Sunday, December 03, 2006

Adventsilluminationen - eine Invektive

Vor nunmehr zwei Wochen hat es begonnen: Ich ging nichts ahnend von irgendwo nach Hause und als ich in meine Gasse einbog, sah ich die Nachbarn freudestrahlend vor ihrem Haus stehen und an dessen Fassade hochblicken. Ich folgte ihren Blicken - natürlich nachdem ich zuersteinmal gegrüßt hatte - und erblickte den Sohn des Hauses, der am Balkongeländer im ersten Stock einen dieser absolut entbehrlichen, deformierten, gegen sämtliche aesthetische Kriterien verstoßenden Weihnachtsmänner samt Strickleiter befestigte. Krampfhaft bemüht, weder mein Gesicht zu einer Grimasse werden zu lassen, noch die Augen irgendwie zu verdrehen, lächelte ich den Nachbarn zu und betrat unser Haus um dort in aller Ausführlichkeit meiner Entrüstung Luft zu machen.
Einen weiteren Schock bekam ich, als mich in Wien irgendein Blinken zu meiner Rechten veranlasste, meinen Blick vom Weg abzuwenden und dem Ursprung dieser Störung nachzugehen: Es war das Chinarestaurant mit dem originellen Namen "Heimat" welches mich anblinkte - in bunten Farben. Der Eingang gesäumt von vielen vielen Lichterketten, die kunstvoll um die Säulen und das (bei Chinarestaurants immer präsente) Vordach geschlungen sind und zur Verstärkung noch irgendwelche undefinierbaren, runden Dinger in den Fenstern deren verschiedene bunte Lichtkreise schnell von außen nach innen und innen nach außen laufen...
Derartige Weihnachts"dekorationen" wecken in mir immer den Drang zur Vandalin zu werden und mich abzureagieren. Das ist doch nicht weihnachtlich! Weihnachten soll - sofern ich das richtig auffasse - eine Zeit der Besinnung und der Gemütlichkeit sein; da hat hektisches Geblinke ja wirklich nichts verloren (mal abgesehen davon, dass bei uns das Christkind heimisch ist und nicht der Weihnachtsmann... aber ersteres dürfte wohl schon vom Aussterben bedroht sein)!

4 comments:

Pia said...

Wow, ich schließ mich dir voll und ganz an, ich bin eine Verfechterin des Christkinds!!! Außerdem bin ich eine Mitleidende, da genau im Zentrum unseres kleinen "alten Dorfes" eine alte Schmiede steht, die von den neuen Bewohnern in extremster Art und Weise weihnachtlich entstellt wurde. Wenns wenigstens nur gelb blinken tät, wärs ein Traum; diese rot-blau-grün blinkenden Lichterketten und Weihnachtsmänner ertrag ich überhaupt nicht. Das hat ungefähr den Flair vom KissMe (für alle unwissenden: das "lokale" Puff in Strasshof)!!

Stephan said...

Ich möchte mich der allgemeinen Entrüstung über den Vormarsch des Coca-Cola-Manns natürlich anschließen. Insbesondere deswegen, weil ich gestern erst in Nürnberg aufm Christkindlesmarkt war, der ja seinen Sinn verliert, wenn das Christkind auf einmal ausschaut wie 70 und einen weißen Rauschebart hat.
Abgesehen davon muß ich sagen, daß mich die alljährliche Weihnachtsblinkerei heuer bisher weitestgehend verschont hat. Vielleicht liegts ja daran, daß ich hier in einem kleinen Dorf voll bodenständiger Altbaiern sitz. Oder es ist einfach noch zu früh im Advent. Ich glaube eher an Letzteres, um ehrlich zu sein.

Kristina said...

nein, für bestimmte Leute gibt es so etwas wie "zu früh im Advent" nicht... bei denen beginnt der Advent eher schon Mitte November - und endet dann irgendwann Ende Februar oder so..

stephan said...

Ja, ich fürchte sowieso, ich muß meine obige Aussage relativieren. Ich hab soeben einen blick aus meinem Fenster geworfen, der ohne groß zu zielen auf Nachbars Balkon gefallen ist. Dieser ist natürlich prompt ein weihnachtlich lichterberankter. Außerdem sprießt seit ein paar Tagen in der weiteren Umgebung überall dieses lumineszierende Kriechgewächs an den Hauswänden hoch.
Infolgedessen würd ich jetzt die Hypothese aufstellen, daß abgesehen vom harten Kern, für die nach Weihnachten auch vor Weihnachten ist, die meisten adventischen Nachtbeleuchter in einem eher kurzen Zeitraum Anfang Dezember ihre Lichterketten aufbauen, weswegen das vor ein paar Tagen noch erträglich war.