Friday, December 07, 2007

Fiat Lux

Ganz was Neues: Weihnachten kommt.

(A geh, denken sich die Leser, jetzt kommt schon wieder irgendsoeine zache Bestandsaufnahme von Eindrücken. Naja: Stimmt. Es drängt sich einfach auf.)

Man schlendert also so durch Wien. Vor allem freilich durch die Innenstadt und über die Christkindlmärkte und saugt die Atmosphäre ein (Punschdämpfe, hauptsächlich).

Auffallend sind nicht die ganzen Touristen. Nein, die sind nur ca. so nervig wie diese blöden kleinen Hündchen: Man muss aufpassen, dass man nicht in sie reinrennt. Oder ihnen ins Bild läuft, wenn sie das Rathaus, den (momentan gräßlichst beleuchteten) Stephansdom oder sonst irgendwas mehr oder weniger festhaltenswertes fotografieren. Zumindest Letzteres lässt sich nicht vermeiden, wenn man sich doch halbwegs flüssig bewegen will.

Was sie vor allem fotografieren - und was auch vor allem auffällt - ist die extravagante Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt. Da haut's einem förmlich die Augen raus:

Die protzigen Luster am Graben, goldener Lichterregen am Kohlmarkt, blaue Wölkchen in der Währingerstraße, Sternschnuppen in der Kärntnerstraße, ein fetter Schriftzug "Spiegelgasse" in ebenderselben und - und das ist die Krönung - leuchtende, fette, rote Christbaumkugeln von 2m Durchmesser in der Rotenturmstraße, flankiert von roten Banden mit golden leuchtenden Spiralen, die mitunter mal blau blitzen, wie die Insektenfallen in südlichen Ländern. Und als ob das noch nicht rot genug wäre, wurden die 3 Bäume, die in dieser Straße stehen, noch mit roten Lichterketten behängt. Puh...

(Wie paradox erscheint es da, als die liebe Eva mich wiederum dran erinnert, dass Politiker und sonstige Prominente morgen um 20:00 mal für 5 Minuten das Licht abdrehen wollen, um ein Zeichen zu setzen. Um dem Klimawandel entgegen zu wirken. Blah-blah-blubb.)

Ja, unglaublich weihnachtlich ist dieser ganze Licht-Überfluss. Er hat nur den Vorteil, dass er den Blick von den sackartig-hässlichen, von Hausmauern baumelnden und in Scharen auftretenden rotgewandeten Bartmännern ablenkt, bei deren Anblick ich mir stets eine Harpune wünsche....

Außerdem graust mir, wenn ich bei der Uni ums Eck biege und mir am Stand des dort ansässigen Maronibraters eine Palette mit rosafarbenen(!) und schokolierten Schaumbechern (!!) ins Auge springt. So viel zu: Das passt nicht. Zerstörung der Nostalgie usw....

Oh du schöne Vorweihnachtszeit!

3 comments:

Stephan said...

Sie schlendert wieder!

Das ist doch mal etwas erfreuliches, nach den jüngsten Hiobsbotschaften... Möge das Schlendern lange anhalten, auch wenn dadurch die letztmittwöchliche Mitleidsbekundung vom Felix eigentlich hinfällig wird :)

Abgesehen davon ists schön, daß selbst dieser Kristina das Weihnachten über sein kann, in bestimmten Schattierungen und Dosierungen. Meine Schmerzgrenze liegt da ja noch ein gutes Stück niedriger...

Kristina said...

Tut tut! Vorsicht, mein lieber Herr!
Weihnachten liegt mir nicht auf den Nerven, und das wird es hoffentlich auch so schnell nicht.
Es ist bloß die Reizüberflutung der Vorweihnachtszeit und dieser Konsumhype, die in mir die Grausbirnen aufsteigen lassen.

Aurora said...

Wie beruhigend - die sich abseilenden Miniatur-Santa-Cläuser finden auch bei meiner Mutter und mir immer wieder den Weg auf die allweihnachtliche Wo-ist-mein-Messer-damit-ich-es-
abschneiden-kann-?-Liste. Eines Tages, ja, eines Tages -- halt nein, eines Nachts, ja, eines Nachts wird es soweit sein, wo wir ungesehen durch die Dunkelheit schleichen und den an ihren Galgen baumelnden fehlgeleiteten Gartenzwergen die Dauer ihrer Existenx drastisch kürzen werden. Muahahahaha[infernalischer Lacher des Wahnsinns ad. inf.]!