Tuesday, April 20, 2010

Tales of Bangor #19 (rhif un deg naw) - Heimatliche Experimente

PROLOG
Nach etlichen Abenden der fröhlichen Spaghettikocherei war unserer kleinen Erasmengruppe mal nach etwas anderem. Fiepje und Elzelien hatten uns schon vor Längerem einen holländischen Kochabend versprochen und da die Länderverteilung sehr gleichmäßig ist (2 Deutsche, 2 Niederländer, 2 Österreicher) haben wir diese Idee gleich ausgedehnt zu 3 verschiedenen themenspezifischen Veranstaltungen.

Die Vertretung Österreichs präsentiert:
Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat
gefolgt von
Apfelstrudel mit Vanillesauce

mit
Elisabeth Pfister
und
Kristina Hammer
in den Hauptrollen


*Vorhang auf*

ACTUS I - Vorbereitung
Elli, eine Tirolerin und somit trotz Regional- und Sprachdifferenzen Landskumpanin, brachte von ihrem Osterurlaub eine Packung Semmelbrösel mit und gestern gingen wir ans Werk:
Wir kauften Schweinsfilets, Erdäpfel, Äpfel und Vanillepuddingpulver und gleich einem britischen Archäologen auf Feldtour beraubte ich die Küche im Hause Cadnant (in dem ich wohne) aller Essenzialien und stahl mich damit klamheimlich zu Ellis Studentenheim - natürlich nicht, ohne pflichtbewusst eine Nachricht am weißen Brett hinterlassen zu haben.

ACTUS II - Zubereitung
Während Elli sich um die Erdäpfel kümmerte, begann ich den Strudelteig vorzubereiten, denn der sollte eine Stunde rasten. Wieder einmal waagenlos schüttete ich Mehl, Öl und Salz in eine große Schüssel und begann mit dem Stiel eines Holzlöffels zu rühren und Wasser beizumengen (Carnuntum lässt grüßen).

Zeit verging....... sehr meditativ diese Aufgabe.

Irgendwann hatte der Teig eine Konsistenz erreicht mit der ich glücklich war und Elli und ich begannen ein irres Geschirrabwaschen und Herumtauschen - wir hatten nämlich recht wenig davon zur Verfügung, aber alles ging sich dann irgendwie aus.

Der Teig wurde zur Seite gestellt und ich widmete mich dem Fleische. Leute, die mich kennen, wissen, dass das nicht unbedingt meine area of expertise ist und deshalb sah ich diese Aufgabe als besondere Herausforderung. Sorgsam entfernte ich die zentimeterdicke Fettschicht von den rohen Schweinsmuskeln und ging dann dazu über, sie in Ermangelung eines Schnitzelklopfers mit einem Kartoffelstampfer zu malträtieren. (Die sonderbaren Blicke einige anderer Studenten, die immer wieder kurz in die Küche kamen, ignorierte ich.) Überraschenderweise hat das Schnitzelstampfen ganz gut funktioniert und nach einer gefühlten halben Stunde, als ich dann schon einen Krampf im Arm hatte, waren sie dünner als zuvor. - Inzwischen waren auch unsere Gäste eingetroffen: Miriam, Rebecca und Elzelien. - Ich würzte die Schnitzel und zog sie traditionsgemäß durch Mehl, Ei und Brösel und Elli übernahm die Aufgabe des Rausbackens, während ich mich dem vernachlässigten Strudelteig zuwandte.
Also wenn meine Oma den zieht sieht das immer so leicht aus und er wird hauchdünn ohne zu reißen...nun ja: hauchdünn wurde er nicht. Gerissen ist er außerdem. Hingehaut hat's trotzdem und man hat dem Strudel halt angesehen, dass er mit Liebe und von Hand fabriziert wurde.
-> Strudel ins Rohr, Schnitzel auf den Teller und los geht's.

ACTUS III - facing the critics
Unsere Mühen schienen sich gelohnt zu haben, denn die Schnitzel wurden allseits approbiert. Die Optik des Kartoffelsalats wurde zwar in Frage gestellt, allerdings gleichzeitig mit hohen Geschmacksnoten relativiert. Alles wurde restlos verspeist - wenn auch mit ein bisschen Überredungskunst und Drohungen - und die Teller wurden der rituellen Waschung unterzogen.

Runde 1 erfolgreich absolviert. Auf zum Dessert!

Der Strudel sah gebacken ganz gut aus und während er ein bisschen abkühlte fabrizierten Elli und ich die Vanillesauce. Auf die waren wir besonders stolz, da sie ob ihres Freiseins von Laktose von allen gleichsam genossen werden konnte. (Wozu man in custard allerdings tonnenweise orangen Farbstoff kippt ist mir ein Rätsel. So ein grauslich künstliches Orange! Zum Glück hat die Sauce diese Farbe dann verloren, sonst wären uns vielleicht noch ein paar Optikpunkte abgezogen worden). In Wiener Kaffeehausmanier bekam jeder ein schönes Stück Strudel in einem See von Vanillesauce auf die wiedergesäuberten Teller. Hübsch. Ein Austrophiler britischer Student, der unsere Handlungen die ganze Zeit neugierig beäugt hatte, kommentierte das Aussehen sehr positiv und berichtete uns von seinen Strudelerfahrungen in Windischgarsten (habe ich da ein sehnsüchtiges Glitzern in seinen Augen entdeckt?). Unsere Gäste haben wiederum ganz brav gegessen - abgesehen von der zahnqualitätprüfenden Kruste hat der Strudel auch ganz gut geschmeckt - und man kann wohl auch diese zweite Runde als Erfolg deklarieren. High five, Elli!


*Vorhang*

*Musik setzt ein*

Abspann
Teigziehen muss geübt werden, in allem anderen sind Elli und ich würdig, unser Heimatland kulinarisch zu vertreten. (Für mich persönlich war die ganze Aktion ein Probelauf, denn ich habe vor, meine lads demnächst mal auf ähnliche Art zu bekochen. Mal schaun, ob's dann genauso gut wird.) Entspannt nach Absolvierung unserer Aufgabe blicken Elli und ich nun voller Vorfreude und Spannung dem deutschen und dem holländischen Megaevent entgegen. Es wird an uns sein, sich bekochen zu lassen, zu genießen und zu urteilen. Bin schon sehr gespannt...

**

Credits
gedankt sei
  • unseren Müttern, die uns beratend telefonisch zur Seite standen
  • den Bewohnern des Hauses Cadnant, die für einen Abend diverser Utensilien - darunter eines Kartoffelstampfers - entbehren mussten
  • den Bewohnern des Studentenheims, die uns die Küche versauen ließen
  • Elli - für die tolle Zusammenarbeit
Wir bedauern informieren zu müssen, dass für diese Veranstaltung sehr wohl Tiere verletzt wurden. Allerdings nicht direkt von uns.

3 comments:

Anonymous said...

Aha, auf der Insel kommt man also sogar damit durch, wenn man ein paniertes Schweineschnitzel Wienerschnitzel nennt :P
Ansonsten: Jetzt hab ich Hunger. Deine Schuld!
Gerfried

kathi said...

deine einträge sind immer wieder für einen herzhaften lacher gut! haha!

Kristina said...

@Gerfried: Ich hätt eh Rind wollen, aber hab nix Brauchbares in die Richtung gefunden. Und: Gegen Hunger rät Dr. K: Iss was ;-)

@Kathi: Das freut mich zu lesen ^^. Dafür werd ich mich auch beim nächsten Mal wieder bemühen.