Wednesday, March 03, 2010

Tales of Bangor #13 (rhif un deg tri) - Dw i'n dysgu Cymraeg

Bore da! Die siebte Woche bin ich jetzt schon hier und seit 6 Wochen lerne ich aktiv eine neue Sprache: Walisisch. Dieser Blogeintrag ist somit schon ein bisschen überfällig, aber das wird jetzt nachgeholt.

Cymraeg [kəm'rɑ:ɪɡ] ist eine keltische Sprache und nicht, wie viele glauben, ein Dialekt des Englischen: Die Grammatik, die Aussprache, ja sogar das Alphabeth sind anders.
Früher mal die einzige Kommunikationssprache in Cymru ['kʌmrɪ] (=Wales), wurde sie ab dem 19. Jh immer mehr in den Hintergrund gedrängt, als englische Migranten auf Arbeitssuche sich in Wales niederzulassen begannen (und sich natürlich nicht darum scherten, dass man hier eine andere Sprache spricht). Die Kinder in den Schulen wurden im 20. Jh hauptsächlich auf Englisch unterrichtet und sogar bestraft, wenn ihnen beim Spielen ein walisisches Wort auskam: "Spoke Welsh" auf einer Holztafel um den Hals machte sie zum Gespött der Klasse.
Diese Zeiten sind freilich vorbei und seit 1993 (Welsh Language Act) genießt Walisisch, auf das man zuvor mit Verachtung herabsah, gleichen Status wie Englisch und seine Verwendung und Erhaltung werden gefördert. So wird es beispielsweise seit 2000 verpflichtend in allen walisischen Schulen unterrichtet.


Die walisische Flagge - für die, die sie nicht kennen

Vor längerer Zeit - als ich noch so gut wie gar nichts über Wales wusste - machte ich einmal den Fehler meinem Lieblingswaliser Simon gegenüber von Welsh als einer toten Sprache zu sprechen. Dadurch handelte ich mir zunächst eine verbale Watschn ein und wurde daraufhin aufgeklärt, dass etwa ein Fünftel aller Waliser sich der Sprache regelmäßig bedient (das sind ca. 611,000 Menschen). Es gibt auch rein walisisch-sprachige Schulen und es ist Sache der Eltern zu wählen, in welcher Sprache sie ihre Kinder aufziehen wollen. Ffion, die ich im Eintrag über Caernarfon erwähnt habe, spricht Welsh beispielsweise als erste Sprache, hat ihre gesamte Schulbildung in Walisisch genossen und hat manchmal Probleme im Englischen das richtige Wort zu finden.


Prozentsatz der Menschen, die Walisisch sprechen
(Bangor ist eh mitten im tief-walisischen Bereich)


Aber jetzt genug mit dem trockenen Teil: Aus diversen Gründen (einer davon bloße Neugierde) beschloss ich, meinen Aufenthalt hier für das Erlernen einer weiteren Sprache zu verwenden, die mir vermutlich in meinem weiteren Leben kaum von Nutzen sein wird. Schon im November machte ich einen geeigneten Kurs ausfindig und meldete mich an. In der ersten Woche hier erzählte ich voller Vorfreude den anderen Erasmen von meinem Vorhaben und konnte 4 auch dauerhaft dafür begeistern, sodass wir uns nun zweimal die Woche spätabens in der Uni versammeln, bereit neue Phrasen aufzusaugen wie Schwämme.

Der Kurs selber ist grandios: Der alte Mann, der ihn hält, besprüht uns mit seinem Enthusiasmus und seiner Begeisterung und macht es uns schwer, keinen Spaß an Walisisch zu finden. Wir lernen local colloquial Welsh, also das, was die Leute hier auf der Straße so sprechen und damit höchst anwendbar - wie ein Fertigmenü: ready to use. Geschrieben wird kaum etwas, dafür aber genug gesprochen. Man wirft uns eine neue Phrase an den Kopf und im Chor wiederholen wir sie so an die zehn Mal, bevor sie leicht verändert wird und wir schließlich damit kreativ werden dürfen.
Dann bekommen wir für gewöhnlich kleine Kärtchen und ich bin für die nächsten 5 Minuten Rhian, die mit ihrem Hund in Llanfairfechan wohnt, ursprünglich aber aus Liverpool kommt. Ich arbeite als Krankenschwester im Krankenhaus von Gwynedd und samstags gehe ich zu Tesco's einkaufen. (Rhian dw i. Dw i'n byw yn Lanfairfechan efo ci. Dw i'n dwad o Lerpwl. Nyrs dw i. Dw i'n gweithio yn y'r ysbyty Gwynedd. Dw i'n siopa yn Tesco dydd Sadwrn.) Ich wandere herum, stelle mich vor und versuche herauszufinden, wer die anderen sind. Wenn sich's ergibt reden wir noch übers Wetter und das persönliche Wohlbefinden und verabschieden uns dann wieder voneinander. Macht total viel Spaß!

Ich bin nur froh, dass ich Streberin schon vorher mit dem Alphabet und der Aussprache vertraut war, denn man braucht eine Weile, sich daran zu gewöhnen: Walisisch schaut auf den ersten Blick aus, als würde es nur aus Konsonanten bestehen, y [i:, ə] und w [ʊ] zählen allerdings als Vokale, und u wird verwirrenderweise als i gesprochen. Auch die Konsonantenkombis sind interessant: so wird das berühmte ll behaucht und klingt in etwa wie eine Mischung aus sch und l; ebenso wird rh behaucht, was teilweise recht anstrengend sein kann, weil man extra Luft holen muss; si wird wie sch gesprochen; c ist ein k (k gibt es nicht); ff ist ein f, denn f ist ein v. Alles logisch?

Da das Walisische nicht von sich aus über alle nötigen Wörter verfügt, werden viele einfach aus dem Englischen übernommen und transkribiert und man bekommt dann Sachen wie siop, pwll, ffon, beic, siwgr, brecwast, busnes, siocled.*
Was ich aber noch viel spannender finde sind Begriffe, die die Römer den Walisern als Erbe hinterlassen haben, denn davon gibt's gar nicht so wenige. Lernen heißt beispielsweise dysgu, Fenster ffenest, Honig ist mêl.
Und dann gibt es noch die typisch keltischen Wörter, wie zb halen für Salz.

*Lösung: shop, pool, phone, bike, sugar, breakfast, business, chocolate


Unheimlich spannend! (Ich greife auch viel öfter zu meinen Walisisch-Materialien als zu den Sachen, die ich eigentlich lernen sollte, aber die sind ja auch nicht neu oder aufregend.)
Jedesmal, wenn ich im Supermarkt oder Café alte Leute reden höre, spitze ich sofort die Ohren und versuche bekannte Wörter herauszufiltern (meist vergesse ich dabei, was ich eigentlich kaufen wollte) und freue mich, wenn ich einen Wochentag oder eine Zahl identifizieren kann, neben dem ständig auftauchenden iawn (gut). Im Übrigen hilft Wales dem Lernenden in seiner Ganzheit, denn das Land ist ein einziges Wörterbuch: zweisprachige Ortstafeln (ja, es gibt Orte, an denen das problemlos möglich ist), Hinweistafeln, Bankomaten, Plakate, Ansagen in Bahnhöfen, ja sogar zweisprachige Emails von Seiten der Uni: Man schnappt einfach viel auf, wenn man die Augen offenhält und ich habe den Eindruck, dass mein Hörverständnis hier besser funktioniert als in den anderen Sprachen, die ich irgendwannmal zu lernen versucht habe. So streute einmal ein Waliser in eine englische Konversation ein Dw i ddim yn hoffi Maths. (= I don't like Maths.) ein und ich konnte ohne nachzudenken mit "me neither" antworten. Ein klarer Vorteil, wenn man eine Sprache durch Hören und Sprechen lernt, anstatt durch Schreiben und Lesen.

Bedauerlicherweise ist Bangor zu sehr internationale Studentenstadt, um hier Walisisch auch aktiv zu verwenden. Die jungen Leute sprechen alle Englisch und meine beiden walisischen Mitbewohner kommen aus Gegenden, wo Walisisch zwar gelehrt, allerdings nicht wirklich gesprochen wird und nachdem ich die beiden immer verunsichere, wenn ich sie auf Walisisch anspreche, lasse ich es nun bleiben. Sehr schade, denn ich würde meine neuen Skills so gerne irgendwo üben und anwenden und habe deshalb vor, irgendwann im Mai in ein Gebiet fahren, wo man hauptsächlich Walisisch spricht und dort dann versuchen eine Konversation zu führen. Oder vielleicht früher, denn der Traum von einem Fahrrad ist gerade eben ein bisschen realistischer geworden und dann dw i'n mynd ar y beic (kann ich herumradeln)!

Hwyl rwan! (bye for now)

2 comments:

kathi said...

danke für die einführung. damit stehen wir dann nicht wie die absoluten dummbeutel da, wenn wir dann selber die straßen unsicher machen ^^

und: don't you worry, denn spätestens wenn du wieder hier bist, bist du dem erasmus-komitee noch ein paar sätze auf walisisch schuldig ; )

Kristina said...

Solang ihr Llandudno nicht als [landʌdno] aussprecht, sollt euch nix passieren :) (richtig ist [hlandɪdno])

Haha! Ja, das Erasmuskommittee! Bin gespannt, ob die Soukup mich wirklich abprüfen will....