Sunday, April 22, 2007

Wir mögen Paris nicht!

Es folgt nicht, wie vielleicht vermutet, eine Invektive gegen Paris Hilton -- wäre ja viel zu abgedroschen -- sondern vielmehr eine gegen den mythischen Paris, der ja seit der unglaublich guten Verfilmung "Troja" allen mehr oder minder ein Begriff ist.

Diesen liebenswerten jungen Mann lässt der geniale Ovid einen Brief an Helena schreiben, bevor sie abduziert wird.
Dabei kommt so richtig gut seine Oberflächlichkeit durch, denn außer ihrer Schönheit ist die werte Helena ihm eh egal. Aber wenn man von seiner Frau (ja, Paris ist verheiratet) eine Weile lang getrennt ist, dann muss man sich freilich Ersatz suchen.
Als nun also Paris, in Griechenland angekommen, die hübsche Helena erblickt (und v.a. als bei einem Gastmahl ihre lockere Tunika verlockende Einblicke gewährt), wünscht er sich freilich nichts sehnsüchtiger, als mit ihr das Nachtlager zu teilen. Da ihm bewusst ist, dass das ganze nicht so einfach wird - schließlich ist die Gute ja glücklich verheiratet und hat auch ein Kind mit ihrem Gatten Menelaos - betrinkt er sich aus Verzweiflung einmal ordentlich.
Aber er kann dennoch seine Begierde nicht verdrängen und, halbwegs ausgenüchtert, legt er ihr das ganze nun lang und breit, auf 375 Verse ausgedehnt, dar.
Dabei verwendet er mehr oder minder zugkräftige Argumente, mit denen er Helena dazu bringen will, ihm doch Einlass in ihr Schlafzimmer zu gewähren:
Ihr Gatte sei ja viel zu dumm, um ihre Schönheit zu schätzen - denn warum fährt er denn auch zu einem Freund, wenn der Ach-so-verführerische Paris zu ihm kommt, da muss man ja damit rechnen, dass nicht mehr alles beim Alten ist, wenn er zurückkehrt. Und ist es nicht ein Zeichen, dass er Helena aufgetragen hat, sie möge sich um den Gast kümmern? Warum tut sie es denn nicht? Er weiß doch, dass sie sich einsam fühlt, so ganz allein im großen Bett...
Außerdem, ja, außerdem habe ihm Aphrodite ja zugesichert, dass er Helena bekommt. Sie werde sich ja wohl nicht gegen die Göttersprüche wehren!
Ja und er, Paris, sei ja nicht nur schön, sondern außerdem auch ein mutiger und unglaublich geschickter Krieger, der alle bezwingen kann, wenn er nur will. Was gibt es da noch lange zu überlegen?
Falls sie dennoch zögern sollte, verspricht er ihr sicherheitshalber noch einen Haufen Schmuck und das ganze trojanische Königreich.
Dann versucht er noch, mögliche Bedenken über einen Krieg zu zerstreuen, denn schließlich habe es auch keine Kriege gegeben, als Helena schon von Theseus entführt wurde,... bla-bla - verschiedene Belege aus der näheren Verwandtschaft folgen.

Ja, so ist er, der liebe Paris - ein sympathischer Kerl.


Der Autorin der vorhergehenden Zeilen ist durchaus bewusst, dass sich mit größter Wahrscheinlichkeit niemand für die Inhalte des Verfassten interessiert; mangels momentaner anderer freizeitgestaltungstechnischer Möglichkeiten jedoch und dem Drang, wieder mal ein paar Zeilen hier fallen zu lassen, entschied sie sich doch für eine Veröffentlichung dessen.

7 comments:

Ovid is genial, aber ich tät trotdem lieber was anderes said...

Zitat:" Ich bin auch stark!Und meine Pfeile treffen!!!"
man könnte ne Abstimmung machen, ob jetz der Paris oder die Paris sympatischer ist..Ich glaub jedenfalls, die hätten sich ganz gut verstanden..

Anonymer Ovid-Fan said...

Kritik am Rande:
Im Kommentar von O6 steht, dass ihre Brüder Helena zurückgeholt haben, als sie Theseus abduziert hat...sicher nicht ganz unblutig

Anonymous said...

Kastor und Pollux? Haben die den Thesi umgebracht?

aof said...

Weiß i net...sie werden sicher net hingegangen sein und gesagt hab: Würden Sie uns, o duchlauchtigster Herr Theseus, die überaus große Gnade erweisen, uns unsere Schwester zurückzugeben...

pia optissima magnissima said...

ich kann da ja fachmäßig wieder gar nicht mitreden, ich weiß ja nicht mal ob das ganze eine wahre geschichte war oder nur ein hirngespinnst ovids. es macht mich allerdings sehr traurig, diese seite heute unter dem titel "uninteressante meldungen" begutachten zu müssen. sie hat einen schöneren verdient. und nachdem du ja sowieso bald zungenwissenschaftlerin bist, wie meine kleine schwester mir versicherte (Linguistik) müsstest du ja in der Lage sein, dir was attraktiveres zu überlegen!!!!!! check it out!

Viel-o-login said...

naja..erfunden ists sicher...stimm mit dir, was den Titel dieses Blogs betrifft, überein. Allerdings: optissima magnissima is e a Schmäh? Oder?

Kristina said...

...die eva will damit sagen: es heißt "optima" :). Aber macht ja nix :).

Zungenwissenschafterin ist ein interessantes Wort, das man auf verschiedene Arten auslegen kann... hmm.... hat sich deine Schwester dabei was gedacht?