Thursday, September 03, 2015

WWOOF!

What does the dog say?

Nein. Darum geht's hier nicht.

WWOOF steht für World-Wide Opportunities on Organic Farms und dieser Beitrag ist schon seit über einem Jahr ausständig.

Vergangenes, sowie auch dieses Jahr, verbrachten Mo und ich knappe zwei Wochen im englischen Somerset, bei einer Familie, die sich der biologischen Landwirtschaft verschrieben hat. Einer der treibenden Gründe hinter dieser Aktion war, dass wir für längere Zeit nach Großbritannien verreisen wollten, ohne dafür viel Geld ausgeben zu müssen. Der zweite war mein Bestreben viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen und vielleicht das eine oder andere über Gemüseanbau zu lernen.

Das WWOOFing-Prinzip funktioniert so: Man verbringt eine gewisse Zeit bei einer Person oder Familie bei freier Kost und Logie. Im Gegenzug hilft man bei diversen Arbeiten um Haus und Hof; vorwiegend im agrarischen Bereich. Das zeitliche Arbeitsaufwand, sowie die Art der Tätigkeiten variieren von Betrieb zu Betrieb, sind aber im Vorhinein weitgehend klar und sollten* höchst fair sein. Gesehen habe ich Arrangements, die Arbeitszeiten zwischen 4 und 6 Tagen die Woche und 4 bis 8 Stunden pro Tag umfassen. Die Wochenenden sind für gewöhnlich frei.

* Wir haben auch schon von einer unschönen Ausnahme gehört. Die dürfte jetzt aber eigentlich herausgefiltert worden sein.

Wir fassten also den Entschluss, einen Teil unseres Urlaubs arbeitend zu verbringen, meldeten uns auf der Plattform an, erstellten ein (so hofften wir) total ansprechendes Profil und begannen, uns durch die verschiedenen Farms zu klicken und einige gleich anzuschreiben. Nach ein paar Absagen kam dann endlich eine Zusage à la "es ist momentan zwar total chaotisch bei uns, aber wir finden schon Platz für euch".

Wir begaben uns auf die Reise nach Frome und dichteten dabei vor lauter Langeweile Limericks auf alle Städte und Dörfer, in denen der Zug stehenblieb.

Conductor: "Where are you going?"
Wir: "To Frome [frəum]."
C: "To Frome [fru:m]? What are you going to Frome for? Weird people live there. And it's on a hill."
Aha. 

Stellte sich heraus, dass Frome eine sehr charmante Kleinstadt mit einer hohen Dichte an Hippies, Künstlern und Freunden biologischer Landwirtschaft ist. Es gibt Vintagegeschäfte, nette Cafés, enge Gassen und viele gemütliche Ecken. Wir fühlten uns sofort wohl.

Die Familie, bei der wir zu Gast waren, hätte nicht besser zu uns passen können: Zwei Akademiker mit vier Kindern (von denen drei allerdings schon quasi erwachen sind), die die biologische Landwirtschaft und das Ausliefern von Gemüseboxen zu ihrem Projekt gemacht haben. Menschen mit einem sehr breiten Horizont und Erfahrungsschatz, der Basis vieler interessanter Gespräche war, mit einer Fülle an Interessen und Ideen, die keine Langeweile aufkommen ließen, mit gutem Musikgeschmack und großartigem Humor.

Wir wohnten in einem Wohnwagen unter Bäumen - bei britischen Temperaturen schläft es sich darin trotz der Enge wunderbar -, genossen das Armeezelt, in dem wir im ersten Jahr unsere Versorgungsstation hatten, das Freiluftwaschbecken und die Gartenschlauchdusche hinter den Polytunnels**. Wir gewöhnten uns auch sehr schnell an die Komposttoiletten***, die man mit einem etwas unvollständigen Gefühl verlässt, da das übliche Abschiedswasserrauschen ausbleibt.

** nur an warmen Tagen. Wir kamen sonst auch in den Genuss einer herkömmlichen Dusche.
*** Plumpsklos, die allerdings durch eine Trichterkonstruktion Urin von Kot trennen. Beides kann dann unterschiedlich kompostiert werden. Ist tatsächlich sehr interessant. Stinkt außerdem nicht besonders, da Sägespäne zum Abdecken verwendet werden.


Wir hatten in beiden Jahren Glück mit dem Wetter: Es war überwiegend sonnig. Hier ein paar unserer Tätigkeiten (jahresübergreifend):
  • Wir jäteten Unkraut. Viel Unkraut. Schnell nachwachsendes. Die Disteln waren höher als ich. Die Brennesseln ebenso. Sie stachen durch die Handschuhe durch.
  • Wir gossen die Pflanzen (und leider auch das ungejätete Unkraut).
  • Wir ernteten Gemüse: Salat, Zucchini, Mangold, Paradeiser, Bohnen, rote Rüben etc. etc.
  • Wir trieben Schafe zusammen und auseinander und assistierten bei einer Behandlung gegen Zecken und andere Tiere.
  • Wir fütterten die Enten und gruben ihnen einen Teich. Dabei fanden wir viele Regenwürmer aller Größen und Farbintensitäten, sowie Verknotungszustände.
  • Wir fütterten die Hühner und fingen sie wieder ein, wenn sie ausbüchsten. (Im zweiten Jahr trauerten wir um die Hühner, da sie inzwischen scheinbar einem Raubtier zum Opfer gefallen waren.)
  • Wir gruben ein Loch. Ein tiefes Pfahlloch. In Erde, in der lauter beißende roten Ameisen wohnten.
  • Wir besserten den Feldweg aus.
  • Wir montierten ein Blechdach auf dem am Feld entstehenden Blockhaus.
  • Wir legten Strohballenfolie auf einen abschüssigen Weg und machten daraus eine Wasserrutsche. (Nein, das zählt nicht als Arbeit.)
  • Wir sägten Bretter zurecht und legten damit einen Holzboden.
  • Wir gingen viel in Pubs, spielten viel Billard und tranken noch mehr Cider. (Somerset ist eine Cidergegend. Wer nur Strongbow und Bulmers kennt möge sich dorthin begeben und sich in einem stinknormalen Supermarkt der Überforderung stellen - über alle Arten von Thatcher's und Orchard Pig bis zu Firedancer).
  • Wir brachten den Burschen und den anderen WWOOFERN ein bisschen Irish Dance bei.
  • Wir machten wochenends Ausflüge nach Bath, Bristol, Mells und Wells, oder einfach nur in die Stadt.

Das beste allerdings liefere ich euch in Bildern: Wir bauten einen Tisch! 
Und das kam so: Wir stellten uns beim Bodenlegen offenbar nicht ungeschickt an - ich habe nicht einmal den scheinbar sehr bruchgefährdeten 3mm-Bohraufsatz abgebrochen - und die Wetterprognose stand auf Regen, sodass unsere Arbeit- und Quartiergeberin sich Aktivitäten für uns überlegte, bei denen wir dem Wetter nicht zu sehr ausgesetzt waren. So fragte sie auf einmal: "Kristina, I've been thinking. ... It would be great if we had an outdoor-table. Do you think you might enjoy building one?" Ich war gleich mal sprachlos, dass man mir das zutraut, und dann voller Euphorie. Mo und ich wurden das carpentry dream-team.
Wir bauten nach Skizze aus den vom Hausbau übrig gebliebenen Restbrettern, die nass in der Wiese lagen, drauf los. Mit einer Säge (nicht elektrisch), einem Winkel, Maßband und Bleistift, sowie zwei Akkuschraubern. Das Sägen gestaltete sich einigermaßen kraftaufwändig, doch man gewöhnt sich. Bald hatten wir einen Rahmen, der auf vier Beinen stand. Zu unserer großen Überraschung und noch größeren Freude wackelte der nicht einmal:

Probelegen der Tischplatte

Da der Tisch sehr schwer geworden wäre, wenn wir ihn in einem Stück gebaut hätten, entschlossen wir uns einfach spontan, die Platte als eigenen, abnehmbaren Bauteil zu konstruieren.

Sessel, um den Sitzkomfort zu testen. Entdeckung eines kleinen Messfehlers..

Müde nach Tag 1 am noch unfertigen Tisch.

Der Tisch wurde zu unserem Projekt und wir waren mit der Grundidee des groben Gartentischs nun längst nicht mehr zufrieden. Wir wollten den Tisch schöner und besser machen. Wir baten um Schleifpapier (viiiel Schleifpapier) und Öl zum Einlassen. Es wurde uns gewährt.
Ein weiterer Tag verging mit der Feinarbeit des Schleifens und Ölens. Außerdem stabilisierten wir den Rahmen und die Beine noch weiter. Schließlich hinterließen wir noch unsere Spuren im Holz.



Um unsere Gastgeber, die an unserem letzten Wochendende selber nicht vor Ort waren, zu überraschen, platzierten wir den fertigen Tisch auf der Veranda und weihten ihn auch gleich gebührend ein:

Ein Werk ist vollbracht
 
(Und da wir schließlich immer noch Restholz hatten und die Tochter unserer Gastfamilie beim Geschirrspülen noch nicht recht hinaufreicht, bauten wir ihr flink noch einen Schemel. Wenn man schon dabei ist ...  Dabei brach dann auch - beim allerletzten Bohrloch - der vermaledeite Aufsatz).

Nach zehn Tagen nahmen wir wieder Abschied vom Landleben und reisten weiter. Beide Jahre wollten sie uns noch länger dort behalten. Beide Jahre spielten wir mit dem Gedanken wiederzukommen. Mal sehen, was wir nächstes Jahr machen wollen.

Es ist jedenfalls sehr schön, wenn man gewohnt ist, seine Arbeit überwiegend geistig, vor Menschen oder am Computer zu verrichten, seine Energie zur Abwechslung auf körperliche Tätigkeiten zu fokussieren. Plötzlich hat man den Geist frei und stimmt vielleicht sogar das eine oder andere Lied an.

Monday, October 06, 2014

WHW - part 7: The perfect Picnic Spot, the Ben and the End

Kinglochleven - Fort Williams
Strecke: 24km
Höhenmeter: 300Hm auf, 130m ab, 100m auf, 250m ab

Dem letzten Streckenabschnitt sahen wir einigermaßen gelassen entgegen. 24 Kilometer sind ja "nichts" nach 6 Tagen Wanderung und wir hatten schließlich schon längere, schwierigere Abschnitte hinter uns gebracht. Außerdem sollte zumindest für eine von uns die Last leichter sein: Mama hatte sich nach langer Überlegung am vorhergehenden Nachmittag entschieden, ihren Rucksack dem anfangs belachten Gepäcktransport mitzugeben, damit ihr Bein entlastet würde und sie den Weg fertig gehen könne. Von zwei netten Schottinnen im Nebenzimmer hatte sie sich die Nummer organisiert und wir leiteten alles in die Wege und begaben uns auf selbigen.

Die Strecke sollte sich bissiger erweisen, als wir angenommen hatten. Wir stiegen aus dem Tal wieder hinauf in luftigere Höhen und, obwohl wir gut vorankamen, sollte der anhaltende und eher steile Anstieg am Anfang meine Knöchelschmerzen wiederbringen. Nun war ich es also wieder, die Pausen brauchte. Das Panorama und das Wetter waren jedenfalls schön:

Blick zurück auf Kinglochleven


Aufstieg über die Bergflanke



Die (doch recht monotone Landschaft) wurde manchmal unterbrochen

 Dieser letzte Streckenabschnitt gestaltete sich für mein Gefühl besonders hart, da es der einzige doch eher lange Abschnitt war, dementlang es kein einziges Pub oder eine andere Einkehrmöglichkeit gab, mit der man sich den Abschnitt gedanklich schön in Stücke gliedern hätte können. Mein schlaues Buch kündigte nur einen "perfect picnic spot" an und wir nahmen den als Messpunkt. Mein schmerzender Fuß, unser Durst und ein viel perfekterer picnic spot (gleich neben einem klaren Bächlein, fast uneinsichtig vom Weg) änderten diesen Plan: Die Oatcakes, der Ziegenkäse und die Äpfel, die wir zum Glück noch gekauft hatten, gemeinsam mit dem frischen Quellwasser des Bächleins, waren hier ein Festessen für uns.



Dann marschierten wir weiter. Die Landschaft wurde leider immer monotoner: Viel Wald war in den letzten Jahren gerodet worden und so ermüdeten uns die Sonne und auch das Panorama zunehmend. Irgendwann schob sich endlich der wie immer wolkenverhangene Ben Nevis, der höchste Berg Großbritanniens (1344m) seitlich ins Bild und wir wähnten uns beinahe am Ende der Wanderung.

wolkenverhangener Ben

geschlägerter Wald. Eine Augenweide.
Wie Kaugummi zogen sich die letzten acht Kilometer. Das Wetter wurde seltsam: starker Wind kam auf und wir fürchteten das Hereinbrechen eines Unwetters. Hinzu kam, dass wir sehr viele steile Abstiege hatten und nun - am siebten Tag! - meldete sich auch mein Knie, das die vorhergehenden sechs Tage erstaunlich ruhig gewesen war. Kurzum: Je näher wir dem Ziel kamen, umso mehr sank unsere Motivation noch weiterzugehen. Wir machten - schon im Glen Nevis (dem Tal, das vom Ben Nevis nach Fort William führt) angekommen - eine letzte Rast bei einem Holzstapel. Die pittoresken Plätze schienen wir ein für alle Mal hinter uns gelassen zu haben. Von irgendwo im Rucksack grub ich noch zwei letzte Cashewriegel aus, mit denen wir uns ein bisschen Energie anaßen, und wir schlurften weiter. Andere Wanderer hatten wir schon lange keine mehr gesehen.
Das letzte Stück gingen wir neben einer Straße, was uns nicht unbedingt beflügelte, doch - endlich! - erblickte ich hinter einer Biegung den mir vertrauten Kreisverkehr und gleich daneben das:


"Look tired!" - "Sorry, we can't. We're too happy!"

Tja. Wir waren am Ende. Der Zieleinlauf war mühsam gewesen, doch als wir vor dem Schild standen, nahm die Freude überhand.

Genug gegangen? Nein. Wir mussten noch durch den halben Ort und ein Stück den beflankenden Berg hinauf zu unserem Quartier. Doch das taten wir erst, nachdem wir ordentlich Mittagessen waren. Erstmals, nach der langen Wanderung wieder in "zivilisierterer" Gegend, war uns unsere verschwitzte Kleidung unangenehm: Hier gab es immerhin auch frisch geduschte und unverschwitzte Menschen. Wir setzten uns ganz an den Rand, zur offenen Tür des Pubs. Komisch - gerade waren wir noch so frei, schon fühlen wir uns wieder den Zwängen und Normen der versiedelten Gesellschaft unterlegen.

Was taten wir die restlichen drei Tage?

Wir gingen (schon wieder) nicht auf den Ben Nevis - dafür spazierten wir ein bisschen im Glen herum.

Wir erkundeten die kleine Stadt und pilgerten zum "Official End of the WHW" (im Gegensatz zum "Original end of the WHW", wo das vorige Foto entstand).

The official end: zwei rastende Wanderer

Außerdem tranken wir viel Kaffee und füllten unsere Fettspeicher wieder auf. (Und trafen dabei ein paar Leute, die im selben Ort wohnen, wie meine Eltern. Klein ist die Welt.)



Und besuchten schließlich, gemeinsam mit dem Norweger, auch eine Destillerie. (Die leider etwas enttäuschender war, als andere Destillerien, die ich bis jetzt gesehen hatte). Die niederländigsche Pfadfindergruppe, die ebenso dort war, trug zu unserer Erheiterung bei: man sah ihnen an, dass auch sie viel wandern waren. Einer der Burschen hatte sich einen Riss in der Hose mit Duct Tape geklebt, andere waren an Armen oder Beinen aufgeschürft. Ein recht verschlissener Haufen.


Mit beinahe schon wieder schmerzfreien Füßen düsten wir im Bus zurück nach Glasgow. Wofür wir zu Fuß eine Woche gebraucht hatten, zog in drei Stunden vor dem Fenster an uns vorbei. Zeit ist ein interessantes Konzept.

Fazit: Nicht zu Unrecht hatte ich mich auf diesen Urlaub über ein halbes Jahr vorgefreut. Er war genauso großartig, wie ich das erwartet hatte, und man hätte ihn nur verbessern können, indem man mehr Zeit an der frischen Luft verbringt. Ich würde das nächste Mal gerne zelten, aber vermutlich schüttet es dann tagelang...

Monday, September 29, 2014

WHW - part 6: New Boots, Devil's Staircase and an oddly equipped room

Kingshouse - Kinglochleven
Strecke: 14km
Höhenmeter: Aufstieg von 200m über Devil's Staircase, dann kontinuierlicher Abstieg

Nach einer zu kurzen Nacht und dem wohl besten Frühstück der ganzen Wanderung (Kipper: fish for breakfast!) sah ich mich immer noch mit meinem Hauptproblem konfrontiert: Die Sohle meines linken Schuhs löste sich ab. Ich beschloss, dieses Problem schnellstmöglich zu beheben, damit ich noch in den nächsten Ort käme, der dann wieder so etwas wie Geschäfte aufweisen würde und irrte durch das Hotel bis zur Rezeption.
Hello, how can I help?
Hi, I have a problem with my shoe. It has started to fall apart, so I was wondering if you had some tape that I could maybe fix them with?
Oh.... I am sorry to hear that. The man you need to speak to is the house-keeper. He might be able to help you.

Ich wandere durch die vielen Gänge des Kingshouse Hotels zurück zum Hausmeisterkämmerlein, wovor der gute Mann selbst und eine der Raumpflegerinnen gerade ihren Morgenkaffee zu sich nehmen. Nachdem ich mich vergewissert habe, dass ich hier tatsächlich mit der richtigen Person zu tun habe, schildere ich ihm mein Problem.
Er überlegt... geht in sein vollgeräumtes Kämmerchen ... sucht, kramt, zieht eine Tube Silikonkleber irgendwo hervor.
Er öffnet die Tube, wirft dann einen Blick auf meinen Schuh:
Which size are you?
8, I believe... Ich überprüfe die Zahl auf der Sohle - sie stimmt mit meiner Mutmaßung überein.
Der Hausmeister beginnte wieder zu suchen und zu kramen und murmelt vor sich hin: There used to be a pair of old boots somewhere.... Somebody left them... I wonder if I haven't chucked them out...
Doch, tatsächlich! Nach einer halben Minute zieht er von irgendwo ein Paar große, hässliche Arbeitsschuhe hervor: Try these on!
Ich nehme die Schuhe entgegen, werfe einen Blick auf die Nummer auf der Sohle und muss grinsen: Size 8. Sie sind zwar etwas weit, aber mit fester Schnürung passen sie und ich muss mich nicht sorgen, den heutigen Wandertag nicht zu überstehen. Ich bedanke mich überschwenglich, gebe (leider!) zu wenig Trinkgeld und flitze ins Zimmer zurück.

Als nächstes suche ich unseren norwegischen Freund, der am Vortag sehr heftig von der Sonne angesengt wurde - zu seinem ästhetischen Unglück nur auf einer Seite -, um ihm meine Sonnencreme anzutragen. Leider finde ich ihn nicht.

Wir ziehen also ohne ihn los und folgen den, nun wieder zu Scharen angewachsenen, Frühaufstehern auf den Weg. Hinter dem Haus versucht die Gruppe französischer Pfadfinder vom Vortag beim Angeln im Bächlein ihr Glück. (Es wird ihnen nicht hold sein, wie ich später von Svein vernehme, der ihnen einen Teil seines Essens zum Trost spendete.)





Eine neu gestrichene Wegmarkierung: Probleme mit der Findung hatten wir nie


Eine etwas andere Brücke


Da wir an diesem Tag nur 14km zu gehen haben, sind wir einigermaßen entspannt. Wir folgen dem Tal, in welchem Kingshouse liegt und kommen schließlich zu einer Stelle, auf die ich schon seit Beginn der Wanderung gespannt war: Devil's Staircase.


Nun, zum Glück hatte ich im Reiseführer vorausgelesen, dass der Name mehr hergibt, als der Aufstieg zum Bergrücken selbst: ja, es ist anstrengend, aber Stufen sind nur vor dem eigentlichen Staircase vorhanden und teuflisch oder gefährlich ist es ebensowenig. Dennoch: Endlich mal ein anstrengenderes Stück.

 
Auf dem Bergrücken

Das Devil's Staircase hatten wir erklommen und sahen uns, oben angekommen, in der Gesellschaft von etwa 20 anderen Wanderern, die sich in drei Gruppen an unterschiedlichen schönen Plätzen zusammengerottet hatten und um 10 Uhr ihre erste große Jause einnahmen. Wir waren eigentlich nicht müde oder erschöpft, doch der Ausblick war zu schön, um gleich weiter zu wandern. Wir gingen noch ein paar Meter und setzten uns an einen noch viel schöneren Flecken, gleich ums Eck, wo uns niemand sah und wir niemanden hörten.

Gut gejausnet begannen wir den Abstieg nach Kinglochleven, der sich erstaunlich in die Länge zog. Mutters Beinschmerzen kehrten zurück und, kurz darauf, auch unser norwegischer Begleiter, der uns endlich eingeholt hatte. Dem drücke ich nun endlich Sonnencreme in die Hand, während Mama pausiert.
Langsam nähern wir uns dem Tale und damit dem ehemaligen Aluminiumfabrikationsort Kinglochleven. Der Norweger pilgert noch weiter, wir suchen unser Quartier und verbringen den Nachmittag ruhig, bei Erdbeeren und Ziegenkäse, Kaffee und Sonnenschein.




Tiefpunkt des Tages war das Zimmer, das wir bezogen. Es war so klein, dass man sich darin kaum bewegen konnte, doch verfügte über alle erwünschten und unerwünschten "Annehmlichkeiten": eine Dusche in einem wandschrankartigen Nebenraum, Wasserkocher, DVD-Player, Radio, Moodlighting etc. Waschbecken gab es keines: Wollte man sich Wasser holen, musste man ins Klo am Gang. Schlecht geplant? Wahrlich!
Wirklich schlimm wurde es erst nachts als ich das Licht ausschaltete. Falsch: als ich das Licht ausschalten wollte. Die Lämpchen über dem Bett schlugen lediglich von taghell auf gedimmtes Leuchtreklamenblau um - ein komplettes Ausschalten war nicht möglich. Nach Tagen in der Natur und sehr elektronikarmen Zimmern, drängte sich mir außerdem das elektrische Rauschen jedes einzelnen der unnötigen Geräte (inklusive der komischen Nachtlampen) meinem Ohr auf und ich konnte erst schlafen, als ich alle Stecker und die Glühbirnchen aus deren Gewinde zog. Die Nacht war traumlos, lang und schwer...

Sunday, September 21, 2014

WHW - part 5: The Moor, the Norwegian and Whisky galore!

Tyndrum - Kingshouse
Strecke: 32km
Höhenmeter: zuerst flach, dann kontinuierlich ansteigend, bis zum letzten Abstieg ins Tal


Bevor wir von Tyndrum loszogen, warfen wir unsere Postkarten in den Postkasten - so viele findet man am Weg ja nicht - und gingen noch in einen der beiden Shops ("last shop for 30 miles") und deckten uns mit genug Proviant ein. Die heutige Etappe sollte die längste werden und der witzige alte Mann an der Kassa kommentierte "Lovely little walk today?" Unsere Herbergsbegerin hatte uns jedoch bereits erzählt, dass wir den ärgsten Teil der Strecke hinter uns hätten und der heutige Weg zwar lang, aber nicht besonders anstrengend sei. Nicht eingerechnet waren da aber die Schmerzen in meinem Knöchel, die über Nacht nicht komplett abgeklungen waren, sondern bereits nach einer halben Stunde Fußmarsch wieder einsetzten und kontinuierlich lauter werden sollten.

Wir hatten Tyndrum gerade verlassen, als uns ein junger Norweger anplauderte, der alleine (mit einem 3-Mann-Zelt) unterwegs war und sich jeden Tag Wandergefährten suchte. Bereits am Vortag hatten wir ihn mit einem Schotten gemeinsam gesehen und uns gefragt, ob die beiden wohl Vater und Sohn seien, denn ähnlich gesehen hatten sie einander nicht. Jetzt wussten wir wieso. Er schloss sich uns an und wir unterhielten uns über's Wandern, das Heer und unsere Länder.

hinter uns liegt der Weg, der vor uns liegt

Der Weg nach Bridge of Orchy, eine von zwei Häuseransammlungen am Weg, war - bis auf die Schmerzen im Bein - angenehm und verging dank des Geplauders sehr schnell. Damit hatten wir bereits das erste Drittel der Tagesetappe erledigt und Mama und ich beschlossen, dort eine Pause einzulegen, damit ich meinen Fuß ausruhen konnte. Dieser hatte nur Minuten davor einen letzten Stich von sich gegeben und dann aufgehört zu schmerzen. Ich wusste nicht, ob ich mich sorgen sollte, oder erleichtert sein.

Wir kehrten im "Bridge of Orchy Hotel" ein. Das klingt sehr nobel, doch man muss wissen, dass die meisten Einkehrstellen entlang des Weges Hotels sind und es "normale" Pubs nicht viele gibt: der Bedarf wird durch die Hotelrestaurants bzw. die extra eingerichteten Walkers' Bars abgedeckt: kleine Pubräume, die getrennt vom Hotelrestaurant begehbar sind und wo dreckige Wanderschuhe und klobige Rucksäcke nicht stören. Da es in Bridge of Orchy allerdings sonnig war und nicht regnete, tranken wir unseren Tee heraußen unter einem Sonnenschirm.

Blick von der Brücke

The Bridge

Man versteht die Ortsbenennung

Von Bridge of Orchy ist es nicht weit nach Inveroran (etwa 7 km) und wir planten bereits die nächste Pause dort, da wir wussten, dass dann vor Kingshouse wirklich nichts mehr kommen würde. Wir marschierten also weiter und fanden ein kleines Hotel (ohne eine nennenswerte Zahl an Häusern rundum) mit vielen Wanderern davor, die gerade von dort aufbrachen. Hier betraten wir erstmals eine Walkers' Bar durch den Garten und die Hintertür und fanden dort unseren Norweger wieder, der zwei ältere amerikanische Damen überredet hatte, Irn Bru zu probieren. Sie mochten es. Dann zogen sie weiter.
Wir aßen gemütlich Suppe, versuchten die Nationalitäten einer Burschengruppe und eines jungen Pärchens zu erraten, und bewunderten das rund um den Raum aufgemalte Fries - eine recht witzige Darstellung des West Highland Way.

Nach Inveroran beginnen die weiten Weiten des Rannoch Moor. Ein Hochmoor, das in meinem Reiseführer als grausam und brutal beschrieben wurde, weil man vom Weg nicht abweichen kann und auch nirgends Schutz suchen, sollte das Wetter ungnädig sein. Wir hatten jedoch Glück: Der Sonnenschein, der uns die ganze Zeit schon begleitete, blieb bei uns. Wobei, eigentlich war auch die Sonne unbarmherzig: Sie brannte auf uns herab und jedesmal, wenn kein Wind ging, wurden wir von einem Schwarm aggressiver Bremsen attackiert. Hin und wieder gab's zum Glück aber ein Lüftchen.






Mein Fuß gab jetzt endgültig Ruhe und wir kamen gut voran. Hin und wieder machten wir fünf Minuten Pause, um unseren Sonnenschutz zu erneuern, unseren Wasserhaushalt aufzufüllen und unsere Schultern für ein paar Minuten von ihren Lasten zu befreien, denn alle 2-3 Stunden etwa, begannen sie unter dem Gewicht zu schmerzen.
Die einzigen Raststätten: Brückenbegrenzungen über kleinen Bächlein






Das Gras hat dort eine ganz surreale Farbe. Nicht nur durch die Kamera.

Der Weg war, wie gesagt, sehr weit und zwei bis drei Stunden vor unserem Ziel begann meine Mutter, Probleme mit der Hüfte und dem Bein zu bekommen. Wir mussten vermehrte Rastpausen einlegen. Bei einer dieser kleinen Pausen bemerkte ich einen kleinen Spalt in der Sohle meines linken Wanderschuhs. Ich sah mir die Sache genauer an und stellte fest, dass die Sohle begonnen hatte sich abzulösen. Dass ich es bis Kingshouse schaffen würde stand außer Frage, aber wie ich am nächsten Tag weiterwandern sollte war unklar. Wie dem auch sei, wir mussten zuerst mal bis Kingshouse kommen und die letzten fünf Kilometer sind boshaft und gemein:
Kingshouse liegt in einem Tal, zu dem wir erst absteigen mussten. Es ist ein einzelnes großes Hotel (mit noch 2 kleinen Gebäuden daneben) und man sieht die weiße Fassade schon von dem Bergrücken aus, den wir davor überschritten. Man glaubt also gleich da zu sein, doch von dem Zeitpunkt an, da man das Hotel zum ersten Mal sieht, bis zum eigentlichen Eintreffen ist es noch eine gute Stunde, wenn nicht 1 1/2. Pausen legten wir außerdem noch mehrere ein, um Mamas Bein zu schonen und es war Abend, als wir schließlich am Hotel ankamen. 


Das Hotel ist ganz klein rechts im Bild

Wir bekamen unser Zimmer und widerstanden mit viel Geisteskraft dem starken Drang, uns gleich aufs Bett zu werfen und zu schlafen, sondern gingen duschen und gönnen uns ein ordentliches Abendessen in der Hotelbar. Dort trafen wir auch den Norweger wieder, der sein Zelt an diesem Abend nicht ausrollte, sondern sich ebenso den Komfort eines Hotelbetts gönnte.
Belebt durch das gute Essen, entschlossen Svein und ich uns durch das wahrlich beachtliche Whiskysortiment der Bar durchzuprobieren. Man ist schließlich in Schottland und es gibt hier nicht gerade wenige gerühmte und weniger bekannte Destillerien. Die lässt man nicht einfach ungetestet zurück. Es war also ein lustiger Abend und, wie das so ist, wenn man gemeinsam trinkt, schlossen wir Freundschaft. Als wir dann mitbekamen, dass die witzigen Barmenschen das Semifinale der Fußballweltmeisterschaft schauten, fragten wir sie nach dem Punktestand.
D'ya wanna come watch?
Yeah, sure!
Sie öffneten uns die Barriere zur Bar, lotsten uns durch den Bierspeicher in die Walkers' Bar, von der wir bis dahin nichts gewusst hatten und wir fanden uns in einer Gruppe gröhlender Franzosen wieder.
Ein grandioser Abend!

Addendum: Was uns dieser Tag (und die folgenden) lehrte war, dass der Körper über verschiedene Schwachstellen verfügt, die bei Anstrengungen dieser Art zutage treten. Die Schmerzen in meinem Knöchel konnte ich durch weitere Beobachtung darauf zurückführen, dass ich nicht mit beiden Füßen gleich auftrete, sondern meinen rechten Fuß eigenartig belaste. Ist schon interessant. Ich versuche jetzt noch, dagegen zu wirken.

Monday, September 08, 2014

WHW - part 4: Leaving the Lake for the Highlands

Inversnaid - Tyndrum
Strecke: 30 km
Höhenmeter: Anfangs ziemlich flach, bei der Hälfte langsamer Aufstieg auf 350Hm, dann wieder sanfter Abstieg

Nach einem typisch schottischen Frühstück (bacon, eggs, sausages, tomatoes, hash brown, potato scones und einer Scheibe fried haggis) verließen wir das Kirchlein und wanderten weiter am Seeufer entlang. Die anstrengendste Etappe des Weges stand uns bevor, denn der Weg war zur Abwechslung keine breite Militärstraße, sondern ein schmaler Waldweg, der über Stock und Stein führte und uns zu erhöhter Aufmerksamkeit zwang. Vergleichsweise langsam kämpften wir uns voran, doch da dieses Stück auch eines der schönsten des gesamten Highlandweges war, genossen wir es dennoch.

Wir blieben in der Nähe des Seeufers und kamen an einem bothy vorbei, einer Hütte, die unversperrt Wanderern zur Übernachtung zur Verfügung steht. Es gibt scheinbar mehrere davon entlang des Weges. Ich hatte davon gelesen und wollte mir die Hütte ansehen. Sie war jedoch versperrt und als ich an der Klinke herumwerkte, hörte ich von drinnen ein schlaftrunkenes "hello?". Ich rief eine Entschuldigung und wir machten, dass wir weiterkamen.


noch am Loch Lomond



Schließlich ließen wir den See zurück und begannen den ersten leichten Aufstieg in die Highlands.

Noch recht frisch nach den ersten 10 Kilometern

Die Umgebung verändert sich


Shamrocks!

Dreißig Kilometer sind nicht kurz. Wir hatten eine derartige Strecke schon vorher einmal gehabt, doch diese war durch den Waldweg heftiger und länger. Ein paar Kilometer vor unserem Tagesziel begann ich, einen stechenden Schmerz über dem Knöchel zu spüren und musste das Tempo drosseln und meinen rechten Fuß vorsichtiger belasten. Als ich kaum mehr auftreten konnte, tauchte zum Glück der Campingplatz von Strathfillan auf. Es gab dort ein kleines Geschäft, das auch Tee verkaufte und wir entschlossen uns zu einer Pause. Ein netter Schotte begann mit uns über Reisen und Sprachen zu plaudern und warnte uns (wie auch alle anderen Leute immer wieder) vor den anscheinend so mühsamen Midges. Schließlich fühlte ich mich bereit, weiter zu gehen, und wir begannen erneut, mit gedrosseltem Tempo.


Der alte Friedhof der Strathfillan Priory

Der Schmerz im Knöchel ließ nicht nach, doch wir schafften es dennoch in einer guten Stunde nach Tyndrum, eine etwas größere Ansiedlung als diejenigen, die wir bis jetzt durchquert hatten. Unsere nette Gastgeberin, Heather, und ihr kleiner West-Highland-White-Terrier "Midge" nahmen uns in Empfang. Heather brachte uns, als sie unsere ermüdeten Gesichter sah, gleich Tee und zwei kleine Pancakes und ich war glücklich, mich einfach hinsetzen zu können.

Es folgte eine sehr erholsame Nacht.

Friday, August 29, 2014

Tackling the West Highland Way - Part 3

Von Balmaha nach Inversnaid
Strecke: 22 km
Höhenmeter: vernachlässigbar, mit Überraschung am Ende

Dieser Tag begann für mich sehr früh, denn ich hatte mir in den Kopf gesetzt, schon vor dem Frühstück nochmal Conic Hill zu besteigen, um dort den Sonnenaufgang über dem See zu beobachten. Die Idee war gut, wie mir unser schottenrocktragender Herbergsvater versicherte, doch leider spielte das Wetter in der Umsetzung nicht mit:

Ich erhob mich um 4 und ärgerte mich, dass so weit nördlich die Sonne schon so früh aufgeht, schnappte mir meine Regenjacke, eine Flasche Wasser und eine Banane und tapste durch eine dämmrige Ortschaft und einen düsteren, doch irgendwie recht grusligen Wald hinan. Auf dem Weg lagen Schafe. Als ich mich näherte, wachten sie auf und trotteten zur Seite, nur um sich gleich darauf wieder auf dem Weg niederzulassen. Nach etwa 20 Minuten und damit nur noch 10 Minuten vom Gipfel entfernt, spürte ich die ersten Tropfen. Es zog zu.



Ich setzte mich mit dem Rücken zum Gipfel, woher der Regen kam und stärker wurde, aß missmutig meine Banane und sah zu, wie es heller wurde. Als klar war, dass ich den Sonnenaufgang zwar mitbekommen, aber nicht sehen würde, trat ich also den Rückweg an, um mich nochmal für ein paar Stunden hinzulegen.



Schottischer See im Nebel ist eh schöner


Balmaha Waterfront - direkt vor unserem Zimmer

Nach dem obligatorischen "Full Scottish Breakfast" hievten wir die Rucksäcke auf unsere Rücken und folgten dem Seeufer weiter gen Norden. Der Weg war schön, aber unspektakulär. Er verlief am Seeufer entlang und weitgehend im Schatten der Bäume.





Baumstumpf... sieht aus wie ein Wurm.


Immer wieder mal kommen wir an entwurzelten Bäumen vorbei. Der Durchmesser dieser Wurzelscheibe war noch um einen guten Meter höher als ich.

Das Wetter war während der ganzen Woche wirklich fabelhaft, man könnte beinahe beanstanden, dass es zu heiß gewesen sei. Es regnet dennoch fast täglich, und zwar praktischerweise immer genau dann, wenn wir das einzige Pub der Tagesstrecke passierten, sodass wir jeden Tag zu Mittag einkehren mussten und dabei meistens auch gleich etwas Warmes aßen.

Ein einziges Mal erwischte der Regen uns allerdings auch zwischendurch und rechtfertigte, dass wir unsere extra gekauften, unglaublich kleidsamen Regenponchos mittrugen: Endlich durften wir sie anziehen - wenn auch nur für eine Viertelstunde, bevor es wieder sonnig wurde:



Die Berge im Hintergrund sind schon eine Vorschau auf die zweite Hälfte der Wanderung.



Weiter ging's. Irgendwann gegen Ende des Weges kamen wir an einem hübschen Kiesstrand vorbei und genossen noch einmal die Nähe zum Wasser.




Das Ziel des heutigen Abends war ein Bunkhouse in Inversnaid. Wie Balmaha besteht auch Inversnaid aus nicht viel mehr als zehn Häusern (und einem riesigen Hotel). Müde und k.o. kamen wir dort an (ich hatte ja kaum geschlafen). Auf der Terrasse vor dem Hotel tümmelten sich Menschen und genossen die Abendsonne, doch wir suchten das Bunkhouse und konnten es nicht finden. Ich befragte den Reiseführer und der sagte mir, dass wir noch ca. 1km gehen mussten. Nämlich den Berg hinauf. Wir fluchten und stapften los. Sehr ärgerlich ist es, wenn man sich schon am Ziel glaubt und dann noch weiter muss. (Wieder hätte sich außerdem empfohlen, den Reiseführer genau zu studieren, denn der hätte mich darauf hingewiesen, dass es ein Shuttleservice vom Hotel weg gibt. Aber das wäre sowieso Schummelei und somit hat das schon so gepasst.)
Wir sollten für unsere Extraschritte belohnt werden: Unser Bunkhouse war ein wahrlich idyllischer Ort: eine kleine Kirche, in deren Untergeschoß sich eine Zimmerzeile (mit ca. 8 Zimmern) befindet und deren "Dachausbau" ein heimeliges kleines Bistro beherbergt. Sogar ein Whirlpool hätte es gegeben, doch nach kurzem Überlegen verzichtete ich doch und holte stattdessen etwas Schlaf nach.