlige kleine Schwester des Cello, die Geige, soll hier auch ihren Platz bekommen. Dass sie sich neben klassischen Melodien und irischen Jigs auch durchaus in Genres wie den Dubstep integrieren lässt, beweist Lindsey Stirling ganz elegant in einer kargen, doch zauberhaften Eislandschaft (klick).



Ob man beim Fideln tatsächlich so tanzen kann, sei dahin gestellt, aber es hat was. Zumindest die Settings hat sie sehr gut gewählt: wunderschöne Landschaften, Brücken, Wiesen, Lichtstimmung!

Wem die ersten beiden Lieder zu elektronisch ist, dem gefällt vielleicht diese ruhige Komposition mit Harfe besser. Und dann noch eines für Fans von Lord of the Rings - ich habe die ganze Zeit drauf gewartet, dass sie über den Saum ihres Kleids stolpert, so hyperaktiv wie sie zu sein scheint, aber das hat ja mit der Musik nix zu tun.

Wednesday, February 22, 2012

One cello, please, well-strung!

Und wieder unterbrechen wir unsere Reflexionen für eine Werbeschaltung

Diesmal ist sie musikalscher Natur und betrifft The Piano Guys. Diese bestehen aus Stephen Sharp Nelson (der trotz dem irreführenden Bandnamen Cello spielt) und Jon Schmidt (am namensgebenden Tasteninstrument) - beides Virtuosen ihrer Wahlinstrumente: Das Cello, dieses wunderbare, tiefgehende, gefühlvolle, bewegende Saiteninstrument, und das Klavier, das so versatil alle möglichen Gefühle und Stimmungen zwischen lieblich und desperat herbeizaubern kann in Symbiose: was will man mehr?



Die beiden Musiker taten sich zur Neuinterpretation bekannter Melodien zusammen und eroberten gemeinsam YouTube. Über diesen Kanal fanden sie auch den Weg in mein Ohr, als mir das Starwars-Medley Cello Wars per link zutragen wurde. Und weil ich lieb bin, teil' ich ihn auch mit euch (einfach anklicken).
Elektronisch verstärktes Cello scheint eine von Nelsons Spezialitäten zu sein und wenngleich ich das noch nie zuvor gehört hatte, wollte ich mich dem Klang nicht verschließen und habe mich sofort auf YouTube quer durch das musikalische Gemüsebeet gehorcht. Und konnte schließlich nicht umhin, das Album mit dem gesammelten Potpourri zu erwerben.
Auf der Speisekarte: eine Interpretation Bachs bekannter Cello Suite #1, Orffs O Fortuna, Beethovens Mondscheinsonate, natürlich Cello Wars und diverse andere auditive Zuckerl, die teilweise eine Gänsehaut hervorrufen oder einfach so schön anzuhören sind.

Empfehlenswerter sind allerdings dennoch beinahe die Videos, da Nelsons hochkonzentrierter und doch glückseliger Gesichtsausdruck die Intensität der Lieder noch steigert und zum Genuss beiträgt. Zum Beispiel in diesem, das sich leider, leider nicht auf dem Album findet.

Gute Gänsehaut!

Monday, February 20, 2012

Findet nur der, der suchet?

Ich glaube ich weiß nun, warum ich Partnersuche online nicht mag. Oder generell schon das Konzept der PartnerSUCHE. Partnerfund ist viel mehr nach meinem Geschmack. Nicht unbedingt Findung, denn das impliziert eigentlich Suche, aber Findung wäre dennoch ok, denn es klingt so final und schicksalsbestimmt. Wenn man's mathematisch betrachten will, würde ich Findung als das Ergebnis definieren, zudem man entweder durch Suche oder durch Fund kommt - zwei Wege, ein Ziel. Kann ich's mir aussuchen, dann wähle ich als meinen bevorzugten Weg den Fund.

Suche
hingegen mag ich nicht. Suche heißt, ich gehe gezielt vor - nach Kriterien. Suche heißt, ich brauche etwas unbedingt und widme der Findung sehr viel Zeit. Ich habe meine Checkliste bei der Hand und gehe damit auf die Jagd, wobei ich alle Menschen kategorisch beleuchte und sie nach den auftretenden Charakteristika in den einen oder anderen Pool werfe - oder sie ganz aus dem Schwimmbad verbanne. Im virtuellen Leben dominiert sie, die Suche (ist das nicht der Hauptzweck, des Internets?): zum Beispiel über eine Internetseite, deren Zweck die Findung eines Lebens(abschnitts)partners ist - und zwar über eine Suchmaschine, in die man Kriterien tippen kann oder über den ungleich mühevolleren, doch vielleicht lohnenderen Prozess des händischen Suchens.
Man geht dabei freilich nicht nach spontaner Anziehungskraft vor (wie auch?), sondern nach einem factsheet, anhand dessen man die Leute auf genau eine Lückenpassform ableuchtet. Man Menschen vermutlich niemals wirklich kennenlernen - bei all der Konkurrenz - weil sich die affektierte Spreu vom ehrlichen Weizen erst später trennt und man bis dahin täglich 2 Dates haben müsste. Das Ausschlussprinzip funktioniert viel zu schnell und basiert auf den falschen Prinzipien. Die Auswahl ist zu umfangreich, um wirkliche Entscheidungen zu treffen. Eine - aufgrund teils unwichtiger Kriterien - getroffene Entscheidung kann nicht zurückgenommen werden. Und die Wahrscheinlichkeit eines Zufallsglücksfundes ist vermutlich etwa so hoch ist wie die, dass man im Internet den perfekten Wintermantel findet (ein durchaus schwieriges Unterfangen).

Fund mag im Gegensatz zu Suche zwar vielleicht nach zufällig auf der Straße Aufgelesenem klingen, aber ganz ehrlich: je zufälliger und unerwarteter, desto besser. In meiner Welt. Der perfekte Wintermantel ist meiner Meinung nach eher nicht online zu erstehen. Den muss man in einem Geschäft finden, wo man ihn angreifen kann und die Qualität der Nähte prüfen. Und zwar findet man den bestimmt dann, wenn man ihn nicht sucht: zufällig (so wie der geschätzte Herr Fleming das Penicillin entdeckt hat). Fund heißt, man geht mit offenen Augen durch die Welt und plötzlich sieht man "das Perfekte". Man wollte immer genau das, aber das wird einem erst bewusst, wenn man es das erste Mal sieht. Dieser zufällige Fund kann überall und jederzeit eintreten. Er kann Leute betreffen, die man noch nie zuvor gesehen hat, oder auch welche, die man schon ewig lang kennt und die plötzlich in einem anderen Licht erscheinen - wie zum Beispiel meine Stiefel, die ich jahrelang keines Blickes gewürdigt hatte und die ich jetzt nicht mehr hergeben würde: Auch ein Fund, wenn auch ein nachträglicher. Diese Option ist online freilich nicht vorgesehen.

Kurz: Suche ist zeitaufwendig und wahrscheinlich frustrierend, Fund passiert und macht meist überglücklich. Ich wähle also Fund.

Was tu ich dann auf einer Suchseite? Nicht suchen jedenfalls. ABER - und jetzt kommt das Aber* - man kann das Ganze ja auch anders angehen. Nämlich tatsächlich wie mit einem Wintermantelkauf: indem man einfach nicht sucht, sondern immer wieder ein bissl erwartungsfrei, aber aufmerksam, durchstöbert, dann vielleicht mal den einen oder anderen zur Anprobe bestellt, eventuell ein paar Exemplare zurücksendet, weil die Farbe doch nicht ganz der Beschreibung entsprochen hat oder der Schnitt anderen Menschen besser stünde. Zusätzlich lässt man freilich die "echten" Geschäfte besser nicht außer Acht, denn wer weiß, vielleicht findet man genau dort einmal ganz nebenbei und zufällig das richtige Modell.

*zitiert ist unser alter Physiklehrer

Und warum mag ich die Suchseite dann trotzdem nicht? Weil es eine Suchseite ist, die bei Leuten die Erwartungshaltung hervorruft, dass ihnen ein Fund garantiert wird (zumindest eine gewisse Anzahl an "Kontakten" garantiert sie). Und diese Erwartungshaltung entstammt der bisherigen fruchtlosen Suche - das Suchverhalten wird durch die Seite intensiviert und führt bei manchen zu regelrechten Verkrampfungen und zur Verzweiflung. Ja, und es wird natürlich auch von anderen Mitgliedern erwartet, dass sie zu Suchzwecken dort sind.

Und was, wenn nicht?

Thursday, February 16, 2012

Ver- und Entschleierungen

Wir wissen doch alle: der erste Eindruck zählt.
Der erste Eindruck ist auch meistens ein optischer.
Meistens, aber nicht immer.

Wie mit den Nachrichten, die man vor der Mitgliedszahlung nicht lesen konnte, ist es auch mit den Profilbildern so eine Sache: Hat jemand keine Profilbilder, wird stattdessen ein durchaus attraktives Schwarzweißfoto eines Models als Statthalter eingesetzt. Dieses ändert sich in Zehnjahressprüngen, sodass man anhand des falschen Fotos schon das Alter der Person abschätzen kann. Trügerisch ist es dennoch. Meine Mutter, blickte mir mal über die Schulter, fiel darauf rein, zeigte auf irgendeines dieser Fotos und rief:
"Den da! Den klick an! Der ist fesch!"
"Mama, das ist nicht der - das ist ein Modelfoto."
"Oh. Na fesch ist der trotzdem."

Hat man sich jedenfalls aufgerafft, seinem schriftlichen Datenblatt auch ein Gesicht zu verleihen, dann bleibt dieses so lange nebelumwölkt und vage, bis man sich selber entschließt, diesen ersten Vorhang beiseite zu ziehen und dem virtuellen Gegenüber sein Antlitz in aller Schärfe zu zeigen. Mancher macht das gleich bei der ersten Nachricht - was gut und schlecht sein kann. Manch anderer entschließt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt dazu, um vorher einmal abzutasten, ob beim Gegenüber überhaupt Interesse besteht und zwar frei von jeglichem optischen Input.
(Dass dabei Mimik und Gestik komplett unter den Tisch fallen, was sich zu Gunsten derjenigen, die sowas nicht haben, und zu Ungunsten derer, die dadurch hauptsächlich attraktiv werden, sei der Vollständigkeit halber auch erwähnt.)

Aus Faulheit (was sonst) habe ich die erste Woche fotofrei hinter mich gebracht, mich nun allerdings entschlossen, einen Schritt weiter zu gehen. Jetzt kommt die Herausforderung: welche 3 Bilder repräsentieren mich am ehesten so, wie ich bin, ohne, dass sie gleichzeitig Leute abschrecken?


Die Entscheidung ist keine einfache, denn so wie mit dem restlichen Profil, präsentiert man sich natürlich genau so, wie man gesehen werden will: Cool, mit Bierglas in der Hand und partygeil verzerrtem Gesicht, oder kontemplativ, mit vielleicht einem Buch in der Hand, sportlich, mit Landschaft im Hintergrund, klassisch, im Anzug, neutral, als Passbild ohne nennenswerten Hintergrund, oder - mein absoluter Favorit - verführerisch, mit verträumtem Blick auf roter Bettwäsche. Die Qual der Wahl!

Schließlich habe auch ich eine Entscheidung getroffen und eine Serie an Bikini-, Party- und Bettbildern hochgeladen, die mir mit Sicherheit genau die richtigen Interessenten einbringen.
Freigeben werde ich die freilich nicht.

Tuesday, February 14, 2012

Support the Mockingjay!

Wir unterbrechen unsere Dokumentationsreihe nun für eine Werbenachricht!

Diese betrifft konkret die geniale Trilogie The Hunger Games (in deutscher Übersetzung erhältlich unter dem Titel Die Tribute von Panem). Drei Jugendbücher, die zwischen 2009 und 2011 aus der gut gespitzten Feder von Suzanne Collins flossen.


Der Inhalt (Die Vorgeschichte)
In Nordamerika ist in der näheren Zukunft nur mehr ein Staat vorhanden: Panem. Dieser besteht aus einem Capitol und 12 Bezirken. Die Aufgabe der zwölf (ehemals 13) Bezirke ist es, das Capitol mit allen Rohstoffen und Produkten zu versorgen, die man für ein Leben im Überfluss braucht, während sie selbst an der kurzen Leine gehalten werden und das tägliche Überleben nicht gesichtert ist. Kein Wunder, dass die unterdrückten Bezirke sich gegen das herrschende Capitol verschworen und für bessere Bedingungen kämpften. Sie scheiterten. Als Mahnmal, um eine weitere Revolution zu verhindern, wurde der 13. Bezirk für immer zerstört und das Capitol führte die alljährliche Tradition der Hunger Games ein: Aus jedem Bezirk werden ein Bub und ein Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren gelost und in ein riesiges Areal, die Arena, geworfen, wo sie ein paar Tage gegeneinander kämpfen, bis nur mehr eine Person übrig bleibt. Spiele zur Unterhaltung der Dekadenzgesellschaft im Capitol!

Das erste Buch erzählt von den Hunger Games aus der Sicht der 16 jähringen Katniss Everdeen, die für den 12. Bezirk ins Rennen geht. Blöderweise kämpft an ihrer Seite, bzw auch gegen sie, jemand, der ihr nicht so egal ist, dass sie ihn einfach töten könnte.
Mehr kann ich leider nicht verraten ...

Und ganz wichtig
: NICHT die Klappentexte lesen: die sind voller Spoiler, die Essig in's süße Lesevergnügen gießen!!!


Die Kritik
Empfohlen von gleich zwei Freundinnen, die mir schworen, ich würde das Buch nicht wieder weglegen können, wenn ich es einmal in die Hand genommen habe, wurde sicherheitshalber gleich die gesamte Trilogie aquiriert und trotz dringenderer Aufgaben, stürzte ich mich mitten hinein.
Collins ist Meisterin des spannenden Schreibstils: die Pausen, die man bei dem rasanten Tempo und aufwühlendem Geschehen zum Durchatmen bräuchte, sucht man am Kapitelende umsonst: dort findet man bloß genial konstruierte Cliffhanger, die das Aufhören erschweren: Ein Kapitel noch... ein Kapitel noch... rennt es in Dauerschleife in meinem Hirn.
Und dann ist es plötzlich 6 Uhr früh.

Ein paar hilfreiche Fakten..
  • Da das Buch für Teenager geschrieben wurde, ist der Satzbau unkompliziert und der Inhalt lässt sich ohne unnötigen wortspielerischen Firlefanz schnell aufnehmen: Sprache steht nicht im Vordergrund (ist aber dennoch keineswegs schlecht).
  • Sozialkritik gibt es in dicken Scheiben, und diese ist sehr clever aufbereitet und lässt kaum Lücken offen. (Ich sage kaum, weil ich nicht ausschließen will, dass ich etwas übersehen habe.) So betreibt man Meinungsbildung!
  • Wie gesagt, die Hauptzielgruppe sind Teenager. Das heißt, eine komplizierte, verworrene, und vor allem mit einer saftigen Portion Verzweiflung servierte Liebesgeschichte darf nicht fehlen. Doch ist diese nicht seicht, sondern trotz vieler kitschiger Momente, die mit dem Rest der Geschichte clashen wie rosarot mit limettengrün, durchwegs tiefsinnig und dem Rest des Buches absolut würdig. Außerdem lenkt sie von der eigentlich Handlung nicht ab. Kann sie nicht, dazu ist die Handlung zu stark.
  • Übersichtliche ~430 Seiten pro Buch in großem Druck sind schnell gelesen und so lässt sich die gesamte Trilogie in recht kurzer Zeit verschlingen: Gesundes Fast Food für's Hirn, quasi.

Fazit: In meinen Top-5. Das heißt: lesen, lesen, lesen! Und Achtung: erhöhte Ansteckungsgefahr.

Monday, February 13, 2012

Wochen-Rückschau

....bereits 1 Woche eine Partnersuchseite getestet - welcher Eindruck entstand?

  • Man kann sich vor der Flut der Anfragen nicht retten: auf 2 Tage kommen 3-5 Anfragen. Ich kann erahnen, wie es dem Christkind von September weg geht...
  • Faulheitsfaktor? Viele Menschen halten es nicht einmal für notwendig, eine persönlich verfasste Nachricht zu schreiben. Im Gegenzug halte ich es nicht für notwendig, diese Leute in meinem Postfach zu behalten.
  • Die Seite unterstützt besonders Menschen, denen die Gabe der ansprechenden Syntaktisierung von Gedanken nicht in den Schoß gelegt wurde: diese bekommen auf Wunsch ausreichend Tipps für Andockversuche, Korbflechtereien und sonstige Interaktionen. Nachhilfe habe ich auf der konsumierenden Seite noch nie gemocht, aber ich muss sie ja nicht annehmen. Bin mir aber sicher, dass so manche(r) davon profitieren kann.
  • Ein Drittel der Interessenten ist mehr als doppelt so alt wie ich
  • Das zweite Drittel heißt Thomas
  • Von den tatsächlich interessant klingenden Menschen - dh die, die nicht von vorherein durch Alters-, Formulierungs- oder andere Kriterien durch den Rost fallen - kriegt man durch eine einzige Email keinen Eindruck, der gut genug ist, um eine Entscheidung zu treffen, also muss man entweder a) nach Zufallsprinzip eine Selektion treffen oder b) ALLEN zurückschreiben und in Kauf nehmen, dass man gleichzeitig ≥7 Konversationen aufrecht erhält, was sich als äußerst anspruchsvoll und zeitraubend gestaltet, da die Kandidaten dann alle im Geiste zu verschwimmen beginnen und man sie nur mehr teilweise auseinanderhalten kann. Ich arbeite momentan an einer Lösung.
  • Und schlussendlich: Trotz allen persönlichen Nachrichten ist die Sache extrem unpersönlich, sehr undurchsichtig und vage und daher auch nicht übermäßig angenehm, denn Versteckspiele mag ich nicht. Und ich fühle mich an StudiVZ erinnert, da man sieht wer sich wann das persönliche Profil angesehen hat. Bei manchen muss man ja fast Angst bekommen...

Fazit: Es wird mir nach einer Woche fast schon zu anstrengend und ich habe soeben den Kündigungsbrief verfasst, den die Post morgen in Empfang nehmen darf. Dennoch habe ich noch 11 Wochen vor mir und noch ist meine Neugierde nicht versiegt, also keep it coming - ich freu mich über Schreibmaterial!