Friday, July 18, 2014

Going west: Tackling the West Highland Way - Part 1

Nachdem dieser Blog bedauerlicherweise nicht mehr so viel Leben hat, wie ich es gerne hätte, und außerdem mittlerweile eher auf Reiseberichte zusammengedampft ist, werde ich die umso breiter auswalzen. (Bzw. einfach in kleinere Happen unterteilen).

Vor Jahren (in Zahlen: 6) hat es mich und 3 wackre Mitstreiterinnen schon einmal nach Schottland verschlagen. Wir wollten dort den Great Glen Way bestreiten, der von Fort William nach Inverness führt. Die Hälfte haben wir auch geschafft.
Seither hat es mich gewurmt und ich wollte wieder ein ähnliches Projekt auf die Beine stellen. Ich hatte gehört, dass der West Highland Way noch viel schöner sei und nahm ihn mir zum Ziel. Wie praktisch, dass meine Mutter irgendwann begann, den Hadrianswall abschreiten zu wollen. Ich hatte somit eine Mitstreiterin gefunden und überzeugte sie noch schnell davon, dass die Highlands zum Wandern spannender seien als irgendwo in Nordengland. (Sorry, Tom....).

Da eine siebentägige Wanderung gut geplant sein will, kaufte ich mir zuallererst einen guten Reiseführer (siehe unten) und begann dann zu überlegen, wie viel an Gepäck ich mir zumuten wollte. Idealerweise sollte mein Rucksack die 8kg nicht überschreiten, denn alles, das man einpackt, muss man auch mittragen.
Ich blieb stark und widerstand der Versuchung, die Kapazitäten voll auszuschöpfen und der Rucksack blieb halb leer.

Die Essentialien:
- 2 Wanderblusen (angenehmes, schnell trocknendes Material)
- 2 Wanderhosen (1 davon als Reserve)
- 1 dünnes Fleece
- 1 dickes Fleece (falls es mal kälter wird)
- 1 Softshelljacke (gegen Wind)
- 1 Regenponcho (deckt auch den Rucksack mit ab)
- 1 Regenhose (falls es wirklich stark regnen sollte)
- 1 Garnitur "Zivilkleidung" + ein paar T-Shirts
- Waschmittel für Kleidung (die beste Idee überhaupt)
- Taschenmesser, Löffel für Joghurtophile
- Eine Schnur (oh ja!)
- Sonnenschutzmittel (ganz wichtig!)
- Insektenschutzmittel (war im Endeffekt unnötig)
- leichte Zweitschuhe
- kein Makeup oder jegliche anderen unnötigen Kosmetika, die etwas zum Gesamtgewicht beitragen
- Kleinkrams: Sicherheitsnadeln, Büroklammern, Nähzeug, Gummiringerl etc. (alles in einer Zuckerldose verstaubar und vielleicht hilfreich)
- Erste-Hilfe-Ausrüstung: Pflaster, Bandagen etc.
- Wasserflasche

Kleidung ist eigentlich das Unwichtigste von allem.


Nun zum Konkreten. Das ist der Weg:

Quelle
Er startet offiziell in Milngavie (Achtung: gesprochen /mullguy/) und erstreckt sich von hier 96 Meilen (oder 152km) in den Nordwesten nach Fort William.

Mein großartiger Reiseführer (wärmstens zu empfehlen, weil man echt alle Details drin findet) schlug vor, in Glasgow zu starten, also taten wir das.

Strecke: 152km + 16km -> 168km
Zeit: 7 Tage
Höhenmeter: Ich müsste nachrechnen. Keine tragischen Schwankungen - ein paar steilere Aufstiege von 200 Höhenmetern am Stück. Abstiege freilich auch wieder.
Ausrüstung: Ein voller Rucksack von ca. 12kg pro Person, gut eingetragene Wanderschuh, Regenzeug
körperliche Fitness am Anfang: sehr gut, schmerzfrei



Tag 1: Glasgow - Milngavie - 16 km
Ich war schon einen Tag vor meiner Mutter hingeflogen, hatte - nach zwei Flugverspätungen - irgendwann nach Mitternacht die Wohnung meiner netten Couchsurferin betreten, die mich gleich mit Tee und Lasagne verpflegte und war am nächsten Tag früh aufgebrochen, um mich noch ein bisschen umzuschauen. Wie der Zufall so wollte, wohnte besagte Couchsurferin keine 5 Minuten Fußmarsch vom Kelvingrove Park entfernt - dem Ausgangspunkt unseres heutigen Marsches.

Kelvingrove Park

Ich hatte allerdings noch ein bisschen Zeit, kaufte (zu viel) Reiseproviant, frühstückte gemütlich im Park und warf dann noch einen Blick ins Kelvingrove Museum. Das ist sehr sehenswert, wenn man ein bisschen Zeit hat. Für mich gingen sich nur die Mackintoshräume und die Glasgow Boys aus.


Schließlich traf ich meine Mutter vor dem Museum und ihre ersten Worte waren in etwa: "Bumm, der Rucksack ist viel zu schwer. Ich weiß nicht, wie ich den die ganze Woche tragen soll." Ein guter Start? Aber ja. Ein kräftiges Spätfrühstück und los ging's.

Man sollte meinen, dass der Weg aus der Stadt hinaus eher asphaltlastig und stadtverkehrsbelästigt ist, aber nein. Er führt zuerst am gut begrünten und etwas unter Stadtniveau gelegenen River Kelvin entlang, wo man die Stadt kaum mitbekommt. Man begegnet hier vielen Joggern und noch mehr Leuten mit Hund - ansonsten ist es ruhig.

an den Ufern des Kelvin

Nach dem ersten Kilometer: noch voll motiviert

Ein hübsches Tor

Wenn man schließlich die Stadt über die Vororte (auch hier mit wenig Häuserkontakt) verlässt, erstrecken sich erst einmal Felder, doch die Hügel in der Ferne zeigen uns schon an, was uns in den darauffolgenden Tagen erwarten wird.


Das Problem mit dem Wetter: Sucht man nach 3 Wassertropfen schon die Regenjacke, oder vertraut man darauf, dass es insgesamt nicht mehr als 20 Wassertropfen sein werden und dann gleich wieder die Sonne scheint? Am ersten Tag noch schwierig, aber wir werden noch ein Gefühl dafür entwickeln.

Die Wildnis grüßt schon

Außer uns ist niemand auf diesem Weg anzutreffen. Scheinbar beginnen alle anderen erst in Milngavie oder ist der West Highland Way gar nicht so bekannt, wie ich dachte. Wir folgen dem Fluss und verlassen irgendwann den recht schönen, breiten Weg auf einen kleinen Pfad, der weiterhin dem Fluss folgt und uns demonstriert, dass die zivilisierte Vorstadtflora nun ein Ende hat.

"Path might be overgrown in summer" (-Trailblazer. "The West Highland Way")

Freude über den gut begehbaren Pfad und die Absenz des notwendigen Buschmessers.

 Nach etwa 3 Stunden Fußmarsch schmerzen die Schultern, die sich an die neue Belastung erst gewöhnen müssen, schon ziemlich und wir kehren in ein am Weg gelegenes Pub ("The tickled Trout") ein. Erfreut stelle ich dort fest, dass es erstaunlich wenige Verständnisprobleme gibt, als ich mein heiß-geliebtes J2O mit Leitungswasser verdünnt haben mag. Großbritannien macht Fortschritte!

Wir wappnen uns für die letzten paar Kilometer und erreichen Milngavie - schon etwas erschöpft, aber guter Dinge, dass nach diesem Eichtag und der Feststellung, dass wir mit unseren Lasten gut zurecht kommen, auch die weitere Wanderung gut verlaufen wird.

Und - wie könnte es anders sein - ich habe natürlich ein Hotel erwischt, das gleich neben römischen Ausgrabungen liegt.
(Was sind das da für Mauern? ... Sieht aus wie eine römische Therme.
Tafel: "Roman Baths".)
Wir befinden uns an einem Teil des Antoninus-Walls. Na bitte. Kann ich den auch abhaken.



Fazit nach dem ersten Tag: Die Rucksäcke sind schwer, doch wir sind top-fit, die Schuhe sitzen gut und drücken nicht, das Wetter ist angenehm: bewölkt, aber kein Regen.
Einzig die Tatsache, dass unser Hotelzimmer nur über ein Kingsizebett mit einer Einzeldecke verfügt, macht uns nicht ganz glücklich, aber wird schon gehen.

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